Frühere Stasi-Kryptologen entwickeln Verschlüsselungstechnik für Bundesregierung und Nato

Ehemalige Stasi-Wissenschaftler entwickeln seit Anfang der neunziger Jahre Chiffriertechniken für Bundesbehörden und die Nato. Die Kryptologen aus der ehemaligen Stasi- Abteilung XI "Zentrales Chiffrierorgan" (ZCO) wurden nach der Wende von der Bundesregierung unter Helmut Kohl in einer bislang unbekannten Geheim-Operation in einer privatwirtschaftlichen Auffanglösung untergebracht – der Rohde & Schwarz Tochterfirma Rohde & Schwarz SIT GmbH, die heute ihren Sitz in Berlin-Adlershof hat. "Das waren herausragende Mathematiker, die sich persönlich nichts haben zuschulden kommen lassen", sagt Otto Leiberich, der damals das westliche Gegenstück im Bundesnachrichtendienst und später das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik leitete und in die Operation unter Federführung des Bundesinnenministeriums eingebunden war, so der Spiegel in einer Vorabmeldung für sein am Montag erscheinendes Magazin. Hintergrund für die Aktion, bei der rund ein Dutzend ehemalige Stasi- Männer, darunter auch ein ehemaliger ZCO-Abteilungsleiter, in die Marktwirtschaft überführt wurden, war die Angst, die Chiffrier-Spezialisten könnten mit ihrem Fachwissen etwa in Länder des Nahen Ostens überlaufen. Weil eine direkte Übernahme der Stasi-Kryptologen politisch als zu heikel galt, sprang Rohde & Schwarz ein. Bis heute arbeiten ehemalige hauptamtliche Stasi-Wissenschaftler für das Unternehmen, das unter anderem die Bundesregierung mit Krypto- Handys beliefert und nach eigenen Angaben "bevorzugter Lieferant von Hochsicherheits- Kryptografie" für die Nato ist. Rohde & Schwarz wollte sich auf SPIEGEL-Anfrage nicht zu diesem Teil seiner Geschichte äußern.

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