Double Dip oder Bubble Big

 

Fünfteilige Serie: Betrachtungen zum Ende des Kapitalismus,
Teil 2:

Double Dip oder Bubble Big

Während in Deutschland die konjunkturelle Erholung die Hoffnungen auf einen Wirtschaftsaufschwung begünstigt, geht international, also auch in der deutschen Fachpresse, das Wort vom „Double Dip“ um, also dem erneuten Abgleiten der Weltwirtschaft in eine Rezession. Für den Niederrheiner ist ein „Double Dip“ rein sprachlich überhaupt kein Problem. Ein Dubbel ist eine Stulle mit Belag zwischen den beiden Brotscheiben – zwei, deshalb also doppelt. Und das Verb „dippen“ ist hier auch bestens bekannt. 

Ich hatte im ersten Teil dieser Betrachtungen auf die ökonomischen Daten hierzulande hingewiesen, weil von diesen halbwegs bekannten Zahlen häufig auf die – weitgehend – unbekannte Situation der Weltwirtschaft geschlussfolgert wird. Hin und wieder wird auch außerhalb der Wirtschaftspresse der Blick über den Tellerrand gewagt. Dann bemühen die Medien häufig das Bild von „Deutschland als Wachstumsmotor“.
Damit werden zwar Avancen an den Nationalstolz gemacht, die realen Verhältnisse in der Ökonomie jedoch stark verzerrt dargestellt. Immerhin mag der geübte Leser erkennen, dass es in vielen Teilen der Welt noch nicht so richtig will mit dem Wachstum. Der Ifo-Indikator für das Weltwirtschaftsklima ging für das zweite Halbjahr 2010 von 126 auf 114 zurück, um nur diese Zahlen zu nennen. In China geht es nach oben; die Regierung muss jedoch mit aller Kraft darum kämpfen, das dortige Wachstum zu drosseln, um ein Überhitzen der Konjunktur zu vermeiden. In den großen Zentren haben sich längst Immobilienblasen gebildet, wie wir sie vor zwei Jahren aus den USA kennengelernt haben.
Die Konjunkturindikatoren für die USA kennen seit fast einem Jahr nur eine Richtung: abwärts. Nirgends ist zu erkennen, dass sich der Welthandel ausdehnen könnte. Er stagniert gegenwärtig und droht, wieder zu schrumpfen. Die schweren Gleichgewichtsstörungen in der Weltwirtschaft tun ihr übriges. 

Zum einen beginnen nun die Länder mit einem Leistungsbilanzdefizit, also insbesondere die USA und Großbritannien, es den Chinesen und den Deutschen gleichzutun. Diejenigen, die bislang – in deutscher Diktion – „über ihre Verhältnisse gelebt haben“ eifern jetzt den zweifelhaften „Vorbildern“ nach: Exportüberschüsse erwirtschaften, das überschüssige Kapital auf den Weltfinanzmärkten anlegen, die protektionistischen Waffen spitzen usw. Die Exportmanie ist zurück; es riecht nach (Wirtschafts-) Krieg.
Zum anderen muss es ja irgendwo hin, das überschüssige Kapital. Und weil das mit dem Aufschwung und der (Welt-) Wirtschaft auf wackeligen Füßen steht, kommen Aktien nicht so recht in Frage. Immobilien schon gar nicht. Wo man auch hinsieht, überall diese Blasen. Gold – gut, wirft keine Zinsen ab, aber trotzdem. So wurde der Goldkurs bis an die Decke getrieben, bis er sich den Kopf gestoßen hatte und jäh abstürzte. Man mag an Ikarus denken; doch auch hier handelte es sich um nichts Anderes als um eine Blase.
Also legen die großen Kapitalsammelstellen – die Banken und Versicherungen, die Chinesen und die Saudis, die Investmentfonds und die „Heuschrecken“ – ihre Millionen und Milliarden so an, wie Nachbars Schwager das Geld seiner Schwiegermutter: in sicheren Staatsanleihen. Am besten in Bundesanleihen. US-Anleihen gingen natürlich auch. Oder holländische oder schweizer. Sie müssen halt nur sicher sein. Kürzlich erst haben wir doch gesehen, dass selbst Staaten pleite machen können. Stichwort: Griechenland. 

Also packen jetzt alle ihre Millionen und Milliarden, in die Anleihen, die Rentenwerte, die Bonds, oder wie auch immer man die Anteilsscheine der Gläubiger an der Staatsverschuldung nennen mag. Und genau dies ist der Anfang vom Ende. Der Anfang vom Ende des Kapitalismus.
Warum das so ist, erfahren Sie im dritten Teil. Er erscheint morgen unter dem Titel: „Auf einmal entsteht eine ganz große Blase“.

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