Lieder aus Bukowski-Land: Boris Gott

Setzen wir sie doch einmal für einen Moment ab, die rosaroteallessupertoll Brille durch die wir momentan alle das Ruhrgebiet als Kulturhaupstadt wahrnehmen und sehen. Wenn sich das Sichtfeld wieder geklärt hat und die Realität uns erneut eingeholt hat senkt sich unser Blick nach Dortmund. In der dortigen Nordstadt lebt und arbeitet Boris Gott, seines Zeichens – ja, was? Liedermacher? Poppoet? Rockartist? Auf alle Fälle jemand, der deutlich daran erinnert, dass es im Pott nicht nur die Glanzseiten gibt sondern auch die häßliche, ungeschminkte Nordstadt Dortmunds – inklusive Säufer, Nutten und Leuten, die sich längst aufgegeben haben.

Da passt es nur zu gut, dass die aktuelle Tournee durch die Arbeitsämter der Region führte. Nachdem Boris Gott schon die anderen Stationen des Ruhrpottdreikampfs – Kneipe und Pommesbude – hinter sich brachte waren die ARGEn fällig. „Bei uns hier im Revier regiert HartzIV“, stellt der Künstler ohne Heimatland fest. „Es ist Bukowski-Land, mein Freund heißt Bohnenkamp, mir bleibt der Bordsteinrand.“ Dabei meistert er nonchalant die Grenze zwischen Anteilnahme und Selbstironie. Und verleugnet doch nicht, dass er im Grunde eigentlich ein Dortmunder Jung ist, dessen Herz an seiner Stadt hängt. Man kann die Dinge ja lieben – trotzdem. Irgendwie so. Gerade weil. Aber auch sagen können dass. Genau. Muss man ja. Eingängige Melodien prägen die Songs, Rockeinflüsse sind zu hören, Pop natürlich auch. Dennoch: Ein erdiger grundverbundener Sound. Es reichen Gitarre und Schlagzeug – so im Grunde genommen.

In einem anderen Universum steht der Nordstadt-Barde für das Gute und das Gerechte. Im Grunde genommen steht Boris Gott auch in diesem Universum für grundlegende Werte. Für Selbstachtung im Angesicht der 30%-Kürzung. Gegen Resignation im Wartebereich. Ironisch gebrochen, aber dennoch mit Herz für die, die man „die kleinen Leute“ nennt. Wer einerseits den Barden und andererseits den Sänger kennenlernen möchte kann dies am 02.10. bei der Livelesung des Webcomics „Union der Helden„. Und vorher? Vorher ist Boris Gott auch in Dortmund unterwegs. Hingehen ausdrücklich anempfohlen. Schließlich ist irgendwann mal Kulturhaupstadt vorbei, da muss man sich ja mal drauf vorbereiten. So seelisch irgendwie. Oder?

23. Sep 201019:30DORTMUND, Subrosa „Talentschuppen“
Gneisenaustr. 56
24. Sep 201020:00DORTMUND, Wichern-Haus, im Kabarett-Duo mit ILHAN ATASOY, mit dabei MURAT KAYI
Stollenstr. 36
02. Okt 201015:30DORTMUND – Hörde, PhönixSee – Eröffnungsfest
Schlanke Mathilde
02. Okt 201020:00 DORTMUND, Schauburg (tbc.) – Mitwirkung bei der Lesung des Foto-Comics „UNION DER HELDEN“
Brückstr. 66

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