stART10: Freitagspiste

Nachdem ich an den ersten zwei Tagen leider nur Abends da sein konnte, war ich sehr froh als ich die Gelegenheit bekam den kompletten Freitag als Helfer bei der stART10 verbringen zu können. Also Zeit für ein kleines Resümee des Ganzen.

Schon im Vorfeld wurde mir zugeraunt, dass der Vortrag von Shelly Bernstein ein MUST ist. Da wurde mir nicht zuviel versprochen. Shelley stellte die Webaktivitäten und überhaupt eigentlich das ganze Brooklyn Museum vor – schade, dass der Saal nicht gut besetzt war, hier hätten Museumsdirektoren durchaus etwas lernen können. Unter anderem: Die Schrift in Museen ist meistens zu klein, Sitzmöglichkeiten gegenüber den Gemälden werden gerne wahrgenommen und wenn Kinder auf Rodin-Ausstellungsstücken klettern sollte man sich nicht unbedingt darüber aufregen. Was Shelley zeigte war eine Entwicklung von 6 Jahren, zugegeben, aber meine Güte: Es ist einfach unglaublich was das wenige Personal mit den Web-Tools anstellt. Die machen alles richtig. Genau so bindet man Menschen aktiv ein und ergänzt die Exponate. Okay, dass eine Statue des Museum in der zweiten Staffel von „Tru Blood“ zu sehen war hilft dann natürlich ein wenig. Aber auch darüber hinaus: Reizende Dame.

Weiteres persönliches Highlight: Marc van Bree. Er und ich haben über Twitter schon des öfteren kommuniziert – unter anderem wegen seines Projekts „FloodofSupport“, was höchst spannende Ergebnisse abgab übrigens – und es war toll ihm die Hand schütteln zu dürfen vor dem Vortrag. Der Rest war – mindblowing. Demnächst stehen auf meiner Buchbestell-Liste mindestens vier englische Fachbücher über das Thema Social Media Stategy, die hatte er als Quellen angeführt. Bemerkenswert: Knapp 20% der Orchester, die bei Social Media unterwegs sind meinen, keine Strategie nötig zu haben. Und nur wenige machen überhaupt vorher eine – offenbar ist man da in der Phase des Rumexperimentierens. Wenn man aber keine Strategie hat, dann bringen natürlich auch die schönsten Werkzeuge nichts. Seltsam das. Aber ich habe eine Menge gelernt.

Erst nach der Mittagspause war ich dann zurück, nebenbei gab es noch einige Helferlein-Aktivtäten zu erledigen – so unter anderem eine Werberunde um Flyer zu verteilen. Wobei mir mal wieder aufgefallen ist, was ich schon auf Science-Fiction-Treffen wie der FedCon feststellte: Irgendwann ist der Tisch mit Flyern so voll, dass man überhaupt nicht mehr wahrnimmt dass da Flyer liegen. Sicherlich sind diese Dinger wichtig. Aber Vorschlag fürs nächste Mal: Einfach mal Konferenz-Taschen machen, da findet sich doch bestimmt ein Partner für der 500 Stofftaschen mit einem Logo bedruckt, das notwendige Material dann in die Tasche packen und diese verteilen. Das erspart nämlich auch den Helfern einige Arbeit am Empfang. Zusätzlich, klar, kann man immer noch Flyer verteilen – aber ich persönlich nehme immer alles mit, was ich in Con-Taschen finde. Okay, habe ich gemacht – ich sortiere noch vor Ort das aus, was ich nicht benötige, aber die wichtigeren Flyer und Infos nehme ich dann mit nach Hause. Vielleicht mal ein Punkt fürs nächste Jahr.

Nach der Pause: Agenturbloggen und Hürden

Als Helfer saß ich dann bei im – eigentlich mir längst bekannten – Vortrag von Klaudia Pirc zum Thema Agenturbloggen. Erwartet hatte ich eine große aufregende Diskussion: „Agenturen können nicht für Unternehmen bloggen, das müssen die Leute in den Institutionen selbst tun“. Klaudia stellte auch klar, dass das in einigen Punkten stimmen würde, aber auch Agenturen können für Kulturinstitutionen bloggen und aktiv sein. Sicherlich können spontane Aktionen von vor Ort nicht ins Web eingespeist werden, was aber längerfristige Planungen betreffe schon. Eine Agentur kann immerhin die Leute coachen – wenn die dann Spaß haben machen die das auch. Es ist halt eine Sache, die man meiner Meinung nach nicht einfach als gut oder schlecht per se abtun kann. Ich verstehe da auch die Diskussion drum nicht. Es ist halt ein Zwischending zwischen gar nicht im Web2.0 aktiv sein oder selbst aus der Firma aktiv sein. Und seien wir ehrlich: Die meisten Leute in Firmen sind so in ihren Hamsterrädern drin, dass die nicht einfach ausbrechen können oder wollen.

Welche Hürden gibts bei der Umsetzung von Web2.0-Aktivitäten? Spannende Diskussion mit Moderator Frank Tentler – leider habe ich mir nicht die Namen der Sprecher notiert, aber die Institutionen. Einstimmig wurde festgehalten: Das Entwicklen von eigenen Communitys sollte man nicht tun. Das Konzept der Meta-Community ersetzt das Aufsetzen und Programmieren von eigenen Lösungen eh oder wenn man eine Software will, kauft man sich die Leistungen von NING. „Die wertvollste Community sind Menschen, die schon zu einem Thema online vernetzt sind“, so Frank Tentler. Stimmt.
Das Projekt Musikland-Niedersachsen war bemüht, den Politikern beizubringen, dass man nicht die Hochglanzillustrierte der ZEIT ist. Hürde war das Logo. Keine Ahnung warum, die Centaur-Familie ist doch niedlich. Was ich nicht gefragt habe: Werden die genutzt um eine Geschichte zu erzählen? Da läge nämlich Potential. Und man hatte Probleme mit der Firma E-Werk aus Leipzig – die Gründe wurden nicht öffentlich genannt.

Zum Start der jungen tonhalle in Düsseldorf hatten sich die Macher was Tolles einfallen lassen – was jetzt echt keine Ironie ist, weil die Idee an sich hatte schon was: Jugendlich sollten Videos drehen, die hochladen und konnten was gewinnen. Was mich hier am Anfang stutzig machte war die Begründung man hätte diese Prämisse gewählt weil man gehört hätte, dass Jugendliche auf dem Schulhof Handyvideos mit Gewalt-Inhalten weitergeben würden. Und ich glaube, DAS war der Punkt an dem das Ganze zum Scheitern verurteilt war. Erstens frage ich mich, ob man das mal überprüft hat – also mal mit Lehrern und Schulen vor Ort gesprochen hat. Zweitens teilen Jugendliche Inhalte, aber auch nur die, die sie interessieren. Kein Jugendlicher, der vorher nicht schon mal mit Klassik in Berührung gekommen ist, würde auf die Idee kommen ein selbstgedrehtes Video seinen Freunden zu zeigen, was mit Klassik zu tun hat – da wäre man ja der NERD schlechthin in der Gruppe, um Gottes Willen!
Meine Nachfrage war übrigens nicht so gemeint, dass man dann – als man feststellte dass das Ganze nicht klappen würde – seine „Hosen herunterließ“ und das Ganze komplett einstampfte, das hat der Kollege aus Düsseldorf falsch verstanden. Ich hätte aber an seine Stelle mal einfach auf der Webseite gesagt: „Liebe Community, wir haben da was geplant, aber wir haben wenig Resonanz. Könntet ihr uns mal sagen, warum ihr keine Video hochladet? Ist das zu kompliziert? Haben wir euch falsch verstanden?“ Das wäre erstens innovativ gewesen, zweitens auch clever – schließlich hätte man so die Community eingebunden und Positives aus dem Negativen machen können.  Solche Dinge habe ich schon öfters erlebt: Wir als Erwachsene nehmen einen Trend bei den Jugendlichen wahr, verstehen den nicht und versuchen aber dennoch ihn zu nutzen. Und dann wundern wir uns wenns nicht funktioniert. Jugendliche schätzen wie alle anderen Menschen Ehrlichkeit und keine aufgesetzte Ankumpelei.

Gespräche nebenbei

Klar, eine Konferenz ist kein Barcamp – aber irgendwie war zwischendurch doch diese ganz spezielle Gefühl da. Shelly Bernstein, die ich später noch traf, meinte dass ja alles total gut organisiert ist, dass die Leute sich wohlfühlen würden. „Das ist die zweite Veranstaltung hier? Bei uns in den USA hätte man bis zu dieser Entwicklungsstufe vier Jahre gebraucht“. Mit einem größerem Lob könnte man sicherlich den Veranstaltern nicht kommen.

Und auch in der Rolle als Helfer habe ich mich wohlgefühlt – ich wußte wen ich ansprechen musste, hatte klare Aufgaben. Da kann sich manche Veranstaltung was von abschneiden, wirklich. Was ich das nächste Mal aber definitiv tun werde: Mich nach einem Konferenztag in der Nacht schlafen zu legen. Verbesserungen sind ja immer möglich. 😉

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