Terry Jones, der Messias und der Weltfrieden

Terry Jones ist ein Mann des Friedens. Er engagiert sich für den Umweltschutz und hat schon einige Bücher geschrieben. Einen besonderen Schwerpunkt darin bildet der religiöse Fanatismus, insbesondere der christliche. Der ist ihm nämlich zutiefst zuwider. Ja, Terry Jones ist ein Großer! Vielleicht kein ganz Großer, aber auch einer. Er ist international bekannt, wenngleich weniger unter seinem Namen. Doch sein Gesicht kennen sehr, sehr viele Menschen, die sich an seinem Humor erfreut haben. Terry Jones, nennen wir ihn hier: den Älteren, den walisischen Komödianten der Monty Pythons.

Nicht zu verwechseln mit Terry Jones, dem Jüngeren. Er macht sich nicht über christlichen Fundamentalismus lustig, er macht ihn. Dieser Terry Jones ist einfach nur ein Arschloch ohnegleichen. Ein abstoßender Dorftyrann, der für seine sadistischen Neigungen immer eine Handvoll armer Irrer gefunden hatte, denen er das Leben zur, um sein Lieblingswort zu gebrauchen, Hölle machen konnte. Gestern ist auch er endlich international bekannt geworden. Dieser Terry Jones ist alles Mögliche, nur kein Mann des Friedens.

Aber er verkauft sich so. Er ist überhaupt, das muss man zugeben, ein ganz guter Verkäufer. Mäßig begabt, dafür aber außerordentlich rücksichtslos. Auf diese Art und Weise hielt er sich nun sein ganzes verkorkstes Leben lang schlecht und recht über Wasser; denn einer wie er, der auch unter Größenwahn leidet, hat freilich auch ein höheres Maß an Ansprüchen. Mit seiner Idee, übermorgen einen „International Burn a Koran Day“ zu veranstalten, hat er es nun ganz nach oben geschafft.

Wieder das Muster: mäßige Begabung, außerordentliche Rücksichtslosigkeit. Ganz schnell hatte er es geschafft. In die US-Talkshows, nationwide. In die Schlagzeilen der politischen Presse, weltweit. Wie ein Geiselgangster, wie ein Terrorist. Doch der Inhalt, den er mit dieser Methode transportieren will, ist freilich ein ganz anderer: Terry Jones, der Mann Gottes. Diesmal: Terry Jones, der Mann des Friedens. Denn Terry Jones, der Jüngere, hat letztlich nur eine einzige Message: Terry Jones, den Jüngeren.

Und deshalb hat er jetzt, wie es sich für einen anständigen Erpresser gehört, Bereitschaft zum Einlenken signalisiert. Dies meldet „Spiegel Online“:

In einem Interview mit der Zeitung „USA Today“ stellte er Bedingungen für einen Rückzug: Falls ihn das Weiße Haus direkt bitte, die Aktion abzublasen, wolle er den Plan „definitiv überdenken“, sagte Jones … Bislang sei die US-Regierung aber nicht mit ihm in Kontakt getreten, sagte Jones. Einen Anruf der Regierung werde er „nicht ignorieren“.

Ein Hauch von Erleichterung zieht durch die Welt. Terry Jones, der Jüngere, ist gesprächsbereit. Am besten der US-Präsident ruft einmal an. Doch wenn man die Botschaft des Mannes des Friedens genau liest, könnte es ja schon ein einfaches Mitglied der Obama-Administration tun. Ich denke, hier gilt es Verhandlungsspielräume auszuloten.

Mit den Managern der islamistischen Empörungsindustrie scheint einstweilen kein Verhandeln möglich zu sein. Das sind alles keine Männer des Friedens, die Al Qaidas, Ahmadinedschads und wie sie alle heißen. Bei denen laufen die Geschäfte nun einmal am besten, wenn ein bisschen Krieg ist. Glaubensbruder Terry ist diesbezüglich, weil seine Gemeinde ja auch wesentlich kleiner ist, deutlich flexibler. Terry Jones, der Jüngere.

Ich denke gerade an Terry Jones, den Älteren, wie er im „Leben des Bryan“, gekleidet in Frauenkleidern, der religiös fanatisierten Menge zurief: „Bryan ist nicht der Messias!“ Guter alter Terry, ich bitte Dich nur um einen Gefallen: könntest Du nicht im US-Fernsehen, verkleidet als Jesus auf Terry, den Jüngeren, zeigen und ganz laut rufen: „Ich bin Terry Jones. Und der da ist nicht der Messias!“ Oder irgendetwas noch Lustigeres. Ich gebe zu: Du hast die besseren Gags.

P.S. das Blöde ist: selbst wenn Terry, der Jüngere einlenken sollte, irgendein Spinner, dem die Publicity wichtiger ist als sein Leben, steht immer bereit. Inzwischen hat sich „Bob Old“ aus Tennessee gemeldet. Und Spinner gehen nie aus. Das Problem sind die Jungs von der Empörungsindustrie. Aber mit denen befindet man sich ja – offen oder verdeckt – ohnehin im Krieg.

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