Anno domini 2010: Sarrazinus, Kluemperus und Mutti

Anno domini 2010. Und es geschah in jenen Tagen dieses Jahres, dass ein Kind ward geboren. Das freudige Ereignis trug sich zu im Land der Germanen – zweitausend Jahre und derer noch einmal zehn, nachdem unser Herr Jesus auf der Westbank das Licht der Welt erblickte. Bekanntlich schickte der große und allmächtige Gott seinerzeit – Omnipotenz hin, Omnipotenz her – seinen Heiligen Geist nach Judäa zwecks Befruchtung einer gewissen Maria aus dem Volk der Israeliten.

Damit hatte sich auch unser Herr Jesus dieses Gen eingehandelt, das alle Israeliten teilen, wie 2010 Jahre später der Thilo Sarrazinus aus dem Volke der Germanen verkünden ließ, ohne allerdings zu wissen warum. Und in eben diesen Tagen in eben diesem Jahre, als eine Regentin namens Mutti das ohnehin schon etwas ins Gerede gekommene germanische Volk zu neuem Ruhm und neuer Ehre führen wollte, trug es sich zu, dieses freudige Ereignis.

Ein Kind ward geboren. Gott selbst – obgleich immer noch hadernd mit seiner Omnipotenz – sah, dass es gut war. Und selbst unser Herr Jesus, der – dem Prinzen Charles ähnlich – in seiner Kron- und Prinzenrolle inzwischen etwas in die Jahre gekommen war, freute sich wie ein junger Gott, dass aus dem Land der Germanen doch mal wieder Zuwachs vermeldet wurde. Selten genug. Zwar kamen jährlich etwa 35 Millionen Stück, allein in „Deutschland“, wie die Teutonen ihren Acker zu nennen pflegten, allerdings Doppelkekse und keine richtigen Prinzen.

krippe Die Germanen selbst, seit einiger Zeit von allen heiligen Geistern verlassen, vermochten jedoch nicht das Ebenbild Gottes zu erkennen, das sich ihnen im Antlitze des neuen Erdenbürgers offenbarte, der auf ihrem Boden erschien, jedoch nicht ihres Blutes war. Er – in diesem Fall auf germanischer Erde angekommen als eine Sie, wodurch die ganze Chose für keine zwei Pfennig einfacher wurde – teilte zwar auch ein Gen, doch nicht das der Judäer, nicht einmal diesen eigenartigen Gen-Cocktail der Teutonen. Echt Pech!

An dieser Stelle sollten wir uns in Erinnerung rufen, dass zu besagter Zeit nicht einmal anderthalb Jahrhunderte, um genau zu sein: nicht einmal 140 Jahre ins Germanenland gezogen waren, seit die Germanenstämme – als Ergebnis eines ihrer heroischen Kriege – ihr Imperium Germanium gründen konnten. Daraus zogen sie – etwas überstürzt, wie sich im Nachhinein zeigen sollte – die Schlussfolgerung, dass so ein Krieg schon an und für sich schon „der Vater aller Dinge“ sei.

So kam das stolze Volk der Germanen auf die Idee, die ersten 75 Jahre seines Daseins als Nation vornehmlich damit zu verbringen, die Völker in der Nachbarschaft zu überfallen. Und weil die Germanen sich durch das Volk der Israeliten – Sie erinnern sich: das mit diesem ganz bestimmten Gen – in besonderem Maße belästigt fühlten, begannen sie damit, dieses Problem einer, wie sie sagten, „Endlösung“ zuzuführen. Jedoch musste dieses Projekt bereits nach etwa sechs Millionen Morden abgebrochen werden, weil ein Krieg, den man sich angewöhnt hatte, ihn als den „letzten“ zu bezeichnen, nach etwa 50 Millionen Toten verloren ging.

Doch der Herr ist ein Gott der Liebe, er ist gütig und gnädig. Deshalb ließ er unverzüglich einen bellum frigidum (für die Nicht-Lateiner: einen kalten Krieg) über die Völker dieser Erde heraufziehen, worüber diese vergessen hatten, die Germanen allesamt zu zwangskastrieren und in die Innere Mongolei umzusiedeln. Da dankten die Germanen dem allmächtigen Gott und gelobten, diesmal aber wirklich ihrem Image als Barbaren abzuschwören und sich nun, nachdem selbst die Nahrungsaufnahme mit Messer und Gabel keine größeren Probleme mehr bereitete, anzugewöhnen, zumindest so zu tun, andere Leute mit einem mehr oder weniger anderen Gen so ähnlich wie die ihresgleichen zu behandeln.

Einigen ganz gottesfürchtigen, wohl erzogenen Strebern gelang dies schon ganz gut. Mitunter waren diese sogar so großzügig, sich in den Lokalen der Fremden mit Essen und Trinken bewirten und den Gastgebern gar einen Gruß in deren Sprache zukommen zu lassen. Doch der gemeine germanische Barbar war mit dieser Herkulesaufgabe deutlich überfordert. Hatten ihn die Sklaven, die man zwecks Erledigung der Drecksarbeiten ins Land geholt hatte, ohnehin schon immer gestört, machte ihn ihre Brut, der mitunter der Sinn gar nicht so nach Sklavenarbeit stand, richtiggehend giftig.

Der eingangs zitierte Thilo Sarrazinus hat dann diesem Zorn ein Buch verschrieben, in dem steht, dass diese mit dem bestimmten Sklavengen gefälligst die Sklavenarbeit erledigen und sich ansonsten über den Jordan verziehen sollten. Nun pflegte der gemeine Germane selbst in Ausnahmefällen nicht, Bücher zu lesen. Erstens. Und zweitens meinte Mutti – also die Regentin anno domini 2010 -, dass all das, was Sarrazinus zu den Genen und so gesagt hatte, so nicht ganz in Ordnung gewesen sei, also bei weiteren Volksverkündigungen weggelassen werden sollte.

Also schrieb der Wilhelminus Kluemperus – ein lustiger Name, der auch in der damaligen Sprache der Germanen immer noch heiter genug klingt – ein bedeutender Nuntius einer bedeutenden Papyrusrolle ein Wort ans Germanenvolk, in dem er verkündete: „Lässt man den tumben Gen-Stuss in Sarrazins Buch mal weg, dann könnten dort erhobene Vorschläge auch für die Politik wegweisend sein.“ „Migranten haben Bringschuld – nicht nur in Marxloh“ hieß die Überschrift des Wortes an die gemeinen Germanen. Und „Migranten“ waren all jene, die ein anderes Gen hatten als die ureinwohnenden Abkömmlinge der germanischen Stämme.

Marxloh – eine Colonia, in der Ureinwohner und Neugeborene auf engem Raum zusammenleben mussten. Dort, wo das Kind geboren ward, von dem ich eingangs erzählt habe. Jasemine sollte es heißen. Mama und Papa freuten sich so, die Verwandtschaft auch, und der liebe Gott, der Omnipotente sowieso. Nur der gemeine Germane nicht. Jasemine war nämlich ein Migrant. Und deshalb hatte sie eine „Bringschuld“, von Geburt an. So eine Art Erbsünde für Genfremde. Da wusste sie Bescheid, die Jasemine. Da konnte Gott, der Allmächtige, sie so lieb haben, wie er wollte. Darauf kam es nicht an im Land der Germanen. Hier galt nur eins: ihre „Bringschuld“.

Comments are closed.