Zu schön, um wahr zu sein: Sarrazin im Durcheinanderland

re:publica09 Friedrichstadtpalast

Image by Regine Heidorn via Flickr

Alle Schwulen teilen ein bestimmtes Gen. So wie zum Beispiel auch die Juden oder die Zigeuner. Und all die anderen; ich meine: Türken und Araber hatten wir damals ja noch nicht hier. Heutzutage ist ja alles erlaubt. Und warum auch nicht?! Schließlich kann ja niemand etwas für seine Gene. Die hat man nun einmal oder man hat sie nicht. Besser natürlich, man hat sie nicht, klar. Aber wenn man sie nun einmal hat, diese blöden Gene, dann kann man nichts mehr machen.

Angeboren ist angeboren. Ich als Mann zum Beispiel kann ja auch nicht einfach hingehen und sagen: so, jetzt bin ich, oder jetzt werde ich eine Frau. Wobei … ich weiß natürlich: auch so etwas gibt es. Also, wenn Sie mich fragen … Wissen Sie, ich bin, was all diese Sachen betrifft, ziemlich liberal. „Leben und leben lassen“ sage ich immer. Für meinen Geschmack nehmen all diese Dinge zwar etwas überhand, aber so lange diese Leute nicht lästig werden, toleriere ich das alles.

Man muss sich natürlich an die Regeln halten. Jeder. Muss ich ja schließlich auch. Zum Beispiel: ich darf sagen, ich bin für den MSV, muss aber damit leben, dass ein anderer für Schalke ist. Das ist zwar nicht angeboren, kann er aber machen. Von mir aus auch Jude sein. Wobei ich finde, dass er das ja nicht jedem auf die Nase binden muss. Andererseits: wenn er jetzt kein Jude ist (oder von mir aus auch Jude, spielt ja sowieso keine Rolle), dafür aber schwul, dann wüsste man freilich schon ganz gern, wo man dran ist. Sicherheitshalber.

Langer Rede kurzer Sinn: wenn sich alle an ein paar ganz einfache Regeln halten, könnten wir alle prima miteinander auskommen. Zu schön, um wahr zu sein! Es könnte doch alles so schön sein. Aber, aber … Nehmen wir als Beispiel mal die Schwulen. Selbst diese Leute könnten in unserer Gesellschaft durchaus eine nützliche Rolle spielen. Sagen Sie jetzt nicht, die könnten sich doch einfach mal zusammenreißen wie unsereins auch! Das können die eben gerade nicht. Sie wissen schon: die Gene.

Aber, sagen wir mal in der Unterhaltungsindustrie – da stellen die echt etwas auf die Beine. Dabei kommt ihnen diese Veranlagung, die sie ja nun einmal haben, richtig entgegen. Sie glauben ja gar nicht, wer im Show Business so alles … – Sie sind ein Scherzkeks, von diesen Beiden weiß es aber nun wirklich jeder. Übrigens: den einen finde ich gar nicht mal so schlecht. Es ist auch egal, das ist doch gar nicht unser Thema. Worauf ich hinaus will: sogar mit so einer Veranlagung kann man etwas anfangen.

Wenn die es clever anstellen, können die richtiges Geld verdienen, also etwas Nützliches für die Gesellschaft tun. Das muss ich allerdings schon erwarten. Von jedem, egal was er für ein Gen hat. Nehmen wir noch einmal diese Schwulen, nur mal so als Beispiel. Seit Donnerstag Abend fegt ein Show-Tornado durch die Hauptstadt: „Yma – zu schön um wahr zu sein“ feierte seine umjubelte Weltpremiere im Berliner FriedrichstadtPalast. Die spektakuläre knapp drei Stunden lange Show zeigt auf der größten Theaterbühne der Welt Bilder, die Deutschland so noch nicht gesehen hat.

Verstehen Sie mich nicht falsch! Ich würde zu so etwas nie hingehen; ich finde so etwas affig. Aber wie gesagt: ich bin, was das betrifft, ausgesprochen liberal. Nach der Premiere waren nicht nur Comedian Thomas Hermanns und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit begeistert: „War sehr schön. Sehr modern natürlich, sehr cool aber auch sehr sexy.“ Na bitte! Schön, cool und sexy – da muss ich sagen: da fehlt den meisten Türken noch ein bisschen. Nicht allen, möchte ich ausdrücklich betonen! Erst gestern habe ich wieder eine gesehen … egal. Das gehört hier jetzt nicht hin. Die meisten von denen müssen in Sachen Integration jedenfalls noch eine Menge nachholen. Und zwar eine ganze Menge!

Zu schön, um wahr zu sein! Der „Focus“ schreibt: Nach der Premiere am Donnerstagabend steht die acht Millionen Euro teure Revue „Yma – zu schön, um wahr zu sein“ zwei Jahre auf dem Spielplan, sechs Tage die Woche. Die Traumfrau „Yma“ (gesprochen: Ima), um die sich das Feuerwerk von Tanz- und Artistiknummern entwickelt, wird von dem Stimmwunder Andreas Swoboda („Nette Renee“) gespielt. Mit Wespentaille, Greta-Garbo-Welle und Beinen bis zum Hals schwebt er/sie in einer großen Glitzerwolke singend und schmachtend auf das Publikum nieder. „Männer oder Frauen – in diesem Millennium ist das nicht so wichtig“, flötet Yma wahlweise im Tenor oder in glockenhellem Sopran. „Ich bin prosexuell, eine Art Alice im Durcheinanderland.“

Die Märkische Allgemeine: Das zweistündige Gesamtkunstwerk … möchte dem großstädtischen Lebensgefühl, der Metropole Berlin und dem Zeitgeist schrill Ausdruck verleihen. Sehr cool und sexy, schmachtend im Durcheinanderland – das ist der Zeitgeist des großstädtischen Lebensgefühls! "Sarrazin wirkt" lautet – wahrscheinlich deshalb – der Aufmacher der Zeitung fürs Ruhrgebiet, also der WAZ, die sich der Aufgabe verschrieben hat, eben dieses großstädtische Lebensgefühl auch unter das Volk in der hiesigen Metropole zu streuen: “Integration wird Thema“.

„Politik entdeckt Integration“ ist der Kommentar dazu überschrieben. Walter Bau hat ein Feeling wie im FriedrichstadtPalast: „Man mag es kaum glauben: Sollte die aufgeheizte und emotionsgeladene Sarrazin-Debatte der vergangenen zwei Wochen noch in eine sachliche Diskussion über Integration münden, die dem sensiblen Thema gerecht wird? Fast sieht es danach aus.“ Zu schön, um wahr zu sein! Wenn es im Miteinander zwischen den Eingeborenen und den Zugezogenen einmal nicht so richtig will, gibt man einfach einem völkischen Hetzer alle Schlagzeilen und Fernsehtalkshows, und schon klappt´s auch wieder mit den Nachbarn.

Zu schön, um wahr zu sein! Wenn man so recht drüber nachdenkt: Was zu schön ist, um wahr zu sein … – so steht es jedenfalls in „Börse Online“, bei den „Tipps für Privatanleger“, im Artikel „Niemals sofort unterschreiben“. Was zu schön ist, um wahr zu sein … na, ist der Groschen gefallen? – Richtig: ein einfacher Leitsatz, heißt es dort, bewahre vor überzogenen Renditeversprechen, sagt Franz Braun von der Kanzlei CLLB: „Was zu schön ist, um wahr zu sein, ist nicht wahr.“

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