Der Politologe Thomas Meyer: "Es geht um das Versagen von Bildungseinrichtungen, nicht um Genetik

Köln (ots) – Der Bonner Politologe und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Grundsatzkommission, Thomas Meyer, fordert ein "neues, auf die Erfordernisse der Immigranten zugeschnittenes Vorschulsystem". Für die deutschen Integrationsprobleme macht er in erster Linie ein bildungspolitisches Versagen verantwortlich. "Tatsächlich ist das Schulsystem der Bundesrepublik in keiner Weise auf die spezifischen Bedingungen von Migrantenkindern eingestellt." Es müsse deshalb eine, durch forcierte Aufklärung der Eltern begleitete "Verpflichtung geben, entsprechende Lernangebote wahrzunehmen, und zwar vom zweiten Lebensjahr an", erklärte Meyer im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag-Ausgabe). Es müsse jedoch allen Migranten klar sein, dass "Regelverletzungen wie etwa der Nichtbesuch von Schule ganz strikt geahndet werden muss". Ein demokratisches Gemeinwesen funktioniere nur, "wenn alle – unbenommen ihrer kulturellen Unterschiede – sich an bestimmte, einigungsfähige Regeln halten. Da liegt ohne Zweifel was im Argen." Religiöse Symbole, "die eine besonders ostentative Funktion haben", müssen aus den Schulen außen vorgehalten werden. "Und selbstverständlich müssen alle Kinder an allen Teilen des Unterrichts teilnehmen." Die Integration in Deutschland stehe im Verhältnis zu anderen europäischen Staaten nicht schlecht da, erklärte Meyer. "Wir müssen nur aufpassen, dass die Probleme, die wir unstrittig haben, nicht durch verantwortungslose Demagogen politisiert und dadurch vergrößert werden." Meyer fürchtet indes "ein langes quälendes Verfahren" beim Ausschluss von Thilo Sarrazin aus der SPD, da es Einmischungen von Sympathisanten Sarrazins geben werde. Zum Parteiausschluss gebe es jedoch keine Alternative. Sarrazin schade mit seinen "im Kern biologistischen und rassistischen Menschenbild" der Partei und ihrem öffentlichen Ansehen enorm". Es gehe nicht, dass jemand in der SPD ist, der so etwas verkauft. Sarrazin argumentiere "auf der Grundlage einer verkürzt rezipierten Genetik rassistisch". Diese biologistische Aufladung seiner Thesen werde jedoch nicht von allen erkannt oder als relevant erachtet. "Es geht um das Versagen von Bildungseinrichtungen, nicht um Genetik"

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