Loveparade: Kommunikations-Chaos begünstigte Katastrophe

Bei der Massenpanik mit 21 Toten auf der Duisburger Love Parade sind die für den Notfall vorgesehenen Telefonschaltkonferenzen zwischen Polizei, Stadt, Feuerwehr und Veranstalter offenbar viel zu spät einberufen worden. Die erste Konferenz, in der die Behörden mit dem Veranstalter über die fatale Überfüllung des Tunnels und der Eingangsrampe berieten, kam erst um 16.39 Uhr zustande. Noch während des Krisengesprächs (Dauer: 10 Minuten 11 Sekunden) gab es offenbar bereits Schwerverletzte. "Da war das Unglück höchstwahrscheinlich nicht mehr zu verhindern", sagte ein Ermittler dem SPIEGEL. Die Schaltkonferenz sei "chaotisch und undiszipliniert" verlaufen; man habe Maßnahmen diskutiert, die kaum noch hilfreich gewesen wären – etwa die Öffnung eines weiteren Ausgangs auf der Nordseite. Der Stabsleiter der Polizei habe schließlich verkündet, dass Beamte gerade dabei seien, die loveparade-tunnel-2-12 Eingangsschleusen in den Tunnel zu sperren – was um 16.55 Uhr auf der Westseite auch geschah. Allerdings zu spät: Sieben Minuten später erhielt die Polizei per Notruf die Nachricht über erste Todesopfer. Dabei waren die Probleme am Eingang schon früh bekannt. Der Crowd-Manager des Veranstalters, der die Besucherströme im Tunnel regulieren sollte, hatte nach eigenen Angaben bereits ab 14.30 Uhr versucht, Alarm zu schlagen. Es habe aber "geschätzte 45 Minuten" gedauert, bis der zuständige Abschnittsführer der Polizei vor Ort gewesen sei. Polizei, Stadt und Veranstalter hatten sich laut internem Protokoll darauf verständigt, dass "die Entscheidung über eine (drohende) Überfüllung" und Sperrung des Geländes in speziellen Telefonkonferenzen getroffen werden sollte. Das letzte Wort sollte dabei die Ordnungsbehörde haben. In Polizeikreisen heißt es indes, es wäre die Pflicht des Veranstalters gewesen, eine solche Schaltkonferenz einzuberufen. Der Crowd-Manager wusste aber offenbar gar nichts von einer solchen Möglichkeit – und auch die Polizei machte lange keinen Gebrauch davon. Erst zwischen 16.54 und 23.28 Uhr wurde verstärkt konferiert – 13-mal, insgesamt 1 Stunde und 58 Minuten lang. Die Protokolle fehlen jedoch im "Abschlussbericht" der Stadt, die fünf Wochen lang prüfte. "In der Kürze der Zeit" sei es "nicht möglich" gewesen, die "Tonbänder zu protokollieren und auszuwerten".

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