Loveparade: Habt Verständnis für Adolf Sauerland

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Adolf Sauerland hat es nicht einfach. Er hat keinen Untergebenen, den er einfach der Öffentlichkeit zum Fraß vorwerfen kann, um von sich selbst abzulenken. Seine politischen Freunde erwecken den Anschein von Totalausfällen und schlussendlich hat er keine Job-Perspektive.

Von Anfang an wies er jede Schuld und Verantwortung von sich. Niemals habe ihn jemand persönlich gewarnt, nicht einmal der ehemalige Duisburger Polizei Präsident Rolf Cebin. Auch dessen warnende Worte will Sauerland nicht vernommen haben, obgleich es seine Duisburger CDU war, die Anfang 2009 die negative Haltung Cebins zur Loveparade als einen Hinweis wertete, dass der Polizeipräsident zur "Bürde für diese Stadt" wurde.

Wie gerne hätte Sauerland der Öffentlichkeit einen Subalternen aus der Stadtverwaltung als Schuldigen präsentiert. Ließ er sich doch vier Tage nach der Tragödie in der Bild mit den Worten zitieren "Ich persönlich habe nichts unterschrieben, keine einzige Genehmigung". Doch schnell wurde dem Stadtoberhaupt (besonders seinen Rechtsanwälten) klar, dass diese Option nach hinten los gehen könnte. Denn wenn die Verwaltung im Genehmigungsprozess Fehler gemacht hat und der Stadt damit zumindest eine Teilschuld attestiert würde, so wäre auch der Chef dieser Verwaltung nicht mehr haltbar, nicht einmal mehr in den eigenen Reihen.

Schnell scharte er seine Pferdeflüsterer aus dem 2004er Wahlkampfteam um sich. Thomas Mahlberg, Petra Vogt, Josef Wörmann und Uwe Gerste sollten ihm in der Not helfen. Gerste zog es vor, sich erst einmal selbst aus der Schusslinie zu bringen und startete mit seiner Familie in den Urlaub und hielt sich auch danach sehr bedeckt. Der Duisburger CDU-Chef Mahlberg, der bei den letzten Wahlen weder in den Bundestag noch in den Landtag gewählt wurde, nahm in einer Kurzschlussreaktion erst einmal den Brandbrief an den ehemaligen Innenminister Ingo Wolf, in dem er die Ablösung des Störenfrieds Cebin forderte, von der Homepage des Kreisverbandes, was zu einem öffentlichen Eklat führte.
Die Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion Petra Vogt, die bei einigen ihrer Fraktionskollegen als politisch untalentiert gilt, forderte in der Rheinischen Post sofort die schonungslose Aufklärung, es dürfe keine Raum für Spekulationen und Gerüchte bleiben. Ansonsten parlierte sie mit Unflätigkeiten gegen SPD, Linke und FDP, denen sie süffisant vorwarf: "Erst wird vollmundig die Abwahl von Adolf Sauerland als OB als beinahe beschlossen schon verkündet, dann dauert es mehrere Wochen, bis der Linksblock aus SPD und Linken zusammen mit der FDP den Abwahlantrag einbringen kann.". Im Gegensatz zu dem Totalausfall Vogt generierte sich Josef Wörmann geschickter. Er äußerte sich in seiner Funktion als Geschäftsführer des Katholischen Arbeiterbundes (KAB) und geißelte die "öffentliche Steinigung" Sauerlands als verantwortungslos.
Dass es bei diesem politischen Personal nicht ruhig werden konnte um Sauerland, liegt auf der Hand. Verlässlicher waren da die alten Kampfgefährten aus der schwarz-grünen Zeit. Doris Janicki und Dieter Kantel mischten ihre eigene Fraktion auf und stellten sich öffentlich auf die Seite Sauerlands, womit sie dem grünen Duisburger Kreisverband Hohn und Spott zollten. Die Abneigung gegen eine Abwahl von Adolf Sauerland ging bei Dieter Kantel und Stadtdirektor Peter Greulich sogar so weit, dass sie am letzten Samstag lieber mit Marxisten, Altkommunisten und gewaltbereiten autonomen demonstrierten als mit dem DGB vor dem Rathaus.

Würde noch Schwarz-Gelb in NRW regieren, so wäre die Personalie Sauerland für Duisburg schon lange erledigt, und der Gescholtene würde in einem der vielen Ministerien für ein gutes Salär Akten von A nach B tragen – wie schon sein Amtskollege aus Mülheim Jens Baganz. Übrigens beide Politiker verbindet eine Frau, die Rechtsanwältin Ute Jasper. In Mülheim war Jasper Gutachterin und Liebhaberin des verheirateten Oberbürgermeisters. In Duisburg, so weit bekannt, nur Gutachterin. Ob sich die Düsseldorfer Kanzlei Heuking / Kühn / Lüer / Wojtek einen Gefallen damit getan hat, Jasper in die Schusslinie der Öffentlichkeit gestellt zu haben, werden die Klienten der bundesweit agierenden Juristen entscheiden. Immerhin hat  Heuking / Kühn / Lüer / Wojtek die Stadt Duisburg zur raschen Einigung mit xtranews gedrängt.
Sein Duzfreund Walter Hellmich muss schon Ex-Bauminister Wittke durchfüttern, und die wirtschaftliche Lage ist nicht so rosig, einen weiteren davon gejagten Politiker das Gnadenbrot zu geben. Außerdem: welche Firma würde sich freiwillig den PR-Gau antun und sich jemanden ins Boot holen, der in Duisburg fast so beliebt ist, wie Ahmadinedschad in Teheran?
Aber vielleicht erinnert sich Sauerland an seine eigenen Worte, die er 2004 auf seiner Homepage veröffentlicht hat und handelt danach: "[…] es muss Schluss damit sein, dass einige glauben, Ihnen gehöre Duisburg. Die Stadt gehört den Duisburger Bürgerinnen und Bürgern."

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2 thoughts on “Loveparade: Habt Verständnis für Adolf Sauerland

  1. Selbstverständlich hat Sauerland eine Jobperspektive!
    Wieviele Jahre ist er denn schon Aufsichtsratsvorsitzender bei den Stadtwerken, die zur DVV gehören?
    Das kann er auch noch als Senior sein.