Tote Babys: SPD erhebt schwere Vorwürfe gegen Krankenhäuser und Bundesländer

Köln (ots) – Nach dem durch Hygienemängel verursachten Tod dreier Säuglinge an der Uni-Klinik Mainz erhebt die SPD schwere Vorwürfe gegen Krankenhäuser sowie die zuständigen Bundesländer. „Offenbar müssen erst Leichen auf der Straße liegen, bis einige Bundesländer aufwachen und ihrer Verantwortung gerecht werden“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwochs-Ausgabe).

So fehlten in den meisten Ländern Hygieneverordnungen mit verbindlichen Hygienestandards für die Kliniken vollständig. In zahlreichen Häusern würden einfachste Regeln missachtet. Die Desinfektion der Hände von Ärzten und Pflegekräften vor Betreten eines Krankenhauszimmers keineswegs selbstverständlich, sagte Lauterbach. Der Gesundheitspolitiker, der selbst studierter Mediziner ist, veranschlage die Zahl der Toten, die jährlich in Deutschland in Folge von Krankenhausinfektionen sterben, auf bis zu 40 000.

„Das ist ein Skandal, denn die große Mehrzahl dieser Menschen könnte durch einfache, vergleichsweise kostengünstige Maßnahmen noch am Leben sein“, sagte Lauterbach. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert daher eine bundesweit verbindliche Hygieneverordnung für alle Kliniken, einen ausschließlich für die Hygiene zuständigen Mediziner in jedem Krankenhaus sowie eine Meldepflicht für tödlich verlaufene Krankenhausinfektionen. „Bisher haben wir keine Daten über die Anzahl der Fälle. Die Hauptrisikoquellen sind ebenso wenig erfasst wie Häuser mit besonders hohen Infektionsraten“, so Lauterbach.

In Ländern wie Frankreich und den Niederlanden, in denen massiv in Hygienemaßnahmen investiert wurde, sei die Zahl der Krankenhausinfektionen deutlich zurück gegangen, betonte der SPD-Politiker. Vorstöße des Bundes, an den Missständen etwas zu ändern, seien in der Vergangenheit stets am Widerstand der Länder gescheitert, da diese auf ihren Kompetenzen beharrt hätten. Die Forderung des Hauptgeschäftsführers der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, nach zusätzlichen Finanzmitteln für die Einstellung von Hygieneärzten nannte Lauterbach „grotesk“. Angesichts der mehr 50 Milliarden Euro, die jährlich für die Krankenhäuser ausgegeben werde, müsse das Einhalten von Hygienestandards selbstverständlich sein:. „Wenn VW ein neues Auto verkauft, ist der Sicherheitsgurt auch inklusive.“

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