Karteileichen werden reanimiert

Unsere Linkspartei, Garant für Offenheit, Pressefreiheit, Toleranz, und vor allem: Ehrlichkeit im Umgang mit den eigenen Mitgliederzahlen, gibt laut DPA eine Weisung an ihre Mitglieder und Gliederungen heraus:

Die Deutsche Presse-Agentur berichtet, dass wegen der so genannten Karteileichen-Affäre der Parteivorstand der Linken die aktuellen Mitgliederzahlen “geheim halten” wolle. Entsprechendes sei vom Geschäftsführenden Vorstand am Montag dieser Woche in Berlin beschlossen worden, “wie aus einem internen Brief an die Parteigliederungen hervorgeht”, so die DPA. Darin wird gebeten, auf Anfrage nur die Mitgliederzahlen zum 31. Dezember 2009 weiterzugeben. “Weitere Wünsche nach Übersichten über zahlende und nichtzahlende Mitglieder geben wir nicht an die Medien”, soll es in dem Schreiben heißen.“

Auf gut „Deutsch“ übersetzt heisst das:  “So, Genossen, für 2009 können die uns nix mehr…ist parteirechtlich verjährt! NRW-Bundestagsmitglieder dürfen aufatmen!
Aber passt auf, was Ihr sagt zu 2010! Denn da könnte uns sonst Schlimmes drohen, besonders unserem Sorgenkind NRW!”

Da fragt sich doch der aufmerksame Beobachter unserer Freunde von Links bis ganz Links, was denn wohl seit dem 1.1.2010 bei den Linken schief gelaufen ist. Hat wohlmöglich der „böse neoliberale und unlinke“ bayerische Schatzmeister Ulrich Voß Recht mit dem, was er aussagte und heute noch mal in einem offenen Brief an Gysi formulierte? Und meint die Linkspartei denn ersthaft, mit einer solchen Presseerklärung das Jahr 2009 als korrekt und erledigt abhaken zu können?

Mitnichten, werte Genossen der linken Landes-und Bundesführungen. Denn 2009 war ein großes, entscheidendes Wahljahr. Nicht nur die Bundestagswahl stand an. Ich denke auch an die Kommunalwahl in NRW im Herbst 2009. Die dortigen Listenplätze und Mandate wurden durch einen infrage stehenden Delegiertenschlüssel gewählt. Die Frage ist doch nach wie vor, auch für NRW: haben die einzelnen Kreisverbände in NRW tatsächlich die ihnen zustehende Anzahl an Delegiertenstimmen für die jeweiligen Parteitage, auch Wahlparteitage, erhalten? Haben all diese Kreisverbände die echten Zahlen präsentiert? Sind nach all dem, was uns heute bekannt ist, nicht auch für NRW massive  Zweifel angebracht?

Auf unsere bisherigen Artikel diesbezüglich gab es von Seiten der linken NRW-Landesführung keine Stellungnahme.

Nach der im Bundesausschuss gefassten Weisung, also dem Maulkorberlass, werden wir auch weiterhin auf Stellungnahmen warten müssen. Das Thema soll ausgesessen werden. Das dürfte allerdings schwer werden. Denn viele enttäuschte Aspiranten auf gute Listenplätze werden sich so ihre eigenen Fragen stellen. Denn manchen von ihnen, waren gute dabei, wurden einfach nicht gewählt. Dies allein auf demokratische Wahlniederlagen zu schieben, erscheint aus heutiger Sicht zu billig. Ist so manche Karteileiche wieder auferstanden? Wohl eher nicht.

3 thoughts on “Karteileichen werden reanimiert

  1. Was „Karteileichen“ angeht – so waren diese zuweilen sehr lebendig. So lebendig, dass sie gewünschte Mehrheiten zu Stande brachten. Die Sache mit den Delgierten-Schlüsseln ist die eine Sache. Es fängt aber vorher schon an! Ich schildere mal „Klever Verhältnisse“ bei den Linken, Demonstrationen eines Systems mit tragender Rolle des Landesvorstandes und der Landesgeschäftsstelle:
    Es gab immer wieder den Verdacht, über Jahre, dass Mitglieder geführt werden, die keine sind oder sein dürften. Wer bis zu 7 Jahre keinen Beitrag zahlt, gleichzeitig irgendwo zwischen 25% und 50% des Jahresetats an Spesen beansprucht – Was ist das denn für ein Mitglied?! Kann das überhaupt sein?
    Es kochte einige bei den Klever Linken über als der ständige Strippenzieher Axel Gonder, Protegée vom LaVo und auch von Paul Schäfer (MdB), auch noch anfing ganz offen seine Frau von Beiträgen zu befreien…
    EIn Schatzmeister wollte das nicht hinnehmen und wandte sich an den Rest-Vorstand als auch an den LaVo – das war im Frühjahr 2009 und der Schatzmeister ging. Ging, weil er keine Unterstützung hatte. Erst als er Gregor Gysi und Oskal Lafontaine anschrieb, bis dahin schon mehrfach bedroht und im Namen der LINKEN entrechtet, gab’s eine Anweisung an den Klever Vorstand da mal aufzuräumen. Der Bundesschatzmeister erkannte 27 (von ca. 100 im Kreis) mehr als säumige „Mitglieder“. Diese, weil ja vom Vorstand quasi beitragsbefreit über Jahre, stellten bis dato ca. 60% bis 90% der Stimmen einer Mitgliederversammlung. „Natürlich“ stimmten sie jeweils zu Gunsten des wegsehenden Vorstandes, so dass diese heute in Mandaten sind – aber keinen einzigen Cent abgeben!
    Na ja – es sollte, nach dem alles in trockenen Tüchern für die Profiteure solcher Mitgliederführung war, aufgeräumt werden…Leider waren das dann wiederum die Profiteure, die damit beauftragt waren! So verlief alles im Sande, der Genosse mit ca. 7 Jahre ohne Beitrag ist Kassenprüfer im KV, die Ehefrau des Großmoguls A. Gonder darf heute noch alles und jeden als „Verbrecher“ auf Versammlungen titulieren. Mehr weiß man nicht…
    Doch – der Landesvorstand, die Landesgeschäftsstelle die wußten um die Dinge – und taten nichts. Es gab sogar Anträge diesbezüglich (Oktober 2009) – auf die bis heute nicht regiert wurde; hat man wohl gleich in den Papierkorb geworfen…?
    Allerdings – es gab Reaktionen vom Landesverband. Alle Kreismitglieder wurden von den Sprechern Zimmermann/ Schwabedissen vor den Fragestellern gewarnt und als person non grata erklärt. Es zogen und ziehen sich Ausschlussverfahren in der dritten Generation hin, die kritischen Fragesteller werden willkürlich mit Teilnahme- und Redeverboten belegt, manchmal sind sie ihres Lebens nicht mehr sicher. Alles im Namen der LINKEN, alles mit Wissen und Duldung des Landesvorstandes…Die „Karteileichen“ sind sehr agil, so agil dass sie nicht nur Satzung und Anspruch dieser Partei gemordet haben, sondern eines Tages vielleicht auch noch vielleicht das eine oder andere Mitglied? Wenn – dann im Namen der LINKEN …