"Olgas Rock" – was mir auffiel

or6 Am Wochenende war es wieder mal soweit – die von bösen Zungen gern auch mal „Kindergeburtstag“ genannte Veranstaltung fand wieder statt. Eine gute Gelegenheit mal nachzusehen, wie der organisatorische Ablauf drei Wochen nach dem traurigen Loveparadedesaster gehandhabt wird. Es geht hier also nicht darum, wer und wo, wie und wann was und wie gut gespielt hat.

Was als erstes auffiel: im Gegensatz zu den letzten (gefühlten fünf) Jahren regnete und stürmte es nicht. Am späten Mittag war die Stimmung gut, das Polizeiaufgebot moderat, die Security freundlich und (zumindest bis zu den frühen Abendstunden) sehr penibel. Allerdings – und das macht zumindest etwas nachdenklich – gab es nur einen Ein- und Ausgang. Die Zäune, die verwendet wurden, waren zum Teil ausgeführt wie bei der Loveparade. Ebenfalls über zwei Meter hoch und an der Oberkante mit ca. 5 cm. langen „Stacheln“ versehen. Vor drei Wochen sah ich mehrere Leute, die sich daran üble Verletzungen zugezogen hatten.

Man hatte aber zumindest das Ausgangsdrehkreuz gesperrt und die das Gelände verlassenden Besucher durch ein eigenes Ausgangstor geschickt. Aber einige Fragen stellen sich schon: Warum wird ein Teil des Parks abgesperrt, warum werden die Besucher über kilometerlange Umwege geschickt und warum finden überhaupt diese Durchsuchungen statt? Sind es denn wirklich nur Gewaltverbrecher, Messerstecher und Säufer mit Glasflaschen, die das Gelände betreten wollen? Und vor allem: wer schützt uns (also den gemeinen Bürger) wenn wir auf der Cranger Kirmes oder auf der Oberhausener Fronleichnamskirmes unterwegs sind? Oder wenn wir in ein Schützenzelt oder ins Centro gehen?

Auch da kommen viele Menschen zusammen. Aber werden sie in Gatter gepfercht wie Vieh? Oder durchsucht wie Schwerverbrecher oder Schmuggler?

Mir gefällt es nicht, auf einem Gelände eingesperrt zu sein oder als potenzieller Straftäter durchsucht zu werden. Alles nicht so schlimm – ist beim Fliegen ja genauso….

Ich möchte es jetzt nicht werten, warum eine Flasche Mineralwasser in der Tasche böse ist, eine Flasche Whisky aus dem Duty-Free-Shop aber nicht. Das ist auch ein ganz anderes Thema.

Aber hinterfragen wir das ganze mal:

Warum also Zäune und Durchsuchungen? Das ganze ist (auch wenn es keinen Eintritt kostet) letztendlich eine kommerzielle Veranstaltung. Der Veranstalter bekommt Geld dafür, dass auf seinem Gelände Speisen und Getränke verkauft werden. Und er will seine Geschäftspartner – die Standbetreiber – schützen, vor Leuten, die sich ihre Getränke selbst mitbringen. (Dies dürfte auch einer der Hauptgründe für die Einzäunung des Geländes in Duisburg gewesen sein.)

Das mag man alles in einem gewissen Rahmen noch legitim finden. Aber was sind die Folgen und Auswüchse:

An der Einlasskontrolle werden massenweise volle oder halb volle Getränkeflaschen einkassiert und in einen Container geworfen, die dann (O-Ton eines dort tätigen Händlers) in „mafiösen Strukturen und eigenen Hierarchien verteilt werden“. Natürlich lässt man als Jugendliche(r) nicht gerne eine halb volle Flasche Vodka-O-Saft wegwerfen, denn erstens ist es drinnen unmündig teuer und zweitens hat man sie ja jetzt extra schon den ganzen weiten Weg zu Veranstaltung geschleppt.

Also setzt man sich vor den Eingang und schleppt das Zeug dann _in_ seinem Körper durch die Kontrolle. Ob das nun im Sinne des Jungendschutzes ist, wage ich zu bezweifeln….

Überigens: vor Jahrzehnten gab es sie auch schon, die Flaschensammler. Aber das waren zumeist Kinder, die sich ein bisschen Taschengeld verdient haben. Gestern habe ich fast nur Menschen jenseits der 50 gesehen, die dort in Lidl- und Alditüten Flaschen einsammelten (bzw. nach der oben erwähnten Hackordung aus den Containern entnehmen durften)

Und sonst?

Freundlich waren sie, die Leute von „Sam-Security“. Was sie so in der Stunde verdienen, das durften sie aber nicht sagen. Bzw. sie wussten es nicht. (ebenfalls O-Ton) „Ich weiss nicht, was ich heute dafür bekomme. Mein Schwager hat mir gesagt, geh da mal hin. Das ist ne korrekte Firma und die suchen noch Leute fürs Olga“.

Wieso nur hab ich immer ein komisches Gefühl, wenn ich zu solchen Veranstaltungen gehe?

2 thoughts on “"Olgas Rock" – was mir auffiel

    • „gefühlt“ sicherlich mehrere Kilometer.

      Real sagt Google-Earth: der „Rundkurs“ von der Bahn ums Geländer herum bis zum Eingang sind rund 1.7km statt 400 Meter direkter Weg.

      Und das nur, damit die Besucher nicht in den schönen Park pinkeln oder warum?