Gastbeitrag: An “den Stadtrat”. Persönlich. Jedem.

Mimi Müller

Mimi Müller

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Die von uns überaus geschätzte Kolumnistin Mimi Müller möchte dem Stadtrat Duisburg etwas sagen. Und wir möchten ihr dabei helfen:


Ich möchte ein paar Worte direkt an Sie richten:

Sie werden sich von mir ungerecht behandelt fühlen.  Dass ich Sie, ganz persönlich, in einer Mitverantwortung sehe, und öffentlich fordere, diese zu tragen,  das muss Sie schmerzen. Ich möchte Ihnen sagen,  daß ich mir zutiefst bewußt bin, daß ich sie verletze, in Gewissenskonflikte bringe.  Allein: ich tue es nicht ohne Grund. Mein Verständnis für Ihr bisheriges Handeln ist aber größer, als Sie es annehmen mögen. Auch Sie sind ja durch „jahrzehntelange Übung“ in eine Situation geraten, die sie einmal mehr in Konflikte bringen musste.  Sie werden vielleicht hier und da die gleiche Ohnmacht gefühlt haben, wie sie die Bürger seit langem befällt, wenn sie sich den  „Verhältnissen“ ausgesetzt sehen. Und werden gedacht haben “ich kanns ja nicht ändern”. Ich wünschte, Ihnen meine Vorhaltungen ersparen zu können, aber das ist angesichts des Geschehenen völlig unmöglich. Ich las gestern den Eintrag eines ehemaligen Ratsherren, ( scrollen, in Kommentarleiste unten. Die Mitkommentatorin “andere Mimi” bin ich nicht. Eben: eine andere.), den ich Ihnen hier auszugsweise wiedergeben möchte:

„Ich war vor 10 Jahren selber mal Ratsherr in dieser Stadt, und wundere mich darüber, was einzelne Forumsteilnehmer hier, aber auch in anderen Foren über die Möglichkeiten, die Ratsmitglieder haben, so denken. Als ich mal im Ausschuß sagte, daß ich nicht da wäre, um die Verwaltung zu unterstützen, sondern um diese zu kontrollieren, daß das der Grund sei, warum ich überhaupt da sitze, haben mich einige ältere Ratsmitglieder erstaunt angeguckt. Aber so ist es. Das ist das Wesen der Demokratie schlechthin.“

Sehen Sie, und deshalb kann ich uns allen das nicht ersparen, was zu sagen ist, und was Sie nicht hören mögen. Das genau ist eben nicht das Wesen der Demokratie schlechthin! Es ist das exacte Gegenteil: die Pervertierung des Wesens der Demokratie schlechthin. Und sie wird regelmäßig schweigend hingenommen, mit einem Selbstverständnis, das einen sprachlos macht…  Man hatte sich anzupassen, wurde mit Spott und Häme übergossen, wenn man es nicht tat, wie es in einem anderen Artikel heißt. ..Und man passte sich an. Dem Willen der Partei. Und den Demokratievorstellungen der Älteren…

Was das für unser soziales und gesellschaftliches Leben bedeutete, werde ich – soweit es nicht ohnehin schon jeder am eigenen Leibe erfahren hat- in der kommenden Zeit ausführen, nehme aber vorweg, was es für die Demokratie bedeutete:  Wir haben sie in all der Zeit gegen Angriffe von Aussen  verteidigt – aber wir haben zugelassen, dass sie langsam aber stetig, inwendig ausgehöhlt wurde…

Und dazu kann niemand schweigen! Uns all dessen bewußt zu werden, was uns an diesen Abgrund führte, an dem wir stehen, das ist Teil  des Aufarbeitungsprozesses, an dessen Anfang wir gerade erst sind. Das Geschehene ist eine Zäsur – ob Sie es nun wahrhaben wollen oder nicht. Sie, die Stadträte, sind aufgefordert, den Duisburger Bürgern Ihrer deutlichen Willen zu einem Neuanfang erkennbar zu demonstrieren. Sie können sich ja dann erneut zur Wahl stellen. Jeder Einzelne von Ihnen ist für uns mit seinen zahlreichen persönlichen Erfahrungen von unschätzbarem Wert. Als verlängerter Arm Ihrer Parteispitzen aber sind Sie für uns nicht von Nutzen. Sie können das Vertrauen der Bürger gewinnen, sich darum bewerben und es erneut ausgesprochen bekommen. Das wird Ihnen am besten mit Selbstkritik, persönlicher Aufrichtigkeit und ehrlicher Sorge um das Wohl der Stadt gelingen – unabhängig von Ihrer Partei.  Ich bitte Sie, all das zu bedenken, auch, es sich zu Herzen zu nehmen, und sich mit denen, die sie kennen, die in Ihrer Nachbarschaft leben, zu besprechen. Mit den Duisburgern – nicht mit Ihrer Partei. Dann treffen Sie Ihre Entscheidungen. Es sind immer ganz persönliche. Wenn die Abwahl des Oberbürgermeisters ansteht, dann bitte ich Sie :  Folgen Sie ausschließlich Ihrem Gewissen. So ist es in der Demokratie vorgesehen. So soll es sein.

Und danach machen Sie bitte auch selbst den Weg frei für einen Neuanfang. Mit uns. Nicht gegen uns.

10 thoughts on “Gastbeitrag: An “den Stadtrat”. Persönlich. Jedem.

  1. @Mimi,
    Was glauben Sie eigentlich, worauf sich mein Satz:
    „Das ist eben das Wesen der Demokratie schlechthin“ bezieht?
    auf meine Aussage:
    „daß ich nicht da wäre, um die Verwaltung zu unterstützen, sondern um diese zu kontrollieren, daß das der Grund sei, warum ich überhaupt da sitze,“
    oder den Nebensatz „haben mich einige ältere Ratsmitglieder erstaunt angeguckt.“
    Sie haben schlicht und einfach mein Zitat so gedreht, wie Sie es für Ihre Story gebrauchen konnten.
    Das macht man aber nicht.
    Jetzt bin ich etwas angesäuert und überlege, ob Sie vielleicht nur schreiben gelernt haben, ohne lesen zu können.
    Da wir vermutlich noch häufiger hier im Blog zusammentreffen werden, empfehle ich Ihnen, diese Stelle noch mal zu überarbeiten.

  2. Sehr geehrter Herr Junge,
    man hat mich gestern gebeten, diesen Brief, der in meinem Tagebuch (mimimueller.de) steht, hier veröffentlichen zu dürfen. Dem habe ich zugestimmt – und man hat ihn unverändert übernommen.
    Dieser Brief, so wie er auf meinen Seiten steht, enthält einen Link auf Ihren Eintrag – jeder Leser kann also selbst Ihren vollständigen Kommentar in seiner Gesamtheit lesen. Dies allein schließt schon aus, das ich etwas „drehe“ – die Quelle ist jedem an Ort und Stelle zugänglich. Ihre unqualifizierten Überlegungen hinsichtlich meines Bildungsgrades kommentiere ich hier nicht, auch da mag sich jeder selbst ein Bild machen. Empfehlungen von Dritten – auch von Rats – oder Exratsherren, meine Texte in Ihrem Sinne zu überarbeiten, bin ich noch nie gefolgt. Ich halte solche Empfehlungen im Übrigen für unverschämt und anmaßend – gerade wenn sie „aus dem politischen Raume“ kommen.

  3. Noch mal, damit das voll klar wird, dann ist das Thema für mich abgehakt.
    Ich habe geschrieben, daß ich in einem Ratsauschuß verwunderte Blicke älterer Ratsmitglieder beobachten konnte, weil ich gesagt habe, „daß ich nicht da wäre, um die Verwaltung zu unterstützen, sondern um diese zu kontrollieren, daß das der Grund sei, warum ich überhaupt da sitze“.
    Mit dem beiden folgenden Sätzen: „Aber so ist es. Das ist das Wesen der Demokratie schlechthin“, habe ich nicht die erstaunten Gesichter gemeint, sondern natürlich meine Aussage, daß ich dort mit einem Auftrag vom Volke sitze, nämlich dem Auftrag, die Verwaltung zu kontrollieren. Im Text von Frau Mimi Müller, wird aber suggeriert, daß ich der Meinung sei, daß ich das Nichtstun als Wesen der Demokratie bezeichnet hätte.
    Diese Auslegung gibt aber nicht meine Meinung zu den Pflichten von gewählten Parlamentariern wieder, und ist schlicht falsch.
    Im Gegenteil bin ich seit meiner Kindheit der Auffassung, daß Parlamentarier ihr Mandat ausschließlich zu dem Zweck auszuüben haben, den sie bei ihrer Wahl versprochen haben umzusetzen. Da kann auch eine Frau Müller nichts dran ändern.
    Meine, an Frau Mimi Müller gerichtete Empfehlung, diesen, mich betreffenden Irrtum, zu überarbeiten, hält sie „für unverschämt und anmaßend“.
    Das erinnert mich ein wenig an die tiefen Niederungen der Politik, die ich erleben durfte,
    und wenn ich nicht selbst, vor längerer Zeit, der Politik den Rücken gekehrt hätte, könnte ich jetzt sagen: „Frau Müller, willkommen im Club.“

    • Darf ich Euch bitten, die Emotionen ein wenig herunter zu fahren?

      Dialog, auch Streit gerne. Aber bitte nicht zu persönlich werden und auch nicht zu persönlich nehmen.

      • Stefan,
        es gibt Tests, die zeigen, daß Menschen immer nur für die Situationen Verständnis haben, die sie selber betreffen, oder die sie selbst erlebt haben.
        Ich habe in einem guten Jahr Bloggerei vielleicht 200-300 moderate Kommentare geschrieben, meist bei den Ruhrbaronen, aber einige auch hier. Und ich bin schon häufiger wegen meiner Meinung heftig attackiert worden, und das hat mir Spaß gemacht, weil ich halt gerne diskutiere. Aber bis gestern hat mich noch niemand falsch zitiert. Darüber hab ich mich geärgert.
        Doch jetzt hab ich meine Position ja klargestellt, und ich kehre zum moderaten Umgangston zurück. Versprochen.

  4. Antonia Colloni So, 17 Okt 2010 at 01:28:58 -

    Frau M., schließen Sie Ihr Tagebuch ab. Wir wollen darin keinen Einblick haben, es interessiert uns nicht, was Sie meinen. Oder, um mit Ihren unverschämten Worten zu sprechen: Reden Sie mit Freunden oder Therapeuten, distanzieren Sie sich, es nimmt Sie emotional zu sehr mit, das hatte ich Ihnen bereits mitgeteilt. Wie können Sie es sich anmaßen stellvertretend fuer Duisburger zu sprechen? Anscheinend interessiert man sich in Hamburg nicht fuer Ihre Meinung. P.S. Sie beklagen sich darueber, dass man in Duisburg schon immer roh mit Kritikern umgegangen sind. Haben Sie sich mal gefragt, was Sie tun?

    • @Frau AntoniaColloni,
      wer ist denn „wir“.
      SallMay und wer noch ? Lassen Sie doch die Menschen selbst entscheiden was sie schreiben, anziehen, denken möchten.
      Warum „verfolgen“ Sie andere User und deren Meinung?
      Sehr auffällig das Ganze.

    • Christian Heiko Spließ So, 17 Okt 2010 at 21:46:25 -

      Frau Colloni – ich verstehe Leute wie Sie absolut nicht. Wenn Sie bestimmte Sachen im Internet nicht lesen möchten, ja, dann machen Sie doch mal was logisches – und LESEN DIE HALT NICHT!
      Desweiteren ist es allein Frau Müllers Sache ob sie ihr Tagebuch schließt oder nicht. Es steht Ihnen ja frei ein eigenes zu schreiben. Kann man machen, ich bezweifle aber ob das von Ihnen jemand lesen würde. Ich jedenalls nicht nach dem Kommentarstil den Sie hier absondern.