Loveparade: Ach Gott, Du warst das!

Laun, Andreas
Andreas Laun; Foto: kreuz.net

 

Liebe Brüder und Schwestern, lasset uns beten!

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name;
dein Reich komme
dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf der Erde.

Auf der Erde, auf dem Boden, im Tunnel, vor dem Tunnel, und überall. Ja, ist gut jetzt. Singen wir jetzt gemeinsam das Lied unserer Schwester Marianne Rosenberg mit dem schönen Titel „Fremder Mann“! Die Gemeinde erhebe sich!

Fremder Mann, schau‘ mich an, Du bist schuld daran.
Schuld daran, fremder Mann, dass ich nicht schlafen kann.
Darum glaub‘ mir: Ich will bei Dir sein, mach‘ es mir nicht so schwer!
Du, Du bist für mich längst kein fremder Mann mehr.

Wer, liebe Brüder und Schwestern, ist dieser „fremde Mann“, von dem uns Schwester Marianne berichtet? Wer, liebe Gemeinde, ist es wohl, der da schuld daran ist, dass nicht nur unsere liebe Frau Rosenberg, sondern dass wir alle nicht mehr schlafen können? Bei wem, liebe Trauergemeinde, will sie, wollen wir alle sein, damit er uns nicht mehr fremd sein möge, dieser für viele doch so „fremde Mann“?
Für Marianne Rosenberg, liebe Brüder und Schwestern, ist ER längst kein „fremder Mann“ mehr. Sie will bei ihm sein, so wie er bei ihr ist – immer und überall, tief im Glauben. Sie fleht ihn an: „Mach‘ es mir nicht so schwer!“ Aber, liebe Gemeinde, wir wissen alle: manchmal ist der Weg zu ihm schwer, verdammt schwer.

Manchmal allerdings ist man schneller bei ihm, als man denkt. Gerade diejenigen – und das ist es doch, was seine Wege oft so unergründlich macht – denen er so fremd ist, wie ein „fremder Mann“ nur sein könnte, stünde man nicht gerade ziemlich alleingelassen mit sechs bis acht Personen auf einem Quadratmeter in einem Tunnel.
Gott ist allmächtig! Also frage ich Euch: gibt es irgendetwas, was Gott nicht kann?! Tut also nicht so, Ihr Sünder! Seht in ihm nicht nur den „fremden Mann“, der schuld daran ist! Schlafet nicht! Er schaut Euch an. Er macht es Euch so schwer nun auch wieder nicht. Sprechet mir also nach:

Du, Du bist für mich längst kein fremder Mann mehr.

Gehet hin in Frieden!

 

Andreas Laun ist ein älterer Herr, der im österreichischen Salzburg lebt … – … und arbeitet. 67 Jahre ist er alt; doch nicht jedem von uns ist es vergönnt, das Privileg der Rente mit 67 für sich in Anspruch nehmen zu können. So hat ein jeder sein Kreuz zu tragen.
Prof. Dr. Andreas Laun; erlernter Beruf: Moraltheologe; zur Zeit ausgeübte Tätigkeit: römisch-katholischer Weihbischof; Hobby: Ordensmitglied der Oblaten des hl. Franz von Sales. Wissenschaftliche Tätigkeit: kontinuierliches Engagement am Wiener „Institut für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie“ (RPP).

Ja, der ist noch ganz schön rüstig, der Andreas Laun. Auf seinen Spezialgebieten, zum Beispiel, da macht ihm keiner etwas vor. Als da wären: Kirche und Pädophilie. Oder Homosexualität. Dagegen hat Weihbischof Laun selbstverständlich nichts einzuwenden – eben nur gegen den „homosexuellen Lebensstil“ und nicht gegen keusch lebende Menschen mit homosexueller Orientierung.
Zumal jeder dieser kranken Menschen, also auch Nicht-Pfarrer, geheilt werden kann. Zumal „der Staat ebenfalls die gesundheitlichen Probleme und Folgekosten eines homosexuellen Lebensstils, in dem Laun keine Fröhlichkeit, sondern nur Leiden erkennen könne und aus dem man aussteigen solle, zu bedenken hat“.
Nicht-Homosexuelle, also gesunde Menschen sind da wesentlich unproblematischer, sogar wenn sie pädophil sind. Wenn schon pädophil, meint Andreas Laun, dann immer noch besser gesund als krank.
Wenn Sie aber heterosexuell veranlagt und auf Erwachsene des anderen Geschlechts fixiert sein sollten, eigentlich optimal, müssen Sie bedenken, dass derartige Aktivitäten Schwangerschaften auslösen könnten. Was uns zum nächsten Schwerpunktthema des Prof. Dr. Andreas Laun führt: die Abtreibung.

Wenn Sie vom 5. bis zum 10. Oktober noch nichts vorhaben sollten, hätte ich da einen ganz tollen Veranstaltungstipp für Sie. Nämlich den 5. Welt-Gebets-Kongress für das Leben . Der findet in Rom statt, und Andreas Laun gehört zu den Vortragenden. Im Rahmen des Kongresses findet ein Symposion zum Thema „Abtreibung und Heilung“ statt. Sollten Sie sich auf gar keinen Fall entgehen lassen!
Und – last but not least – haben wir noch die drohende „Islamisierung“ im Themenkatalog unseres Allround-Moraltheologen. Diese hängt – da hätten Sie aber auch schon einmal selbst drauf kommen können! – unmittelbar mit den Krankheiten Homosexualität und Abtreibung zusammen. Laun legt dar:
“Mit den getöteten Kindern vernichtet man die Träger der wirtschaftlichen Kraft Österreichs von morgen. Und weil die Kinder fehlen, wird die Islamisierung Österreichs unaufhaltsam sein.
Wir werden die Fristenlösung viel später gar nicht mehr in Frage stellen können, wenn wir es nicht bald und jetzt tun, weil wir dann die Herrschaft im eigenen Land verloren haben werden. Wahrscheinlich werden die Moslems sie abschaffen. Das ist gut, aber um welchen Preis?”

Titel dieses bahnbrechenden Aufsatzes: „Wahrscheinlich werden die Moslems die Fristenlösung abschaffen“. Um welchen Preis konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Vielleicht stellt sich diese Variante in dieser Form aber auch nur in Österreich. Kann ja sein. Unübersichtliche zerklüftete Gebirgslandschaft, militärisch schwer zu kontrollieren, Taliban, Warlords, Stammesführer …
“Verlegt die Loveparade nach Kunduz!“ hatte ich einst angeregt. Da konnte nichts draus werden. Die Entfernung, die Logistik, die ganzen Kosten. Aber Salzburg … Warum eigentlich nicht Salzburg. Techno goes Mozart …
Weihbischof Andreas Laun ist, wie gesagt: noch rüstig und geistig hellwach. Deshalb ist ihm auch nicht entgangen, was sich vor zwei Wochen im fernen Duisburg zugetragen hatte. Hier die Meldung aus Österreich:

 

Bischof Laun: "Gott straft aus Liebe"
Veranstaltung sei "eine Art Aufstand gegen die Schöpfung"
Salzburg/Wien – Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun hat in seiner Kolumne "Klartext" auf dem Online-Portal kath.net zum Unglück von Duisburg mit 21 Toten Stellung genommen. In der Überschrift zum Kommentar heißt es: "Love-Parade ist kein ‚harmloses Feiern‘ – Wenn Gott ’straft‘, tut er dies mit der Absicht, den Menschen zurückzuholen, Gott straft aus Liebe!"

Strafen wir nicht alle aus Liebe? Ist Strafe letztlich nicht nur ein anderes Wort für Liebe? Der Herr Weihbischof weiß freilich, dass im Glauben nicht ganz so feste Zeitgenossen möglicherweise Empörung empfinden könnten; schreibt er doch:
Dass man das Leid der 21 Toten mit einer "Strafe Gottes" in Zusammenhang bringt, so der Bischof, empfinde man als empörend, da man sofort an Sünde denkt. Doch sie dachten nur ans "Amüsieren", dies nach dem Motto "wie wir wollen!". Weiter schrieb Laun vom "krankhaften Erscheinungsbild" der Besucher.

Im fernen, flach gelegenen Hamburg – kein Wunder – versteht man diese tiefe Weisheit aus den Bergen nicht. Aber dass man gleich so frech werden muss wie die „Morgenpost“: „Bischof verhöhnt Opfer der Loveparade“ lautet die blasphemische Überschrift über einen Hetzartikel, in dem scheinheilig gefragt wird: „Was geht im Kopf dieses Mannes vor?“
Stellen wir uns diese Frage jedoch allen Ernstes, muss ich Ihnen leider sagen: ich weiß auch nicht, was im Kopf dieses Mannes vorgeht. Zum Beispiel auch deshalb nicht, weil ich es versäumt hatte, eine Podiumsdiskussion des bereits erwähnten „Instituts für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie“ – in Zusammenarbeit mit der Sigmund Freud Privat Universität und der Katholischen Hochschulgemeinde – zu besuchen.
Titel der Veranstaltung: „Macht die Kirche psychisch krank?“ Wie gesagt: ich weiß es nicht. Prof. Dr. Andreas Laun hatte freilich nicht den Weg von Salzburg bis nach Wien gescheut, um diese drängende Frage aus seiner Sicht zu beantworten. Er ist da ja wirklich ein Fachmann.

Gut, Sie können auch sagen, letztlich handele es sich hierbei eigentlich nur um belangloses Geschwätz. Ich meine dies im übrigen nicht. Sei´ s drum. Doch spätestens, wenn man an die Eltern der bei der Loveparade in Duisburg Getöteten denkt, spürt man, dass irgendwo auch der Spaß ein Ende haben muss.
Deshalb verbietet der § 189 des deutschen Strafgesetzbuches die Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener: „Wer das Andenken eines Verstorbenen verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“. Selbstverständlich kennt auch das österreichische Strafgesetzbuch diesen Straftatbestand. Und dann hätten wir noch den sog. „Gotteslästerungsparagraphen“, einen Straftatbestand, der sich in § 166 StGB der Bundesrepublik Deutschland findet:
„Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Andreas Laun hat ohne jeden Zweifel mit seinem Geschwätz das religiöse Bekenntnis all derer, die an einen liebenden Gott glauben, verunglimpft und den öffentlichen Frieden gestört. In Österreich, zugegeben. Aber auch in den Alpen ist so etwas verboten. Selbstverständlich.

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