Weiter so, Duisburg!

Duisburg_Rathaus

 

Weiter so, Duisburg!

Es herrscht wieder Frieden in der Stadt. Ganz langsam, ganz allmählich kehrt wieder Ruhe ein. Endlich! Das Sommerloch wurde zunächst einmal mit Schlamm gestopft. Wenn der soweit getrocknet ist, muss nur noch Beton drüber. Das müsste es dann gewesen sein.

Auch in den Medien verschwindet Duisburg allmählich aus den Schlagzeilen. Das wurde aber auch Zeit. Es gibt ja schließlich auch nichts Neues zu berichten. Auch in der lokalen Berichterstattung normalisiert sich die Lage allmählich.
Die CDU und die „Wie heißen die nochmal?“ sind für Sauerland. Die SPD und die ganz Linken gegen ihn. Die FDP hat das gemacht, was sie am besten kann, nämlich Umfallen. Die Grünen machen weiter in ihrem FDP-Frühstadium: die einen sind dafür, die anderen dagegen. Alles wie immer.
Von der aufräumenden Hand des Dr. Greulich ist auch nichts mehr zu hören. Die aufräumende Hand des Dr. Greulich. Das wäre sicher ein hübscher Titel für ein B-Movie. Oder C-Movie. D-Movies gibt es ja nicht, glaube ich. Dabei wäre das so passend. D wie Duisburg.
Die Sommerferien sind zur Hälfte rum. Jetzt noch einmal gut drei Wochen. Dann wollen wir mal weitersehen. Bei einer Veranstaltung dieser Größe waren Fehler doch nicht zu vermeiden; das ist klar. Jeder muss das einsehen!

Keine Vorwürfe. Die helfen jetzt am wenigsten. Wer hat seinen Urlaub abgebrochen? Wer nicht? Wer hatte einfach nur Glück, dass er zuhause war? So eine Schnüffelei hilft jetzt niemandem. Bloß keine Vorwürfe!
Gewiss: einige haben sich nicht normal verhalten. Aber erfordern nicht außergewöhnliche Situationen außergewöhnliche Maßnahmen?! Wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein!
Zum Beispiel die junge Frau im Tunnel, die sich mit der Leiche einer anderen jungen Frau „zugedeckt“ hatte. Gewiss: normal ist das nicht. Aber man muss die Menschenmasse berücksichtigen, die in Panik über alles drübergelaufen ist. Da bot das schon einen gewissen Schutz. Sie, die Leiche der jungen Frau. Ihr, der nach wie vor unter uns weilenden anderen jungen Frau. Jetzt bloß keine Vorwürfe!

Klar, noch sind nicht alle Verletzungen verheilt. Die psychischen nicht. Und so ein Rippenbruch, auch klar, der braucht seine Zeit. Da macht man mit Tempo gar nichts dran. Hektik wäre jetzt das Grundfalscheste.
Vielmehr kommt es darauf an, behutsam, aber beharrlich die nach unten gesausten Imagewerte wieder etwas nach oben zu pushen. Es sind immer noch nicht genug Pusher da; aber Duisburg arbeitet dran. Die Neuverpflichtungen des MSV sollen ja recht vielversprechend sein.
Nicht sofort wieder vom Aufstieg in die Erste Liga träumen! Ruhig bleiben! Uns auf das besinnen, was aus uns das gemacht hat, was wir sind. Ehrliche Arbeit. Oder einfach nur Arbeit, muss unter Umständen auch mal reichen. Und Dreck. Viel Dreck. Dann Schlamm drüber, und schließlich Beton. Fertig.

Nur keine Hektik! Duisburg braucht jetzt Ruhe. Viel Ruhe. Und einen Schuss Optimismus. Die Sache läuft doch. Es herrscht wieder Frieden in der Stadt. Weiter so, Duisburg!

3 thoughts on “Weiter so, Duisburg!

  1. Werner,
    Wenn die Kontinentalplatten verhaken, dann sieht das tatsächlich so aus, als wäre alles vorbei.
    Stillstand, als hätte die Natur sich beruhigt.
    Aber die Kräfte, die an den Platten zerren, sind ja nicht verschwunden. Sie wachsen in den dunklen Tiefen weiter an. Und wenn sie groß genug sind, dann wird der Widerspruch überwunden. Was dann rappelt, das reißt manch einem den Stuhl unterm Hintern weg. Die Natur bemüht sich übrigens immer den Gesetzen der Dialektik zu folgen.
    Ich denke, im Fall Loveparade sind die Kräfte sehr groß. Diese Stadt läßt sich mit dieser Führung nicht leiten. Da werden einige sichere Geschäfte ausfallen. Das tut weh.
    Dadurch werden die Kräfte weiter wachsen, bis das geschieht, was eigentlich jetzt schon längst hätte geschehen müssen. Weil der Druck dann aber größer geworden sein wird, wird auch die Wirkung größer werden. (grammatikalisch richtig?)
    Da werden dann eben noch mehr gehen müssen.

    • Dr. Werner Jurga Sa, 07 Aug 2010 at 11:21:43 - Author

      „Die Natur bemüht sich übrigens immer den Gesetzen der Dialektik zu folgen.“ Ganz schön linientreu die Natur; kein Wunder: sie ist ja auch doof wie Dreck, diese Natur. Und unfrei: an die Naturgesetze muss sie sich schon halten. Und die sind, wie so vieles auf dieser Welt (syn. für „Natur“) dialektisch. Kleine Stänkerei, Helmut. Zur Sache:
      Was Deinen grammatikalisch so was von richtigen Satz betrifft, stimme ich Dir voll und ganz zu: je mehr Druck sich aufbaut, desto heftiger kracht es. Das, was auf der Karl-Lehr-Straße gegolten hat, gilt auch im Duisburger Rathaus. Ich wollte keinen anderen Eindruck erwecken.