LoveParade & rettende Engel – Bericht

TimelineDancer war auch dort. Um 11 am Dortmunder HBF, von da aus direkt zur LoveParade. Mit guter Laune, Alkohol im Rucksack und Freundinnen. Alles was man braucht, um sich einen wunderbaren Tag bei einem wunderbaren Großereignis zu machen – sollte man denken.

Der Spaß wurde leicht getrübt, als sie gegen 13 Uhr am Haupteingang waren. Gedränge und Geschubse: „Ich frage mich, warum die Menschen, die das Selbe im Sinn haben, nicht gemeinsam und friedlich das Ziel erreichen können mit ein bißchen Menschenwürde?“

Immerhin, endlich auf dem Gelände angekommen, war es noch recht leer. „Ich persönlich wollte gerne chillig zu guter Musik im Sonnenschein abtanzen…doch ich hatte gegen 17 Uhr keine Lust mehr und wollte meine Freundin Tina, die nur wegen uns mitkam, nach Hause begleiten.“ Die nahende Katastrophe? Noch nicht ganz. „Da meine andere Freundin Sabrina sich ein Bier holen war, warteten wir noch auf ihre Rückkehr bevor wir losgingen.“

Jetzt könnte man anfangen, an Schutzengel zu glauben. Oder irgendwie sowas in der Art. Man könnte es natürlich auch einfach Zufall nennen.

„Durch diese Verzögerung kamen wir direkt nach dem Unheil an der Stelle vorbei. Wir wollten nur von dem Gelände runter und wunderten uns darüber, dass es leer war und während wir so gingen, zog eine Situation meine Aufmerksamkeit auf sich. Ein Polizist, außer sich vor Wut, schnauzte einen Mann an mit den Worten „Hier liegen Menschen im Sterben“ und mit diesem Satz ließ ich meinen Blick über die Personen gleiten, die ich erst für „Erschöpfte“ hielt. Mit einem Mal wurde mir klar, dass da tote junge Raver unter Folien lagen – notdürftig abgedeckt.“

Grade noch gefeiert, getanzt, Spaß gehabt. Und auf einmal standen sie zwischen Leichen und Verletzten. Nur dieser kleine… Zufall?, dass Sabrina sich noch ein Bier holen wollte, hatte die Freundinnen davor bewahrt, möglicherweise selber dort zu liegen.

„Eine Gänsehaut überfuhr meinen Körper während ich das ganze Ausmaß der Katastrophe überblickte…der Kloß im Hals wurde immer größer und die Frage „Was ist hier schreckliches passiert?“ herrschte in meinem Kopf vor.“

Weg, nur weg. Nach Hause. Ganz schnell zum Hauptbahnhof. Aber: „Zugverkehr eingestellt – Schienenersatzverkehr. Die Busse wurden von tausenden Menschen belagert und sobald der Bus kam, stürzten die Menschen da rein wie die Irren – ohne Rücksicht auf Verluste. Da pressten sich Leute noch in dem Bus, obwohl er zu voll waren und die Türen nicht mal mehr zugingen.“

Nach einer Stunde Busfahrt und zig blauen Flecken mehr – „ich habe zeitweise gedacht, die zerquetschen mich einfach“ – endlich die 30 km weiter am am Düsseldorfer Hauptbahnhof angekommen. Und dann die harte Erkenntnis: „Der Schienenverkehr, der über Duisburg Hbf läuft, wird eingestellt. Somit kein Zug nach Dortmund. Dabei wollten wir doch einfach nur nach Hause.“

TimelineDancer twittert. Und was ihr schon die Fahrt im Bus erträglich machte – die Freunde bei Twitter – bringt sie nun sicher nach Hause. N8Engel ist sofort auf dem Weg. Von Krefeld nach Düsseldorf, und dann endlich nach Dortmund – nach Hause und in Sicherheit.

Für TimelineDancer und ihre Freundinnen war das wohl wirklich ein Tag, an dem man von rettenden Engeln sprechen kann.
Hier geht es zu ihrem vollständigen Bericht „Twitter – mehr als nur eine Kommunikationsplattform“

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