Interview: “ich war weit genug weg”

Marcel aus Oberhausen, der uns auch schon das Video der Eskalation zur Verfügung gestellt hat, war gerne bereit, uns ein Interview zu geben.

xn: Wie hast Du selber die Situation erlebt, war Dir bewusst, welche Gefahr drohte?

Marcel: Nachdem wir durch die Kontrolle waren, ging alles sehr human vor sich, auch als wir am Tunnelende angekommen waren.
Anfangs sah es einfach nur überfüllt aus, da war mir noch nicht bewusst, dass es zu einer solchen Situation kommen würde, und wenige Minuten später Menschen um ihr Leben kämpfen müssten.

xn: Welchen Eindruck hattest du von den Umstehenden? An welchem Punkt schlug die Stimmung in Panik um?

Marcel: Anfangs sind noch recht wenige Personen über die gefilmten Stellen ins Gelände geklettert, das vermittelte den Eindruck, dass es doch noch eine Möglichkeit gäbe, zur LoveParade zu gelangen. Einige Minuten ging das gut, aber dann hat das leider die ganze Masse gesehen und ist den anderen gefolgt. Ab diesem Zeitpunkt ging es dort drunter und drüber, und die Menschenmassen waren nicht mehr zu halten.

xn: Du hast ja offenbar die Nerven behalten und konntest in Ruhe filmen, wie das?

Marcel: Das frage ich mich selber. Ich hatte das Gefühl, ich war selber nie in der Gefahr, dass mir etwas hätte passieren können.

xn: Wann und wie bist Du selber aus dieser Lage gekommen?

Marcel: Ich selber bin glücklicherweise garnicht erst in die Lage gekommen, da meine Freunde und ich nicht weiter mit der Masse gegangen sind. Wir haben uns etwas defensiv am Tunnelende hingestellt, so dass wir immer ohne Probleme Abstand von der Masse nehmen konnten.

xn: Hast Du etwas davon gesehen, wie es zu den Toten kam? Abstürze von Kletterern z.B.?

Marcel: Ich habe einige Personen klettern sehen, aber keine abstürzenden Menschen oder wie es zu Toten kam.
Was ich sehr gut sehen konnte, war, wie am Treppenanfang die Menschenmassen immer weiter hoch kamen und sogar über andere Personen gerobbt sind. Des weiteren kamen immer wieder regungslose Füße senkrecht nach oben.

xn: Einige Besucher sind der Meinung, die Einsatzkräfte der Polizei hätten nicht oder nicht richtig reagiert. Welchen Eindruck hattest du von Polizei und Rettungskräften?

Marcel: Die kletterei hätte frühzeitig unterbunden werden sollen, aber dagegen hat leider keiner etwas unternommen. Erst als es zu spät war wurde geholfen. Ständig kamen mehr Menschen von hinten, was dazu geführt hat, dass es immer enger wurde. Meiner Meinung nach hätte die Polizei die A59 dafür benutzen sollen, die Menschen vom Gelände zu bringen.
Die Polizei hat den Überblick verloren und falsch gehandelt.


Der 22-jährige Marcel hatte sich „schon gedacht, dass es voll wird, und dass ich vielleicht nicht auf das Gelände komme“, aber dass das komplette Gelände eingezäunt sein würde, hätte er nicht für möglich gehalten.

Marcel: „Mein Beileid geht an die Familien der verstorbenen Personen, die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren, und nichts gegen diese Masse ausrichten konnten.“ – wäre er einige Minuten früher dagewesen, hätte es auch ihn treffen können.

Herzlichen Dank von der Xtranews-Redaktion für dieses Interview!

5 thoughts on “Interview: “ich war weit genug weg”

  1. das eigentliche problem war, dass die rampe kuenstlich verengt wurde.
    nicht nur der querschnitt war durch voellig ueberfluessige und unsinnige zaeune und
    einen _brezelstand_ auf geschaetzte 25 meter reduziert.

    auch der aufgang (also das ende der rampe) wurde mittels zaeunen um
    ebenfalls geschaetzte 30 meter (also rund eine halbe stunde umweg) verlaengert.

    und (das fiel mir auf dem hinweg gar nicht auf) in der mitte waren nochmals hinderniszaeune aufgebaut – warum
    auch immer.

    ich bin der festen ueberzeugung: es ging darum, die leute moeglichst lange
    auf dem weg zum „eigentlichen“ festgelaende aufzuhalten, weil dann andere
    schon wieder gegangen sind und damit der offizielle „fuellstand“ von 250.000 leuten
    auf dem festplatz nicht ueberschritten wird.

  2. seit 1 woche höre und sehe ich“massenpanik“. ich habe mit geurteilt,verurteilt, mir gedanken gemacht, mich empört über veranstalter, das gelände, die leute bedauert,die das entsetzliche mit erleben mussten und letzlich die toten betrauert und deren angehörigen bemitleidet… aber! wenn ich mir jetzt dieses videos ansehe, sehe ich keine panik!!!!ich sehe feiernde menschen, relativ eingeengte personen, die sich jedoch noch unterhalten, wohlgelaunt sind… aber auch einige wenige, die die gesamte menge „aufmischen“ indem sie drängeln und „auf Teufel komm raus“ zur treppe wollen um …sich zu profilieren? gewinnen und die anderen hinter/unter sich lassen?? das was hier zu sehen ist, sieht nicht nach einer massenpanik aus, das sieht nach absoluter rücksichtlosigkeit/gefühllosigkeit/egoismus/ellbogengesellschaft aus. ich bin sprachlos und kaum zu trösten, dass einige, etliche menschen ihr leben lassen mussten, nur weil es solche menschen gibt, wie sie hier zu sehen sind!!! umso sinnloser der tod dieser 21 menschen. man prangere nicht zuerst „die anderen“ (veranstalter, polizei) an, man solle sich gedanken machen, wie einige menschen im wahrsten sinne des wortes „über leichen gingen“. ich bin untröstlich. mein mitleid und beileid den angehörigen und denen die dieses schlimme erlebnis seheneden auges erlebten… die kleeene