Bahn-Sonderbeauftragter macht Klimawandel für Hitzechaos verantwortlich

Photo: Simon Blackley | CC-Lizenz: BY-ND

Hamburg (ots) – Die Bahn macht den Klimawandel für das Versagen der Klimaanlagen in den ICE-Zügen verantwortlich. „Zum Zeitpunkt der Planung dieser ICEs ist niemand davon ausgegangen, dass wir einmal Temperaturen von mehr als 35 Grad in Deutschland haben würden“, sagte Georg Brunnhuber, Sonderbeauftragter des Bahn-Vorstandschefs Rüdiger Grube, dem Online-Magazin stern.de. Der Hersteller Siemens habe zusammen mit Bombardier die europäische DIN-Norm für Klimaanlagen bis maximal 35 Grad beachtet. „Bis zu dieser Temperatur funktioniert die Technik auch. Wenn weiterhin so heiße Sommer möglich sind, dann wird man in Zukunft die spanische DIN-Norm beachten müssen, die als einzige in Europa Temperaturen bis 40 Grad berücksichtigt“, sagte Brunnuber.

Im Rahmen einer Komplettsanierung der ICEs solle jetzt nachgebessert werden, so der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete, der den Bahn-Chef seit Anfang dieses Monats berät. „Wir werden versuchen, die Klimatechnik auf derart hohe Temperaturen nachzurüsten“, sagte Brunnhuber stern.de. Am Dienstag habe die Bahn eine „Taskforce“ eingesetzt, um die Ursachen der ICE-Probleme zu klären.

Brunnhuber wies Vorwürfe zurück, die Bahn habe bei der Wartung der ICEs aus Spargründen geschlampt. „Die Wartung der Klimaanlagen ist absolut korrekt durchgeführt worden. Da wurde nicht gemauschelt bei den Zeitabständen“, sagte er. Er räumte jedoch ein, dass das Hitze-Chaos zu erheblichen Image-Schäden geführt habe. „Bahnchef Rüdiger Grube leidet mit, wenn er sieht, wie seine Kunden leiden müssen“, so Brunnhuber zu stern.de. „Und fürs Image der Bahn ist es natürlich schrecklich.“

Das ehemalige Bahn-Aufsichtsratsmitglied wies Forderungen nach der Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im Bundestag zur Aufklärung der jüngsten Vorfälle bei der Bahn zurück. „Wir sehen dieser Forderung gelassen entgegen“, sagte er stern.de. „Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Winfried Herrmann, immerhin ein Grüner, hat den Vorstoß bereits als nicht zielführend zurückgewiesen. Das wird nicht kommen.“ SPD-Präsidiumsmitglied und Verkehrsexperte im Bundestag, Florian Pronold, hatte zuvor die Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses gefordert.

Brunnhuber betonte das Bemühen der Bahn, von den defekten ICEs betroffene Fahrgäste zu entschädigen und die Gesundheit der Fahrgäste künftig besser zu schützen. „Wir sind bei der Bahn todunglücklich über diese Situation und werden alles tun, um die betroffenen Menschen ordentlich zu entschädigen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Belastungen durch die Hitze so weit wie irgend möglich verringert werden oder gar nicht mehr vorkommen.“

Brunnhuber war von 1990 bis 2009 CDU-Abgeordneter im Bundestag, zeitweise auch als Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg in der CDU/CSU-Fraktion. Bis März 2010 war er zudem Mitglied des Bahn-Aufsichtsrats. Als Sonderbeauftragter soll er sich vor allem um Beratung des Vorstandschefs und die politische Kommunikation kümmern.

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