DE-Mail rollt: ein staatlich verordnetes Erfolgsmodell

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Nun ist sie also da und alle wollen sie mir aufdrängen: die DE-Mail, das Wunderwerk deutscher Genies, die nicht in der Lage sind, eine vertrauenswürdige PKI-Struktur aufzubauen. Und alle wollen mir eine „verkaufen“: T-Online, Web.de, GMX und wer nicht noch alles.

Obwohl, verkaufen will sie mir derzeit niemand. Zum Beispiel GMX weist darauf hin, ich könne mir „kostenlos und unverbindlich“ meine Adresse reservieren:

Der verschlüsselte Kommunikationsdienst De-Mail ist eine gemeinsame Inititative der Bundesregierung mit GMX und weiteren Partnern. Bereits vor dem offiziellen Start können Sie sich bei GMX jetzt Ihre persönliche De-Mail-Adresse (Vorname.Nachname@gmx.de-mail.de) unverbindlich und kostenlos reservieren.

Abgesehen davon, dass der Domain-Name mich an alte Zeiten erinnert (ich war mal ein @gismo.gun.de) und eigentlich weder gut zu merken noch sinnvoll einsetzbar ist:

Hier wird mit der technisch unnötigen Subdomain des Anbieters natürlich der Kunde auch auf sehr eigene Art und Weise gebunden. Denn was passiert, wenn ich z. B. den Anbieter wechsel und dann… sagen wir bei t-online.de-mail.de bin? Muss ich dann den Authentifizierungsprozess neu bewältigen? Behalten bisherige Dokumente Gültigkeit? Was passiert mit laufenden Prozessen, innerhalb derer ich die E-Mail-Adresse wechsel?

Solche und andere Fragen erhöhen dann den Aufwand und damit stellen sie eine wirksame Wechsel-Barriere dar. Insofern ist die heftige Bewerbung derzeit eigentlich „normal“: So schnell wie möglich so viele Adressen wie  möglich „reservieren“ und damit den Kunden „auf Ewig“ binden. Ich schätze, BP hätte so eine Möglichkeit zur Kundenbindung gerade auch gern.

Die Formulierung der kostenlosen Reservierung macht mich ebenfalls stutzig. Und dieses merkwürdige Gefühl wird von anderen Textbeispielen noch verstärkt:

  • Rechtssichere digitale Kommunikation
    mit Unternehmen, Institutionen, Privatpersonen
    – alles eindeutig identifizierte Teilnehmer
  • Beweiskräftig wie ein Einschreiben
    durch Versand- und Empfangsbestätigung
  • Spart Zeit, Porto – reduziert die Papierflut
    jederzeit „digitale Briefe“ senden & empfangen

So schreibt GMX weiter.

Jetzt bin ich ja ein skeptischer Zeitgenosse und weiß, dass Sparen auch gerne mal verwendet wird um zu signalisieren, dass man weniger ausgegeben hat. Kaufen sie dieses Auto und sie sparen 2.500 Euro – abgesehen von den 12.500 die Sie zu bezahlen haben. Aber die gesparten Euro haben Sie ja quasi im Geldbeutel behalten.

Also stellt sich die Frage: was kostet DE-Mail denn jetzt? GMX schweig sich aus und auch beim IT-Beauftragten der Bundesregierung finde ich auf die Schnelle nix dazu. Dabei ist klar: Der Aufbau und Betrieb der Infrastruktur wird Geld kosten.

Das fängt bei den Server-Kosten an, geht über die Implementierung der Software und endet letztlich bei der Post, die sich das PostIdent-Verfahren bezahlen läßt. All diese Kosten werden die Unternehmen in Deutschland nicht aus Menschenfreundlichkeit schultern.

Vielmehr wird hier staatlich subventioniert ein Markt aufgebaut, den wir zwar gar nicht brauchen – aber bezahlen werden. Ob das letztlich direkt durch „Porto“ erfolgen wird, wie schon mehrfach verlautbart wurde, oder indirekt durch Steuermittel ist dabei eigentlich egal.

Ähnlich der Maut wird sich DE-Mail sicherlich noch zu einem Dauerbrenner entwickeln – und erst in der Zukunft werden wir in der Lage sein zu beurteiln, was es wirklich brachte und letztlich kostete.

Was schon jetzt da ist, ist ein schaler Beigeschmack. Denn ich als mündiger Bürger fühle mich doch zum DE(ppen) gemacht, wenn man so plump versucht, mich auf ein vermutlich fast schon totes Pferd aufspringen zu zu lassen – um es mir dann anhschließend zu verkaufen.

Wobei der Trick natürlich was hat: Erst pushen und wenn es dann „keine Alternative“ mehr gibt, ordentlich zulangen. Kennen wir ja auch von anderen staatlichen und staatsnahen Institutionen, gell liebe Bahn?

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