Interfaces: Am Ende die Zukunft

Photo: Pinching the Ostrich | Lizenz: CC-BY

Auf eigenen Füßen stehen, welcher Jugendlicher möchte das wohl nicht? Doch kaum ist es soweit, dass man Verantwortung übernehmen kann ist es gar nicht so einfach sich zu entscheiden. Welchen Weg wählt man? Den der Sicherheit, Familie, Hausbau und Garten? Oder eher das Reinstürzen ins Abenteuer mit Rucksack? Leinen los und dann dem Wind nach? Das Projekt „Interfaces – Lookin for Paradise…“ zeigte im Theater am Marientor in drei Handlungsabschnitten den Weg ins Erwachsenwerden – mit allen Irrungen und Wirrungen.

Zuerst die Vergangenheit: Da schreibt ein Vater einen Brief an sein Kind über sein eigenes Leben, über die Arbeit im Ruhrgebiet. Passend dazu werden Videobilder an die Leinwand projeziert, untermalen Briefpassagen des Vaters, Landschaften, Weite, Illustrationen der Erinnerungen. Immer wieder eingebettet sind Tanzsequenzen – Kohlefördern und Stahlgießen werden von den Jugendlichen in schwarzer Kleidung dargestellt. Von der Vergangenheit als Basis geht es auf die einzelnen Wege, die Möglichkeiten des Erwachsenwerdens.

Dabei legt INTERFACES eindrucksvoll all das offen, was eigentlich jeder Mensch auf dem Weg ins Leben erlebt. Da gibt es die Freunde, die einen unterstützen aber auch manchmal im Regen stehen lassen, die allübergreifende Langeweile, die sich einstellt wenn man keine Perspektive sieht. Deren Folge meistens: Gangstergehabe. Das Viertel als Revier, das abgesteckt werden muss. Die nervende Familie kommt dann noch dazu. Weder der eigene Musikgeschmack noch das an sich doch aufgeräumte Zimmer sind den Eltern so richtig recht, ständig haben sie etwas zu bemängeln, zu meckern. Die Familie steht hier für die Tradition, nachdem das Vertrauen auf die Freunde einen vielleicht doch nicht weitergebracht hat. Welcher der Wege der richtige ist, ist die Frage, die das Ensemble sich selbst gestellt hat – und die jeder letzendlich, so deutet es der Schluss an, für sich selber beantworten muss. Eindrucksvoll auf die Bühne bringt INTERFACES auch die Themen Mobbing und Gewalt, die Angst vor Einsamkeit und die Versuchungen, sich in der Gewalt an sich zu verlieren weil man ja sonst nichts weiter erreichen könnte.

Die gewonnen Erkenntnisse aus diesen Wegen werden dann im dritten Teil des Werkes gezeigt. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten etwa, die Chancen in sich selbst und ein Ziel zu haben. Dass zu der Suche nach dem Glück, die der Chor im ersten Teil anspricht, auch die dunklen Seiten des Lebens gehören verbirgt der letzte Teil sicherlich nicht. Er betont aber den Optimismus und die Erfahrung, dass das Leben letztendlich doch immer wieder positive Seiten hat. Man muss diese halt nur wahrnehmen.

Musikalisch bietet das Stück eine große Bandbreite: Von Rap und Hip-Hop, über Big-Band bis zu den Duisburger Philharmonikern ist die Musik trotz der unterschiedlichen Stile vom Arrangement her gelungen – Chorpassagen, Pussycat-Dolls, eigene Raps. Manchmal wäre es nur wünschenswerter gewesen, wenn die Technik ein bißchen besser mitgespielt hätte. So gingen teilweise die Rappassagen aber auch manches gesprochene Wort leider in der Musik selbst unter. Amateure und Profis, Sänger und Tänzer vereinen sich zum Schluss um die Schlussessenz des Weges zu ziehen: „Don’t give up your dreams“ – gib deine Träume nicht auf. Mehrere Zugaben bewiesen, dass die Botschaft beim Publikum angekommen ist.

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