Karstadt: Erbitterter Verhandlungspoker zwischen Highstreet und Berggruen

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Berlin/Frankfurt – Für die 25.000 Karstadt-Beschäftigten besteht abermals größte Unsicherheit, weil die Verhandlungen zur Rettung des Traditionsunternehmens ins Stocken geraten sind . Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen appellierte im "Handelsblatt" an die Bundesregierung, eine Vermittlerrolle zu übernehmen. Doch Brüderle wird wohl nicht helfen

Die Verhandlungen zwischen Berggruen und dem Vermieterkonsortium Highstreet sind festgefahren. Berggruen hatte den Kaufvertrag für Karstadt unter der Bedingung unterschrieben, dass die Miete reduziert wird. Nach Informationen des Handelsblatts hatten sich Berggruen und das Vermieterkonsortium bereits auf eine geringere Miete geeinigt.
Für 2011 soll Karstadt 210 Millionen Euro Miete zahlen. Bis 2018 wird die Miete dann schrittweise erhöht. Laut Handelsblatt gab es bei den Verhandlungen jedoch wieder einen Rückschlag, weil Highstreet mit neuen Forderungen nach einer Gewinnbeteiligung am Karstadt-Konzernergebnis aufgewartet habe.

"Es muss jemand für Deutschland und Karstadt aufstehen. Dass kann am Ende des Tages nur die Politik sein", sagte Berggruen und bat die Bundesregierung, als Vermittler auf die Verantwortlichen einzuwirken. Die Regierung müsse ein Interesse haben, Karstadt zu retten. Immerhin stünden 25.000 Arbeitplätze auf dem Spiel – und viele deutsche Innenstädte.
Auf die Hilfe des Bundeswirtschaftsministers wird Berggruen im Tauziehen mit den Vermietern der Warenhäuser nicht zählen können. "Es ist nicht Aufgabe des Staates, Preisverhandlungen zu führen", sagte Minister Rainer Brüderle am Montag in Berlin.
Dagegen schloss Arbeitsministerin Ursula von der Leyen ein Eingreifen aus Berlin nicht aus: Der Staat dürfe und solle sich auf Seiten der Arbeitnehmer stellen, wenn es um eine Einigung unter hohem Zeitdruck gehe. "Ein fairer Makler kann helfen."

Highstreet lehnte jeden Kommentar ab. Im Umfeld des Konsortiums wurden die Vorwürfe allerdings zurückgewiesen. Die Vermieter hätten dem Investor bereits eine Reihe von Angeboten gemacht, doch Berggruen habe sie ausgeschlagen, hieß es. Jetzt versuche der Milliardär, den öffentlichen Druck auf die Vermieter zu erhöhen.
Highstreet bemühe sich, eine Lösung zu finden – aber nicht um jeden Preis. Branchenkenner hatten bereits unmittelbar nach dem Vertragsabschluss zwischen Berggruen und dem Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg vorhergesagt, dass es zu einem erbitterten Verhandlungspoker zwischen Highstreet und dem Investor kommen werde. Schließlich geht es für beide Seiten um hohe Millionenbeträge.
Allerdings wird die Zeit langsam knapp. Denn das Amtsgericht Essen will am 16. Juli über den Insolvenzplan zur Rettung des Warenhauskonzerns entscheiden. Dieser Termin war schon einmal verschoben worden.

Berggruen hat Highstreet ultimativ aufgefordert, bis Dienstagabend zu einer Gläubigerversammlung einzuladen. Die Vermieter müssen bei Vertragsänderungen auch die Gläubiger einer Anleihe um Erlaubnis fragen, mit der die vier Milliarden Euro schwere Übernahme von 86 Karstadt-Immobilien finanziert worden war. Finanzkreisen zufolge haben sie dem Konzept von Berggruen aber informell bereits zugestimmt.

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