Crazy Heart (2009)

crazy So’n bißchen dachte ich, jemand habe Lowell Georges Song Willin‘ genommen, den Trucker durch einen ehemaligen Countrystar ersetzt und die Geschichte dann nur unter drei Bedingungen verfilmen lassen wollen:

1. Der Hauptdarsteller muß für einen Oscar gut sein (und -füge ich einfach mal hinzu- seit 11 Jahren überfällig, denn Jeff Bridges hätte den langen Türstopper schon für seine formidable Leistung als Dude in ‚The Big Lebowski‘ mehr als verdient gehabt).

2. Die Musik muß großartig sein, also bitte T-Bone Burnett fragen, es gibt keinen besseren für diesen Job.

3. Macht bloß keine Hollywoodscheiße draus.

Und sie haben’s gemacht und es ist ein großartiger Film. So, wie Jack Black sich durch ‚School of Rock‘ derwischte und niemand anders in der Rolle des Dewey Finn auch nur entfernt vorstellbar war, schluft und murmelt sich Jeff Bridges quasi am anderen Ende der Skala durch ‚Crazy Heart‘. Mit dem gleichen Ergebnis: kein anderer ist vorstellbar als Bad Blake, der eigentlich Otis heißt, nie einen Gig verpaßt, egal, in welchem Kaff und in welchem Zustand. Bad sind auch seine Laster: er ist Alkoholiker, hat Übergewicht und raucht wie ein Schlot (nebenbei: allein, daß in dem Film geraucht wird und daß es nicht der klischeehafte Bösewicht ist, der das tut, gibt dem Film für mich von Anfang an einen Bonus), dafür ist er innerlich ausgebrannt, macht seine Tour durch New Mexiko, Texas und sonst welche Staaten, spielt in Spelunken, auf Bühnen in Bowlinghallen, ist abgebrannt, ausgebrannt, verbrannt. The Weary Kind. Und alt. Und überhaupt. Und auf der Suche nach Liebe.

Auftritt Maggie Gyllenhaal. Nach einer nicht mehr ganz so taufrischen Bowlinghallenkonzertbekanntschaft bringt sie frischen Wind in den Film und -auch mittels ihres 4jährigen Sohnes- ins Leben von Bad. Von da an wird Bad filmisch seziert, herrlich melancholisch auf der einen und mit Leck mich-Attitüde auf der anderen Seite dargestellt von Bridges, der mit einem schiefen Lächeln oder einem sanften Blinzeln mehr ausdrückt, als es die gesamten Spezialeffekte von Avatar vermochten. Und das ist gut so, zumal Crazy Heart sowieso diese Ablenkung von schlechten Schauspielern, einer miesen Story, nicht vorhandener Dialogqualität und überkandideltem Soundtrack sowas von nicht nötig hat, denn hier ist all das, was einen guten Film ausmacht, reichlich vorhanden; Bridges und Gyllenhaal passen einfach, obschon der Altersunterschied das zuerst anzweifeln läßt, dazu gesellt sich Colin Farrell als Tommy Sweet, der von Bad Blake gelernt hat, ihn als Freund und Mentor bezeichnet, aber das neue, junge Country verkörpert, erfolgreich ist und Bad durchaus ein Teil des Kuchens gönnt.

Der jedoch hat seit Jahren keinen neuen Song mehr geschrieben.

Das ändert sich dann doch. Wie, wird nicht verraten.

Die Story ist sicherlich nicht die originellste, aber sie ist gut und orientiert sich nicht am Klischee und die Dialoge sind vor allem eines: menschlich. Die Spezialeffekteabteilung wurde netterweise gar nicht erst eröffnet, einzig ein Stunt kommt vor und die Musik ist erhaben gut.

Alles wie immer viel zu gut, um hierzulande ein Erfolg zu werden.

Armes Deutschland.

Hier weiß man nämlich im Unterschied zum überflüssigsten Erfolgsfilm der letzten 15 Jahre nicht, wie es ausgeht und ja, die Rede ist von Titanic.

Okay, es gibt eine Ausrede, den Film nicht im Kino gesehen zu haben: die deutsche Synchronstimme von Jeff Bridges ist furchtbar. Viel zu deutlich sprechend, auf viel jünger machend und somit komplett neben dem Original. Nicht, daß ich das nicht von -zig Filmen und Serien gewohnt wäre, aber hier fällt es besonders negativ auf, denn Bridges‘ Ton macht auch die Musik, zumindest in der Originalfassung. Jeder, der den Film im Original geschaut hat, wird wissen, was ich meine: die ganze Verpenntheit und Schluffigkeit ist weg.

Aber das ist ein durchaus verschmerzbares Minus, für das ja der Film nichts kann.

Leider wurde der Termin für die deutsche DVD-Veröffentlichung auf den 31.10.2010 verschoben, aber da ich von der deutschen Synchro eh nichts halte und die englische Version sowohl als DVD als auch BR seit 3 Wochen erhältlich sind, kann sich wer mag die deutschen Mißtöne auch gleich sparen.

Obwohl immerhin die deutschen Untertitel gut sind, man kann ja nicht alles versenken 😉

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