INTERFACES-Projekt: Auf der Suche nach dem Paradies

Träume, Wünsche, Hoffnungen – jeder hat seinen Traum vom Paradies. Das RUHR2010-Projekt „Interfaces – Looking for Paradise“, das heute der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, bündelt die Jahresarbeit engagierter Jugendlicher zu einem Gesamtkunstwerk. Die Inhalte: Wie finden sich die heutigen Jugendlichen in den unterschiedlichen Ländern mit der heutigen Gesellschaft zurecht?

Es ist ein tiefenwirkender und nachhaltiger Prozeß mit spannenden Erkenntnissen – darin sind sich alle Beteiligten einig: Der Intendant der Duisburger Philharmoniker Dr. Alfred Wendel, die Tanzchoreographen Ulla Welticke und Claude de Souza, der Musiker Rodrigo Tobar als auch die TWINS-Beauftragte Kornelia Kerth-Jahn.

Angelehnt an Maurice Maeterlincks Theaterstück „Der blaue Vogel“ erzählt die 88 Minuten dauernde Aufführung von der Suche nach den richtigen Positionen in der Gesellschaft. Wobei die eigentlich Inhalte von den Jugendlichen selbst entwickelt wurden. Es zeigt sich im Laufe des Stücks, dass es durchaus nicht den geraden Weg gibt, Sackgassen und Irrwege sind unvermeidlich. Fragen und Zweifel werden aufgeworfen: Wie profiliere ich mich in dieser Welt? Welche Erwartungen hat die Gesellschaft an mich und kann ich diese erfüllen? Intensiv haben sich die Jugendlichen mit ihrer Stellung in der Gesellschaft beschäftigt und ihre ganz eigenen Antworten gefunden. Dabei ist anders als in „Rythm is it“ nicht nur der Tanz tragendes Element. Auf unterschiedliche Art und Weise verbinden sich auf der Suche nach dem Paradies Rezitation, Orchesterklänge, Chorgesänge.

„Interfaces“ ist auf zweierlei Art und Weise ein Kooperationsprojekt. Zum Einen: International. Jugendliche aus Finnland, Weißrußland und Chile sind am Projekt beteiligt. Zum Anderen: Überregional. Teilnehmer aus Mülheim, Bochum und Duisburg gestalteten das Projekt mit. So fördert es nicht nur die Zusammenarbeit von Jugendlichen aus unterschiedlichen Kulturen sondern stärkt auch die Kooperation im Ruhrgebiet. Und das, wie Musiker Rodrigo Tobar meint, durchaus nachhaltig im wahrsten Sinne des Wortes. Er ist fest davon überzeugt: „Dieses Projekt wird das ganze Leben der Jugendlichen und der Macher prägen.“

Einen kleinen klanglischen Vorgeschmack konnte man bei der Vorstellung des Projektes erleben, denn Jugendliche aus der chilenischen Kleinstadt La Ligua stellten zwei ihrer Stücke vor. Sie werden zusammen mit den Duisburger Philharmonikern auf der Bühne stehen. Ab Freitag wird zusammen mit allen Teilnehmern im Theater am Marientor geprobt – wobei Lisa Unterberg, Konzertpädagogin bei den Philharmonikern, das Projekt begleiten wird. Unter anderem, so Intendant Dr. Alfred Wendel, werde ein Auszug aus dem ersten Satz des Violin-Konzertes Korngolds zu hören sein. Das bedeute: Das gesamte Orchester wird seinen Platz auf der Bühne finden müssen – was mit Sicherheit funktionieren wird obwohl die Bühnes des Theater am Marientor keine Riesenausmaße hat.

Ulla Welticke und Claude de Souza erklärten wie die Jugendlichen die vorgebenen Choreographien einübten – ein Videoteam filmte die Schritte und Bewegungsabläufe der beiden. Ungewöhnlich für Claude de Souza war es nicht mit ausgebildeten Tänzern zu arbeiten. Der Star-Choreograph entwarf unter anderem Choreographien für  Tina Turner oder arbeitet mit Sarah Connor zusammen; entwickelte einen eigenen Stil im Bereich des Modern Jazz. Die Erfahrungen, die beide Choreographen machten waren, dass es mitunter schwierig war die Jugendlichen bei der Stange zu halten. „Fehlte man einmal, dann war bei der nächsten Probe nur noch die Hälfte da,“ so de Souza. Aber, das betonte Ulla Welticke ausdrücklich: „Wenn man zeigt, dass man an die Jugendlichen glaubt, dann sind diese zu enormen Leistungen fähig.“

Am 08. und 09. Juli wird „Interfaces – Looking for Paradise“ im Theater am Marientor zu sehen sein. Früher kommen lohnt sich, denn ab 18:00 gibt es ein Rahmenprogramm in dem einzelne Teilnehmer des Projekts ihr Können demonstrieren. Erwachsene halten bitte 12,- € für die Karte bereit, Schüler 6,- €, für Gruppen beträgt der Eintritt 5 €.

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