Presse, Photo und Urheberrechte: Gauck-Photo-Entfernung geboten?

Er soll der Liebling der Netzgemeinde sein: Der deutsche evangelische Pastor und Bürgerrechtler Joachim Gauck. Doch die wohlwollende Meinung der Netzgemeinde könnte sich ins Gegenteil verwandeln wenn man nicht auf einen gewissen Passus auf Gaucks Webseite achtet.

Mancher Blogger und mancher Betreiber einer Webseite hat über das Für und Wider zwischen Wulff und Gauck berichtet. Und dabei sicherlich gerne das Angebot der Webseite von Joachim Gauck angenommen sich ein Pressephoto herunterzuladen. Schöner Service. Natürlich könnte man auch  – wie es hier im Artikel verwendet wird – ein Photo aus der Wikipedia genommen werden. Das steht nämlich unter einer GNU-Lizenz. Nur: Diese Lizenzmodelle bei Photos haben auch desöfteren so ihre Tücken und wer kennt sich da auch schon richtig mit aus als Otto Normalblogger. Ebend. Zudem ist das Photo von der Webseite auch aktueller und schöner. Je nachdem wie man das im Auge so liegen hat.

Allerdings sollte man spätestens jetzt sich Gedanken darüber machen, welches Bild von der Webseite von Joachim Gauck man denn für seinen Bericht verwendet hat. Zwar steht es dick und fett drunter – aber mancher könnte den Hinweis auch übersehen haben: EIN bestimmtes Photo von Joachim Gauck ist nur bis zum 30.06. kostenlos für die Berichterstattung verwendbar. Drei andere Bilder von ihm können auch nach dem Termin kostenfrei benutzt werden, diese werden auch extra nochmal hervorgehoben. Natürlich wird an dieser Stelle weder auf das betreffende Bild verlinkt noch dieses hier eingebettet – schließlich möchte die Redaktion nicht schon wieder ein Paris-Wagenknecht-Photo-Drama erleben.

Trotz der übersichtlichen Darstellungsweise – fettdruck, Rahmen, Hinweis auf freie Bilder – stehen natürlich einige Fragen im Raum. Was liegt da näher als direkt die Macher der Webseite zu bitten diese zu beantworten, schnell und freundlich kam dann die Antwort von Pressesprecher Andreas Schulze. Hier das Frage- und Antwortspiel zusammengefasst:

XN: Muss ich das Bild nach dem 30.06. von meiner Webseite entfernen? Welche Konsequenzen würden erfolgen, wenn ich versehentlich vergessen würde das Bild von meiner Webseite zu löschen?

Schulze: Das Pressefoto ist durch die Agentur „teutopress“ urheberrechtlich geschützt. Die Nutzungsrechte für eine redaktionelle Berichterstattung wurden bis zum 30.06.2010 – wie in den Nutzungsbedingungen stehend – eingekauft. Um urheberrechtliche Verletzungen zu entgehen, müssen Sie sich mit der Agentur in Verbindung setzen, wenn Sie das Pressefoto nach dem 30. Juni 2010 nutzen möchten.
Darüber hinaus stehen Ihnen jedoch drei Porträts von Joachim Gauck zur freien, unbegrenzten, kostenlosen Nutzung zur Verfügung.

XN: Ist dieses Verhalten nicht konträr zu dem, wofür Herr Gauck steht – nämlich Freiheit und Verantwortung? Und wäre in diesem Fall nicht die Nutzung einer Creative-Commons-Licence angebrachter?

Schulze: Die Freiheit des Einzelnen und die Verantwortung des Einzelnen für unser Gemeinwesen, gehört zu den Kernbotschaften von Herrn Gauck.  Bei Ihrer Frage nach den Nutzungsrechten für Fotos geht es allerdings präzise um jenes Missverständnis, welches sich um den Begriff Freiheit gelegentlich rankt. Herr Gauck spricht genau nicht von einer Freiheit, bei der jeder tun kann was er mag. Gauck spricht von der Freiheit als Verantwortung. Dass Fotos urheberrechtlich geschützt sind, ist nun wahrlich nicht ungewöhnlich. Und die Verletzung des Urheberrechtes hat nichts zu tun mit dem Freiheitsbegriff als Verpflichtung zur Verantwortung, wie ich Herr Gauck seit vielen Jahren vertritt.

Wenn die dritte Frage auch etwas naiv klingen mag, sie ist es keinesfalls – denn schließlich hätte Joachim Gauck von Anfang an auf die Bereitstellung des erwähnten Bildes verzichten können. Da wäre er so frei gewesen. Letzten Endes ist natürlich jeder für sich selbst verantwortlich und der Himmel bewahre einen davor wenn man Freiheit als „jeder kann das tun was er möchte“ definiert. Da wären wir ja letzten Endes bei Aleister Crowley gelandet. Nein, natürlich nicht – Freiheit und Verantwortung muss man natürlich total anders definieren.

Der Ratschlag des Apostel Paulus scheint hier dann doch angebracht: Prüfet alles und das Gute behaltet. In diesem Fall also: Nachschauen, welches Bild man verwendet hat und dieses schlechte gegebenenfalls gegen ein gutes austauschen – denn die Nutzungsrechte fallen an die Firma Teutopress zurück. Dass man sich dann nicht aus der Bildergalerie bedient sollte dann selbstverständlich sein, aber erwähnen sollte man das nochmals. Nicht, dass man demnächst dann schlucken muss wenn man die Post öffnet..

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