“Dümmer geworden durch Thilo Sarrazin” – Sigmar Gabriel greift scharf an

Berlin – Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel hat Berlins ehemaligen Finanzsenator Thilo Sarrazin scharf angegriffen. Im Durchschnitt ist der Bundesbankvorstand dümmer geworden dadurch, dass er da Mitglied geworden ist", sagte Gabriel gestern bei einem Landesparteitag in Berlin, ein scharfer Konter wegen Sarrazins umstrittenen Äußerungen über Zuwanderer.

Sarrazin, der SPD-Mitglied ist, hatte in der Vergangenheit wiederholt mit Äußerungen über Migranten und die Verdummung der Bevölkerung in Deutschland für Kritík – vor allem in seiner Partei – gesorgt. Bei einem Vortrag am 10. Juni in Darmstadt hatte Sarrazin gesagt, er sehe Deutschland wegen angeblich geringerer Bildung der Zuwanderer in Gefahr. "Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer", sagte Sarrazin. Zuwanderer "aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika" wiesen weniger Bildung auf als Migranten aus anderen Ländern.

Dem Berliner „Tagesspiegel“ sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel: „Mein Eindruck ist: Wenn es so weitergeht, dann nimmt durch die Teilnahme von Herrn Sarrazin auch die durchschnittliche Verdummung des Bundesbank-Vorstands zu.“ Er hoffe, „dass der Bundesbank-Präsident Herrn Sarrazin endlich genug zu tun gibt, damit er sich nicht ständig mit Dingen beschäftigt, von denen er offensichtlich keine Ahnung hat“.

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Auf dem Landesparteitag forderte der ehemalige Spandauer Kreisvorsitzende Hans-Georg Lorenz erneut den Ausschluss Sarrazins aus der Partei. Ansonsten gewinne man mit der Integrationspolitik keine Stimmen. Es gehe auch um Glaubwürdigkeit, sagte Lorenz. Ein unter anderem vom Spandauer Kreisverband angestrengtes Parteiausschlussverfahren gegen den umstrittenen Politiker war gescheitert.

In der Berliner SPD gibt es noch kein neues Ausschluss- oder Ordnungsverfahren gegen Sarrazin. Laut SPD-Sprecherin Daniela Augenstein empfiehlt Landeschef Michael Müller dem früheren Finanzsenator die Suche nach einer neuen politischen Heimat. Sarrazins Äußerungen hätten nichts mehr mit den Werten und Überzeugungen der SPD zu tun.

Sigmar Gabriel verteidigte ausdrücklich die Positionen des Neuköllner Bürgermeisters Heinz Buschkowsky. Durch Politiker wie ihn schaffe es die SPD sich breit aufzustellen. Kritik, die an Buschkowsky intern immer wieder auftauche, könne er nicht nachvollziehen.

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One thought on ““Dümmer geworden durch Thilo Sarrazin” – Sigmar Gabriel greift scharf an

  1. „Er hoffe, „dass der Bundesbank-Präsident Herrn Sarrazin endlich genug zu tun gibt,“
    wird der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel zitiert.

    Bravo, Herr Gabriel! Es gibt doch noch anständige Politiker in Deutschland!
    Das hätte ich, ehrlich gesagt, gar nicht von Ihnen erwartet, dass Sie sich dafür einsetzen, Thilo Sarrazin den ihm nach dem Lettre International-Interview im Herbst vorigen Jahres entzogenen Kompetenzbereich zurückzugeben!

    Ja, und was die Sache mit
    „mit Dingen beschäftigt, von denen er offensichtlich keine Ahnung hat“
    angeht, sind Sie doch sicher in der Lage, uns eine rationale, statistisch fundierte, Widerlegung der Behauptungen im Sarrazin-Buch (soweit sie bislang durch Vorabdrucke in Bild und Spiegel bekannt wurden) zu liefern, gelle?

    Denn mit Bedauern habe ich bisher eine gewisse Asymmetrie in der Debatte konstatieren müssen:
    – Auf der einen Seite ein cooler Managertyp, der mit massenhaft Fakten unterlegte Meinungsäußerungen bringt,
    – Auf der anderen Seite ein geballter Haufen von Polit-Profis, die äußerst flüssig ihre festgepressten verbalen Ausscheidungen absondern.

    Offenbar mangels rationaler Argumente rotten sie sich jetzt zu einer unheiligen Allianz gegen die Meinungsfreiheit zusammen:
    Linksfaschistoide grüne Kosovo-Krieger, pseudopatriotische schwarze Kuttenträger der Kapitalinteressen und die blaugelbe 5. Kolonne von Hotelkonzernen und Pharmafia wollen ein Berufsverbot gegen Sarrazin erwirken, d. h. ihn in der Bundesbank absägen.

    Da ist die SPD [ausnahmsweise nicht ironisch gemeint!] wirklich Gold dagegen! Dass die SPD-Politiker Sarrazin aus der Partei vergraulen wollen, kann ich vom Standpunkt der Parteiräson durchaus nachvollziehen. Wenngleich ich hoffe, dass sich der Thilo von denen nicht vergraulen lässt, ist das immerhin ein legitimer politischer Standpunkt. Dass sie ihm den Job wegnehmen wollen, habe ich bisher noch nirgends gelesen.

    Jemanden rauszuwerfen, weil man ihn rational nicht widerlegen kann, ist dagegen ausgesprochen übel. Insbesondere die Grünen zeigen, wie verkommen diese Partei mittlerweile ist!

    Die unterste Schublade ist damit allerdings noch keineswegs erreicht: in der suhlt sich Arno Widman in der heutigen Frankfurter Rundschau („Der Fall Sarrazin“ – http://www.fr-online.de/kultur/literatur/der-fall-sarrazin/-/1472266/4595198/-/index.html).
    Widman weiß, wie man die Feinde des Humanismus therapieren muss: nämlich so, wie man Abweichler von der korrekten politischen Linie in der einzig wahren humanistischen Gesellschaftsordnung (welche dann leider dem Ansturm des kapitalistischen Bösen erlegen ist) geheilt hat:
    Der Mann ist von einem „Wahn“ besessen; folglich „Sarrazin ist ein Fall nicht nur für die Justiz“.
    Also ab mit ihm – in die laizistischen Exorzismus-Anstalten der einzigen wahren Menschenfreunde!
    Mit Polit-Psychiatrie haben die Linksradikalen eine jahrzehntelange Erfahrung. Solche wertvollen Traditionen darf man nicht einfach über Bord werfen; die muss pflegen, wer ein rechtschaffener Linkskonservativer werden will!

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