Eigentumsfragen – oder: Es muss nicht immer Karstadt sein

ladendiebstahl

 

Bertolt Brecht ließ einen Protagonisten in der Dreigroschenoper fragen: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Ja, was weiß ich?! „Gegen die Gründung einer Bank“ – was soll das denn heißen? So ein Banküberfall ist schon ganz für sich allein genommen der totale Stress. Sprich: nichts für meine Nerven.

Der Meister sagt es an anderer Stelle selbst: "Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten.“ Dachte ich es mir doch. Aber das Zitat geht noch weiter, und da haben wir es wieder: "Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank."
Gründung einer Bank, Gründung einer Bank … – ich weiß nicht. Ja, muss denn so etwas sein? Ich meine: könnte man nicht einfach mal eine kaufen? Eine Bank. Wenn ich zum Beispiel letztens einfach mal die Commerzbank erworben hätte. Oder sagen wir: die HRE.
Ja okay, das wäre echt auch nichts gewesen. Hätte man sich ja gleich denken können: eine Bank … überfallen oder gründen – welch blöde Alternative! Verstaatlichen, das ist es. Um das einfach nur einmal gesagt zu haben. Nur: was habe ich damit zu tun?

Außerdem kann man Geld nicht essen. Geld, wenn ich das schon höre! Erinnern wir uns doch einfach an die Prophezeiung des Stammes der Cree, wie wir sie von Deutschlands schönsten Autoaufklebern her kennen:
“Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann."
Und antworten wir darauf mit der uns eigenen zivilisatorischen Weisheit: „Erst wenn der letzte Groschen gefallen, der letzte Lappen verjubelt und die letzte Bank pleite gegangen ist, werdet Ihr feststellen, dass man mit Bäumen nicht bezahlen kann!“

Überhaupt: diese ganze Bezahlerei. Die passt mir schon einmal überhaupt nicht. Für meinen Geschmack hat die so etwas total Kapitalistisches an sich. Das nervt mitunter ganz schön, und zwar nicht nur mich, sondern auch noch eine ganze Menge andere Leute.
Und die fragen sich natürlich, was dieser ganze Geldquatsch eigentlich soll. Und immer mehr Menschen emanzipieren sich von dieser kapitalistischen Warenform und sagen sich: „Nicht mit mir!“ Oder auf Neudeutsch: „Just do it!“ Alle wollen sie immer nur an mein Bestes, an mein Geld – so kann es nicht weitergehen!
Und so trug es sich zu, dass der Einzelhandel wachsende Einbußen durch Ladendiebe beklagt. Da muss man – sozusagen andererseits – den Einzelhandel irgendwie auch verstehen; denn er ist, wie er ist. Oder sagen wir mal: was er ist.
Nämlich Handel, und dem geht es im Grunde eigentlich immer nur um das Eine. Man muss schon fast sagen, dass dies bei ihm so eine Art Charakterzug ist. Beim Handel, also auch beim Einzelhandel. Geld, Geld, Geld. Armselig!

Aber: es ist, wie es ist. Wenn man Handel ist, kann man gar nicht anders. Und so als, sagen wir mal: kleiner Einzelhändler schon überhaupt nicht. Würde man sich jetzt also zum Beispiel überlegen, mit seinem blöden Geld, das man – wie bereits dargelegt – nicht essen kann, nicht etwa eine Bank zu kaufen, sondern – nur mal so als Beispiel – so einen Schuppen wie Karstadt, dann käme man praktisch gar nicht umhin, sich zu vergegenwärtigen, was man heutzutage jenseits aller Räuberpistolen über Banküberfälle sonst noch so lesen muss:

Meist lassen die Ladendiebe still und heimlich kleine, aber teure Waren wie Rasierklingen, Spirituosen, Kosmetik und Tabakwaren mitgehen. "Jährlich bleiben rund 30 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt", sagt Ute Holtmann vom Handelsforschungsinstitut EHI Retail Institute.
Laut polizeilicher Kriminalstatistik ist die Zahl der Ladendiebstähle zwar seit Jahren rückläufig. Da aber häufig erst bei der Inventur auffällt, dass Waren fehlen, kommen viele Diebstähle nicht zur Anzeige. Nach Einschätzung des EHI Retail Institute sind die Inventurdifferenzen unverändert hoch. 2009 betrugen sie 3,9 Milliarden Euro – trotz stetig steigender Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen. Im vergangenen Jahr investierte der deutsche Einzelhandel rund 1,2 Milliarden Euro, um Langfinger auszubremsen. Die Verluste durch Diebstähle wären noch viel höher, wenn die Unternehmen nicht so viel Geld für Prävention ausgeben würden, glaubt Linda Heintz vom Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC). "Durch die Krise hat sich die Bereitschaft für Diebstähle erhöht", sagt sie.

Ja, die Krise, die Krise. Die sowieso. Die kann einem mitunter ganz schön Kopfzerbrechen bereiten. Was tun? Schnell kommt man auf „Sicherungssysteme, Videoüberwachung und Kaufhausdetektive“, die die Verluste begrenzen sollen. Oder man setzt zur Prävention auf elektronische Artikelsicherungssysteme, die Alarm schlagen, wenn der Kunde mit unbezahlter Ware das Geschäft verlässt. Oder noch besser: auf eine optimale Videoüberwachung.
In der Zeitung habe ich ein Foto gesehen, das so eine Überwachungszentrale in einem großen Karstadt-Haus zeigt. Geil: eine große Wand mit ganz vielen Bildschirmen. Macht schon irgendwie Spaß!
Da könnte man schon Lust darauf bekommen, sagen wir mal: Karstadt zu kaufen. Immerhin besser als so eine blöde Bank mit ihrem blöden Geld. Goldman Sachs zum Beispiel. Ja, das ist eine Bank. Und was die für ein Geld hat! Und natürlich nicht nur blödes Geld, auch Häuser und so. Auf der „Highstreet“, glaube ich jedenfalls.
Und in denen sind immer auch einmal diese Karstadt-Filialen drin. Sie wissen schon: das ist da, wo man Rasierklingen, Spirituosen, Kosmetik und Tabakwaren mitgehen lassen kann. Und die will nun der Herr Nicolas Berggruen kaufen. Die Filialen, nicht die Lippenstifte! Praktischerweise hat der natürlich auch Geld wie Heu.

Jedenfalls: während ich so gerade darüber nachdenke, was ich denn mal klaufen könnte, geht das da draußen zwischen Highstreet und Berggruen hin und her. Echt was los! Zwischendurch macht Tante Ursula mal die Tür auf, erzählt etwas, was auch wieder nicht so ganz genau stimmt.
Näh Leute, lasst mal! Das ist mir auch alles viel zu viel Stress. So ein Kaufrausch. Wenn man es wirklich haben will. 3-2-1-meins. Wenn Dich so richtig die Gier packt! – Ziemlich blöde, genau genommen.
Kann natürlich jedem mal passieren. Es muss ja nicht immer Karstadt sein; manchmal reicht auch eine richtig leckere Creme. Guckst Du:

Den Ladendieb hatte die Gier gepackt. Insgesamt 75 Flaschen Bodylotion stopfte er sich in einem Einkaufszentrum im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts in die Hose. Die Wachleute hatten keine Schwierigkeiten, den Mann zu überwältigen. Er konnte mit seiner Beute kaum noch laufen.

Comments are closed.