Christian Wulff in Fundamentalismus-Verdacht: Erzchristlicher Katholik in evangelikalen Kreisen engagiert

Wulff

Berlin – Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der Kandidat von CDU / CSU und FDP für die Wahl des Bundespräsidenten am 30. Juni, gerät wegen seines Engagements für christlich-evangelikale Kreise in Erklärungsnot. Dies melden übereinstimmend der Berliner „Tagesspiegel“ und die Hamburger „Zeit“. Wulff sei „erzchristlich“ bzw. ein „Katholik, der mit Evangelikalen kungelt“.

Seit 2005 sitzt Wulff im Kuratorium von Pro Christ, einer theologisch erzkonservativen Bewegung, deren Ziel die „Bekehrung von Menschen zum Glauben an Jesus Christus“ ist. Pro Christ propagiert ein rigides Familienbild. Was nicht ins Bild passt wie etwa Scheidung, Abtreibung, Homosexualität, wird diffamiert. Christian Wulff ist geschieden.

Auf der Internetseite von Pro Christ finden sich Äußerungen, die den Eindruck erwecken, man unterstütze die Ideologie der Kreationisten. „Die Frage, ob sich Wulff von Pro Christ zurückzieht, stellt sich im Moment nicht“, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei. Falls Wulff zum Bundespräsidenten gewählt würde, kämen aber alle Mitgliedschaften auf den Prüfstand.

Für noch bedenklicher halten Kritiker Wulffs Engagement beim „Arbeitskreis Christlicher Publizisten“ (ACP). 2004 hatte er dem Verein ein Grußwort geschickt, im Mai dieses Jahres hielt er dort den Vortrag „Politik aus christlichem Geist in der modernen Welt“. Der Gruppierung mit Sitz in der Nähe von Kassel werden extrem rechte Sichtweisen vorgeworfen. Die Zentralstelle für Weltanschauungsfragen der evangelischen Kirche rät zur Distanz: Der Name ACP sei irreführend, seriöse Publizisten seien dort nicht vertreten.

Hans-Jörg Hemminger, Sektenbeauftragter der evangelischen Landeskirche Württemberg, bezeichnete den 1972 gegründeten ACP als „Splittergruppe am äußersten rechten Rand des Protestantismus“. Sie unterhalte Kontakt mit rechten Sekten und biete ultrarechten bis rechtsextremen Parteien ein Forum. Die Zeitschrift des ACP sei ein „Schmutzblatt erster Güte“. „Mit dem ACP sollten seriöse Politiker nichts zu tun haben“, sagte Hemminger. Dass Wulff dort auftritt, sei „politisch bedenklich“.

Wulffs Engagement für den ACP ist kein Versehen. Wulff sei die weltanschauliche Ausrichtung des ACP bekannt gewesen, sagte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) in einer Landtagsdebatte. Auch Ernst Albrecht, Wulffs Vorgänger im Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten, suchte die Nähe rechtskonservativer Kreise. Bei der ACP-Tagung im Mai wurde Albrecht geehrt, wie früher dort auch schon Hans Filbinger und Theodor Oberländer.

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