Karstadt: Berichte über Annäherung zwischen Berggruen und Highstreet

 Nicolas-Berggruen

Frankfurt / London – In den Verhandlungen um die Miethöhe für die Warenhauskette Karstadt kommen sich die beiden Seiten näher. In der Nacht zum Donnerstag tagten Vertreter des Vermieterkonsortiums Highstreet und des neuen Eigentümers Nicolas Berggruen zum zweiten Mal stundenlang in London. Ein Ergebnis gab es jedoch noch nicht. Verhandlungskreisen zufolge steuert jedoch der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen auf eine Einigung mit den Eigentümern der Warenhäuser zu. Auch Arbeitsministerin von der Leyen schaltet sich in die Verhandlungen mit ein.

Ein Ergebnis gab es nach Angaben von „Welt Online“ jedoch noch nicht. Über die Frage, wie weit beide Seiten noch auseinander sind, gibt es unterschiedliche Darstellungen. In einer Quelle heißt es: „Wir sind fast durch“. Im Umkreis anderer Teilnehmer ist lediglich von „konstruktiven Gesprächen“, die Rede, die „zeitnah“ fortgesetzt werden sollten.

Die Bedingungen seien in Grundzügen ausgehandelt, sagte eine mit den Gespräche vertraute Person am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Es sieht aus, als könne man sich einigen", sagte ein anderer Insider. Möglicherweise seien die Verträge schon am Freitag unterschriftsreif. Berggruen und das Vermieter-Konsortium Highstreet hatten seit Mittwoch in London unter Vermittlung von Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg verhandelt. Highstreet gehören 86 der 120 Häuser.

Im Gegensatz zum Treffen zuvor war Nicolas Berggruen persönlich an den Verhandlungen beteiligt. Auch Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und sein enger Mitarbeiter Hans-Gerd Jauch waren anwesend. Inzwischen hat sich auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eingeschaltet. In Unternehmenskreisen ist zu hören, dass sie mit Vertretern beider Seiten gesprochen und an diese appelliert habe, die 25.000 Karstadt-Jobs nicht zu gefährden. Am heutigen Freitag will sie sich zusammen mit der Betriebsratsvorsitzenden der Berliner Karstadt-Filialen, Monika Roloff, und der stellvertretenden Vorsitzenden der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, Margret Mönig-Raane, „über den Stand der Verhandlungen um die Zukunft der Warenhauskette“ informieren.

Bei der Höhe der Mieten seien beide Kontrahenten aufeinander zugegangen, es habe einen echten Kompromiss gegeben, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Highstreet war Berggruen schon zweimal entgegengekommen. Um von möglichen Gewinnen von Karstadt profitieren zu können, soll Highstreet auch selbst in das Unternehmen investieren. Der General-Mietvertrag für die Häuser solle im Grundsatz unangetastet bleiben, hieß es in den Kreisen. Darauf hatten die Vermieter gepocht. Berggruen hatte eine Öffnung gefordert, um für die Luxus-Warenhäuser KaDeWe und Alsterhaus in Berlin und Hamburg sowie für Karstadt Sport auch Partner mit ins Boot nehmen zu können.

Die Zeit drängt: Am 16. Juli will das Essener Amtsgericht den Insolvenzplan absegnen. Und dafür ist es notwendig, dass der Anfang Juni geschlossene Kaufvertrag in Kraft tritt. Das ist aber nur der Fall, wenn es eine Einigung über die Mieten gibt. Andernfalls droht schlimmstenfalls die Zerschlagung der Kette mit 120 Häusern und 25.000 Mitarbeitern.

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