Pardon, Monsieur Anelka!

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Nicolas Anelka (links), Raymond Domenech

 

Pardon, Monsieur Anelka!

Bitte haben Sie die Güte, mir den schweren Fehler zu verzeihen, der mir heute Mittag in dem Brief an Sie unterlaufen ist! Ich habe mich dazu hinreißen lassen, Ihnen – unter grober Vernachlässigung meiner Recherchepflicht – einen völlig haltlosen, ja geradezu absurden Vorwurf zu machen.

Es ist passiert, und mir tut dieser Patzer unsäglich leid. Begreifen Sie bitte hier dieses zweite Schreiben, das ebenfalls einer großen Leserschar in Deutschland zugänglich ist, als einen kleinen, wenn auch verzweifelten Versuch einer Wiedergutmachung.
Es wird mir kaum gelingen können, den Ihnen entstandenen Rufschaden vollumfänglich zu beseitigen. Umso mehr setze ich auf Ihre Gnade, wenn ich Sie hiermit um Vergebung bitte.
Als mildernden Umstand, verehrter Monsieur Anelka, darf ich anführen, dass ich nicht nur Täter, sondern selbst auch ein Opfer bin. Ich bin der – in Deutschland für Rufmordkampagnen nur allzu berüchtigten – Bildzeitung auf den Leim gegangen und ebenso leichtfertig wie irrtümlich davon ausgegangen, dass bei diesem Boulevardblatt nicht nur das Datum stimmt, sondern dass darüber hinaus zumindest auch noch historische, in der – von mir geliebten, wenngleich nicht beherrschten – französischen Sprache vorgetragene Sätze richtig übersetzt werden.
Welch naiver, doch umso folgenschwerer Fehler! Dass er ausgerechnet mir unterläuft, einem sowieso schon mal und insbesondere der Bildzeitung gegenüber besonders kritischen Kolumnisten – bitte glauben Sie mir, Monsieur Anelka! – ärgert mich selbst am meisten!

Sie hatten Ihrem Trainer, Herrn Raymond Domenech, in dem umstrittenen Pausengespräch empfohlen: „Va te faire enculer, sale fils de pute!“ So weit sind Sie auch von dem deutschen Massenblatt – offenbar zutreffend – korrekt zitiert worden. Mit einem scheinbar kleinen Übersetzungsfehler erhielt alsdann diese im Grunde völlig harmlose Plauderei ihre ehrabschneidende Dimension.
Mit „Fick dich in den Arsch, du Hurensohn!“ haben Typen von der Bildzeitung Ihre freundschaftlichen Worte an den Trainer übersetzt, und ich Trottel habe ungeprüft diese Heimtücke für bare Münze genommen. Und zu allem Überfluss bin ich auch noch so weit gegangen, Sie deshalb als „Trottel“ zu bezeichnen.
Verzeihen Sie mir bitte, lieber Nicolas Anelka! Es ist mir, wenn ich das so sagen darf: so rausgerutscht. Denn natürlich ist es absolut unmöglich, sich selbst in den Arsch zu ficken. So etwas Idiotisches! Aber klar, das hatten Sie ja auch gar nicht gesagt. Vielmehr hatten Sie dem Trainer vorgeschlagen, und so lautet – wie ich erst jetzt erfahren habe – die korrekte Übersetzung: „Lass Dich in den Arsch ficken, Du dreckiger Sohn einer Hure!“

Das kann man selbstverständlich machen (lassen); dagegen ist freilich nicht das Geringste einzuwenden. Im Gegenteil. Immer wieder wird in Studien nachgewiesen, dass Aggressivität, depressive Verstimmungen und allgemeine Frustration in engem Zusammenhang mit einem Mangel an sexueller Aktivität stehen können.
Dass Sie – sozusagen im Umkehrschluss – daraus eine Empfehlung für sofortigen Sex bei psychischer Verstimmung ableiten, ist vielleicht etwas gewagt, aber in der Sache durchaus nachvollziehbar.
Dass Monsieur Domenech Sie nach diesem klugen Ratschlag unverzüglich von dieser dösigen Rennerei freigestellt hat, kommt mir irgendwie ebenfalls folgerichtig vor. Was ich nur nicht verstehe, lieber Anelka, ist, warum Ihr Staatspräsident Ihren an und für sich so klugen Tipp als „inakzeptabel“ eingestuft hat. Da Monsieur Sarkozy der französischen Sprache mächtig ist, scheidet der von mir auf Basis der Fehlübersetzung befürchtete Irrweg für Millionen präpubertierender männlicher Franzosen als Motiv für diese präsidiale Zurechtweisung aus.
Was mag bloß Monsieur Sarkozy bewogen haben, Ihren freundschaftlichen Tipp und mithin auch Ihre Person vor aller Weltöffentlichkeit so zu denunzieren? Ich weiß es nicht, und es fällt mir auch schwer, darüber zu spekulieren, da in Deutschland Majestätsbeleidigung unter Strafandrohung steht.
„Wer ein ausländisches Staatsoberhaupt … beleidigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren … bestraft“ heißt es in § 103 StGB, und Ihr Präsident soll – wie man hört – dazu neigen, recht schnell beleidigt zu sein. Egal, interessiert mich nicht. Um ehrlich zu sein, interessiert mich Monsieur Sarkozy überhaupt nicht. Allerdings interessiert mich umso mehr, warum Sarkozy Ihren Vorschlag, sich in den Arsch ficken zu lassen, als „inakzeptabel“ eingestuft hat.

Im „Tagesspiegel“ einer seriösen deutschen Tageszeitung war zu lesen: "Das ist eine Strukturkrise, die die Welt zutiefst verändern wird", sagt Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Und allerorten ist zu lesen, in seiner Ehe sei irgendwie der Wurm drin. Und jetzt mischt er sich in Ihr Verhältnis zu Domenech ein.
Komisch alles, sehr komisch. Ich blicke da nicht durch, vielleicht stecken Sie da ja etwas mehr drin, Anelka. Mir ist also dieser Sarkozy völlig egal, genauso wie der Domenech. Da können Sie ganz unbesorgt sein! Mir geht es nur um eins, besser gesagt: um eine. Ich will Carla Bruni !

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