Stephan Kramer über den Antisemitismus der linken Israelkritiker

Kramer

In der Berliner „Tageszeitung“ hat heute eine Debattenreihe zum deutsch-israelischen Verhältnis und der deutschen Haltung im Nahostkonflikt begonnen. Sie hat den Titel „Unser Israel“; den Auftakt macht Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden (ZdR) in Deutschland. Sein Beitrag „Feiger Hass“ beschäftigt sich mit linke Israelkritikern, die ihren blanken Antisemitismus tarnen. Kramer schreibt:

„Es gibt in der deutschen Öffentlichkeit eine besondere Sorte von Menschen, die von einem dunklen, nicht offen eingestandenen Motiv gelenkt werden: Judenhass. Man kann diese Menschen zum Beispiel in Teilen der antizionistisch geprägten extremen Linken und propalästinensischen Unterstützergruppen finden. Auch einzelne Mitglieder der Linkspartei gehören dazu. Im Gegensatz zum unverblümten Antisemitismus von Rechtextremisten und Neonazis pochen diese selbst ernannten Kämpfer für Menschenrechte auf ihr "legitimes" Recht, Israel zu kritisieren, und tarnen ihren Antisemitismus, indem sie sich als Kämpfer für Fortschritt und Gerechtigkeit gerieren.
Selbstverständlich sind ihnen Juden lieb und teuer – vor allem diejenigen, die im Rahmen der nationalsozialistischen "Endlösung der Judenfrage" ermordet wurden. Da ihr Hass sich dennoch entladen muss, suchen sich unsere pseudoaufgeklärten Feinde ein ihrer Meinung nach legitimes Objekt aus: den Staat Israel, den sie dann so behandeln, wie "klassische" Antisemiten Juden zu behandeln pflegen. Der Judenstaat wird ausgesondert, delegitimiert und mit geradezu satanischen Attributen ausgestattet.

Im Folgenden geht Kramer ausführlich auf die Erstürmung des Schiffs der "Gaza-Hilfsaktion" und auf dessen Echo in Teilen der deutschen Linken ein. Er schließt seinen Text folgendermaßen:

Glaubt man dem Medienbild, so ist Israel allein verantwortlich für die Perspektivlosigkeit und die Armut in der palästinensischen Bevölkerung. Wo sind aber die zig Milliarden von Dollar und Euro geblieben, die als Unterstützung und zum Aufbau von sozialen und wirtschaftlichen Strukturen aus Europa, Amerika und einigen arabischen Staaten ins Westjordanland und den Gazastreifen gingen?
Wer Moral und Völkerrecht selektiv gegen Juden einsetzt, reißt sich selbst die Maske vom Gesicht. Besonders widerwärtig ist es, wenn die Heuchler auch noch argumentieren, dass nach dem Holocaust gerade die Juden mehr Verständnis für die Rechte der Palästinenser haben müssten. Hier wird nicht nur Unvergleichbares über einen Kamm geschoren, sondern die wirkliche Lehre aus der nationalsozialistischen "Endlösung" mit Füßen getreten: "Nie wieder!" Und dazu gehört, dass Juden, auch solche, deren Heimat Israel ist, nie wieder wehrlos sind.

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