Grünen-Chefin Claudia Roth: "Brandstifter" Sarrazin für Bundesbank und SPD untragbar

Roth

Leipzig (ots) – Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth hat nach den erneuten provokanten Äußerungen des Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin die Bundesbank und die SPD zum Handeln aufgefordert. "Ich frage mich, wie lange die Bundesbank einen solchen Brandstifter und Rechtspopulisten noch an ihrer Spitze dulden will. Auch die SPD muss sich fragen lassen, ob und wie lange sie Thilo Sarrazin noch in den eigenen Reihen akzeptiert", sagte Roth der "Leipziger Volkszeitung" (Sonnabend-Ausgabe). "Mit seinen unsäglichen rassistischen Äußerungen hat Thilo Sarrazin einen neuen Tiefpunkt erreicht. Für die Bundesbank als eine der wichtigsten öffentlichen Institutionen in diesem Land ist ein Führungsmitglied mit dieser Geisteshaltung untragbar."

Sarrazin hatte bei einem Vortrag am Donnerstag in Darmstadt gesagt, er sehe Deutschland wegen angeblich geringerer Bildung der Zuwanderer in Gefahr. "Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer", sagte Sarrazin. Zuwanderer "aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika" wiesen weniger Bildung auf als Migranten aus anderen Ländern.

5 thoughts on “Grünen-Chefin Claudia Roth: "Brandstifter" Sarrazin für Bundesbank und SPD untragbar

  1. Ach du Herrje, wieder mal unsere Betroffenheitsbeauftragte der Grünen “Hier in Kreuzberg fühle ich mich wohler als zuhause in Bayern!”. Scheint ja was dran zu sein, zumindest färbt es ab…

  2. Frau Roth spielt in dieser Debatte immer dieselbe Platte. Die vorliegende Meldung ist zwar schon älter, aber als Beitrag zur aktuellen Sarrazin-Diskussion hat sie ihre Forderung nach einem Berufsverbot für den Thilo wiederholt.

    Nun musste ich leider bislang eine gewisse Asymmetrie in der Debatte wahrnehmen:
    – Auf der einen Seite ein cooler Managertyp, der mit massenhaft Fakten unterlegte Meinungsäußerungen bringt,
    – Auf der anderen Seite ein geballter Haufen von Polit-Profis, die äußerst flüssig ihre festgepressten verbalen Ausscheidungen absondern.

    Offenbar mangels rationaler Argumente (und wegen fehlender Bereitschaft, die Probleme anzugehen) rottet sich die Polit-Oligarchie nunmehr in einer unheiligen Allianz gegen die Meinungsfreiheit zusammen:
    Linksfaschistoide grüne Kosovo-Krieger, pseudopatriotische schwarze Kuttenträger der Kapitalinteressen und die blaugelbe 5. Kolonne von Hotelkonzernen und Pharmafia wollen ein Berufsverbot gegen Sarrazin erwirken, d. h. ihn in der Bundesbank absägen.
    [Die SPD scheint hier außen vor zu sein, was ihr zur Ehre gereicht!]
    Jemanden rauszuwerfen, weil man ihn rational nicht widerlegen kann, ist ausgesprochen übel. Insbesondere bei den Grünen zeigt sich daran, wie verkommen diese Partei mittlerweile ist!

    Die unterste Schublade ist damit allerdings noch nicht erreicht: in der suhlt sich Arno Widman in der heutigen Frankfurter Rundschau („Der Fall Sarrazin“ – http://www.fr-online.de/kultur/literatur/der-fall-sarrazin/-/1472266/4595198/-/index.html).
    Widman weiß, wie man die Feinde des Humanismus therapieren muss: nämlich so, wie man Abweichler von der korrekten politischen Linie in der einzig wahren humanistischen Gesellschaftsordnung (welche dann leider dem Ansturm des kapitalistischen Bösen erlegen ist) geheilt hat:
    Der Mann ist von einem „Wahn“ besessen; folglich „Sarrazin ist ein Fall nicht nur für die Justiz“.
    Also ab mit ihm – in die laizistischen Exorzismus-Anstalten der einzigen wahren Menschenfreunde!
    Mit Polit-Psychiatrie haben die Linksradikalen eine jahrzehntelange Erfahrung. Solche wertvollen Traditionen darf man nicht einfach über Bord werfen; die muss pflegen, wer ein rechtschaffener Linkskonservativer werden will!

  3. Tja, Canabbaia, hier ein Kommentar, da ein Kommentar, doch jetzt mal ganz abgesehen vom Blabla: im Text geht es darum, dass Sarrazin gesagt hatte, er sehe Deutschland wegen geringerer Bildung der Zuwanderer in Gefahr. Was sagen Sie eigentlci dazu?

  4. Ich sehe viele Gefahren für Deutschland, Europa und die Welt. An erster Stelle die Ressourcenerschöpfung, dann das ökonomische Problem dass sich das Geld, das Blut für den Wirtschaftskreislauf, vielleicht der Klimawandel (dessen Auswirkungen speziell in unseren Breiten ja durchaus gemischt sein könnten).

    Insgesamt habe ich den Eindruck, dass das Leben sehr viel härter werden wird, indes wir immer weicher werden und immer mehr versuchen, Probleme durch eine weitere Komplexitätssteigerung zu lösen. „Wir“ meint hier nicht nur die Deutschen, sondern die westliche Zivilisation insgesamt. Sichtbar wird das z. B. an unserem Umgang mit den Piraten in Somalia, oder am Umgang der Belgier in Brüssel mit der dortigen Einwandererkriminalität (vgl. meinen Blog-Eintrag „Thilo Sarrazin in Brüssel oder Diese beschissene deutsche Medien-Feigheit kotzt mich gründlich an!“ – http://beltwild.blogspot.com/2010/03/thilo-sarrazin-in-br.html ) (und ähnlich ist es wohl in Berlin).

    Wie kann man Thilo Sarrazins Vorgehen und seine Forderungen beschreiben, wenn man hier von seinen konkreten Ausführungen mal abstrahiert?

    Sarrazin führt die Einwandererdebatte auf der Interessenebene: welchen Nutzen / Schaden bringt uns die Einwanderung? Dazu argumentiert er mit Fakten. Demgegenüber behandeln andere die Einwanderungsfrage auf der Menschlichkeitsebene. Das Problem ist nur, dass eine hypertrophierte Humanität sich eines Tages selbst ad absurdum führt. Das hat schon Goethe erkannt, als er in Neapel schrieb:
    „Auf Herders dritten Teil freu‘ ich mich sehr. Hebet mir ihn auf, bis ich sagen kann, wo er mir begegnen soll. Er wird gewiß den schönen Traumwunsch der Menschheit, daß es dereinst besser mit ihr werden solle, trefflich ausgeführt haben. Auch, muß ich selbst sagen, halt‘ ich es für wahr, daß die Humanität endlich siegen wird, nur fürcht‘ ich, daß zu gleicher Zeit die Welt ein großes Hospital und einer des andern humaner Krankenwärter sein werde.“
    Der Aufwand wird immer größer; 1945 hat niemand die Opfer des Bombenkrieges psychotherapiert, heute therapieren wir sogar die Helfer. (Das sage ich nicht als Vorwurf; gut möglich, dass auch ich einen Schock bekommen würde. Aber die Kosten steigen natürlich exorbitant.) Jugendkriminalität behandeln wir mit Erlebnispädagogik; auf einem anderen Gebiet haben wir inzwischen eine systematische Überprüfung der Wirtschaftsprüfer institutionalisiert.
    Letztendlich müssen wir in zahlreichen Bereichen die gesellschaftliche Komplexität reduzieren, und soweit als möglich Selbstregelmechanismen einführen. Wenn Sarrazin darauf hinweist, dass Einwanderer in den USA keine Sozialhilfe bekommen, dann zeigt er einen solchen Selbstregelmechanismus auf: es kommen – mehr oder weniger – nur die Leistungsbereiten und Leistungsstarken. Demgegenüber ist die Unterstützung der Zuwanderer bei uns ein negativer Regelmechanismus.

    Grundlage einer interessenorientierten Debatte sind Fakten. Die Politik hat unangenehme Fakten in Sachen Einwanderung unterdrückt (Maulkorb für Berliner Oberstaatsanwalt, der über Ausländerkriminalität referieren wollte).
    Die Politiker wollen das Volk ruhig stellen, nicht Probleme identifizieren, deren Lösung schwierig ist.
    Ich selbst bin mit den Fakten zum Thema Einwanderung nicht sonderlich vertraut. Für ein wirklich vertieftes Einsteigen fehlen mir Zeit und Motivation, denn was sollte ich dann mit meinem Spezialwissen anfangen?
    Einige Medien bringen mittlerweile (wie schon im Herbst zum Lettre-Interview) Faktenchecks zu den Sarrazin-Thesen (z. B. http://nachrichten.rp-online.de/politik/sarrazins-thesen-im-faktencheck-1.98094 , http://www.zeit.de/gesellschaft/2010-08/sarrazin-bildung-faktencheck ).

    Ich selbst nehme natürlich die pro- und kontra-Informationen zur Kenntnis; in erster Linie beobachte ich aber die Debatte, wie sie von der Politik geführt wird. Und was sehe ich da?

    Eine Ausländerbeauftragte (Maria Böhmer), die den Thesen von Sarrazin zur Bildungsferne islamischer Immigranten mit folgenden Argument entgegen tritt (http://www.sueddeutsche.de/politik/bundesbanker-in-der-kritik-sarrazins-polemik-ist-diffamierend-und-verletzend-1.991941):
    „Wie falsch die Pauschalurteile von Sarrazin seien, zeige eine am Montag vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung veröffentlichte Studie zur Bildung türkischstämmiger Migranten. Danach wechseln bei gleicher Leistung und ähnlichem sozialen Hintergrund türkische Kinder häufiger auf die Realschule oder das Gymnasium als deutsche Kinder.“
    Diese Form der Logik ist die gleiche, wie Sarrazin sie aufgespießt hat (http://www.bild.de/BILD/politik/2010/08/26/thilo-sarrazin/spd-politiker-schreibt-in-seinem-neuen-buch-ueber-den-islam.html ):
    „In Berlin werden 20 Prozent aller Gewalttaten von nur 1000 türkischen und arabischen jugendlichen Tätern begangen, eine Bevölkerungsgruppe, die 0,3 Promille der gesamten Berliner Bevölkerung stellt. Aber im Integrationsbericht der Bundesregierung wird deren Kriminalität relativiert.
    Es heißt dort: „Zumindest für die Gruppe junger Menschen gehen Kriminologen davon aus, dass bei einem Vergleich der Gruppe mit gleichen familiären, schulischen und sozialen Rahmenbedingen SOWIE ÜBEREINSTIMMENDEN WERTORIENTIERUNGEN eine höhere Belastung von Nichtdeutschen letztlich nicht mehr feststellbar“ sei.“
    Gleiche Gruppen verhalten sich gleich – wie erstaunlich!

    Oder an anderer Stelle in dem o. a. Artikel der Süddeutschen:
    Vor allem aber seien Sarrazins Thesen wissenschaftlich nicht haltbar: „Es gibt keine Studien, die eine grundsätzliche mangelnde Integrationsbereitschaft der Muslime in Deutschland belegen.“
    Mit anderen Worten: Was nicht wissenschaftlich überprüft ist, ist auch nicht wahr. Ist die Frau derart beschränkt (bzw. kann man sich mit einem derartigen Logikverständnis an unseren Universitäten habilitieren? http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_B%C3%B6hmer) oder hält sie das Volk für bescheuert?
    Zumal sie im Ergebnis eine (zumindest bislang) mangelde Integrationsbereitschaft selbst bestätigt wenn man liest ( http://www.islamische-zeitung.de/index.cgi?id=13649 ):
    „Böhmer betonte, Integration sei keine Einbahnstraße. Beide Seiten müssten aufeinander zugehen. Wer dauerhaft in Deutschland leben wolle, müsse seinen Willen zur Integration deutlich machen.“
    Ach ja? Entweder haben sie ihn schon deutlich gemacht, dann bedarf es dieses Hinweises nicht. Oder Frau Böhmer hat selbst ein aktuell doch noch bestehendes Defizit an Integrationsbereitschaft ausgemacht: dann, und nur dann, wird der Satz verständlich und macht Sinn.
    Faktenfern, logikfern – aber stark in der Placebo-Medikation des Volkes, das ist die deutsche Politik (natürlich nicht nur:) bei der Einwanderungsdebatte.

    Insgesamt beobachte ich bislang im politischen Raum a) eine klare Desinformationsstrategie gegenüber der Bevölkerung; b) übertriebene Nachsicht, c) ständig steigende Sozialhilfekosten.
    Dazu kommen nun noch verstärkte Anstrengungen, Kritiker mundtot zu machen.
    Das alles finde ich suboptimal. Und dagegen agitiere ich.

    „Tatsächlich ist doch der echte Skandal, daß die Politik nahezu geschlossen und pauschal über die Veröffentlichungen herfällt, ohne in eine sachbezogene Erörterung einzusteigen. Lediglich das Internet spricht zensurfrei seine Beipflichtung aus.
    Nun enthält das Buch natürlich sehr viel mehr Passagen als bisher bekannt. Also sollte man zuerst selbiges vollständig lesen und dann eine sachliche Diskussion anstreben. Totschweigen oder den Protest samt Autor pauschal in die rechte Ecke zu drängen, wäre fatal“ sagt ein Blogger (http://rotkohl.wordpress.com/2010/08/27/sarrazins-thesen-%E2%80%93-eine-detailbetrachtung/). So isses!

    Darum werden Sie mich auch nicht auf eine verengte Betrachtung von
    „… dass Sarrazin gesagt hatte, er sehe Deutschland wegen geringerer Bildung der Zuwanderer in Gefahr“
    festnageln. Abgesehen von dem Hinweis, dass Sarrazin ja sehr konkrete Vorschläge macht, um die Bildungsfernen schon frühzeitig aus ihren Milieus herauszuholen (http://www.bild.de/BILD/politik/2010/08/25/thilo-sarrazin/jeder-schueler-sollte-eine-uniform-tragen.html).

    Noch etwas zur Interessenfrage. Die Freunde der Zuwanderung glauben, dass sie für die reine Menschlichkeit eintreten.
    In Wirklichkeit liegt es im Interesse der Sachkapitalbesitzer, den Raum möglichst dicht zu bevölkern. Ohne Menschen ist das Realkapital (Fabriken usw.) absolut wertlos.
    Sollte man mal darüber nachdenken, welche TIEFEREN, nicht unmittelbar offenkundigen Interessen hinter der sogenannten „Menschlichkeit“ walten?

  5. Sorry, habe in meinem Vorkommentar was vergessen:
    „das ökonomische Problem dass sich das Geld, das Blut für den Wirtschaftskreislauf,“ [ergänze:]
    bei den Besitzenden akkumuliert, d. h. eben diesem (Tausch-)Kreislauf immer mehr entzogen wird. (Vgl. dazu näher meinen Blog-Eintrag „Die Ökonomie der Artos-Phagen: Warum eine eigentumsbasierte Geldwirtschaft (im Basismodell) nicht dauerhaft funktionieren kann“ – http://beltwild.blogspot.com/2010/01/die-okonomie-der-artos-phagen-warum.html ).