Akzente: Besuchererfolg mit ambitionierter Kultur

Photo: Stefan Meiners

Eine positive Bilanz zogen die Veranstalter der 33. Duisburger Akzente:

Nicht nur weil es mit rund 130 Projekten und mehr als 200 Veranstaltungen ein angebotsstarkes Festival war sondern auch weil mit ca. 100.000 Besuchern der bisher höchste Besucherstand in der Geschichte des Festivals erreicht wurde.

Dabei sei Ruhrort, so die einhellige Meinung, als Stadtteil die richtige Wahl gewesen.

„La Fura dels Baus haben die Mercator-Insel richtig wachgeküßt,“ fand Kulturdezernent Karl Janssen, der den Schwerpunkt auf einen einzigen Stadtteil beim Festival als sehr positiv empfand. Besonders weil die Akzente von den Ruhrorter Bürgern sehr gut angenommen wurden. Das Konzept, sich auf einzelne Stadtteile zu konzentrieren sei eine Überlegung für die nächsten Akzente durchaus wert.

Akzente-Zukunft ungewiss

Wobei, wie er später noch erläuterte, die Zukunft des Festivals noch nicht gesichert ist. „Wenn wir für 2011 planen würden, hätten wir jetzt schon etliche Schwierigkeiten.“

Angedacht, so führte er aus, war ein zweijähriger Rhythmus mit einer entsprechenden Mittelbündlung. Von einer Mittelbündlung könne im Zeitalter des Schuldenabbaus allerdings keine Rede sein, so Janssen.

Der Vorschlag, der bei der Haushaltskonsolidisierung auf den Tisch lag war, die Akzente 2011 auszusetzen, um sie dann mit dem Mercator-Jahr 2012 zusammenzulegen. Hier würde man von der Synergie der Local Heroes Woche lernen und den Focus der Akzente dann auf den März 2012 legen.

Auf die 33. Akzente bezogen, war der Hauptsponsor ausgesprochen zufrieden: Dietmar Borchert, Leiter Corporate External Communications und Pressesprecher der Haniel Group: „Wir sind super zufrieden.“

Ergänzend dazu bemerkte Dr. Bernhard Weber-Brosamer, Leiter Corporate Culture bei Haniel, dass Ruhrort „teilweise noch ganz benebelt“ von den Eindrücken des Festivals sei. Viele Veranstaltungen waren ausverkauft, die Hochkultur war sehr nah und eng bei den Menschen.

„Wir müssen unsere Perlen polieren und zum Glänzen bringen“, war er überzeugt, denn Ruhrort hätte mit dem Festival einen sehr weiten Sprung nach vorn gemacht.

Glücksgriff Kirchgarten

Photo: Stefan Meiners

Festivalbüroleiter Frank Jebavy legte den Fokus auf den Eigenproduktionen, die die Seele des Festivals bildeten. Selten habe es bei den Akzenten so viele von ihnen gegeben.

Besonders hob er „Das Mädchen aus der Streichholzschachtelfabrik“ und „Schiff Re-E“ hervor. Ein wenig Herzklopfen sei bei der Auftaktveranstaltung schon dabei gewesen.

Überraschend für das Festivalteam sei die Entdeckung des Kirchgartens St. Maximilian gewesen – ein Ort, von dem selbst die meisten Ruhrorter wohl nichts wussten. Ein Glücksgriff auch das Lokal „Zum Hübi“, das als Festivallounge und als Katalysator diente. Viele Zaungäste wären auch dadurch auf das Festival aufmerksam geworden. Und seit El Fura Dels Baus die Mercatorinsel bespielt habe, sei man zuversichtlich dass dieser Ort auch nachhaltig von der Kultur genutzt werden würde.

Weder Hoch- noch Subkultur sondern ambitionierte Kultur

Akzente-Koordinator Olaf Reifegerste nahm die Begriffe der Hoch- und der Subkultur auf: Seiner Meinung nach gäbe es was Ruhrort beträfe nur ambitionierte Kultur.

Die freie Kultur sei in diesem Jahr mitgenommen worden und das freue ihn. „The Daily Late Afternoon Show“ sei etwa ein Highlight im Programm gewesen ebenso wie „Sturmfreie Bude“.

Ein Bündnis von Kultur und Sozialem hätten die Akzente geschmiedet – nicht zuletzt mit den „Hafenkids“ als Charitypartner. Ebenfalls erfreulich sei, dass die Stadtbücherei mit ihrem Literaturprogramm in Ruhrort an zahlreichen Orten vertreten gewesen sei.

Einige der Akzente-Veranstaltungen werden auch noch bis zum Ruhrorter Hafenfest weiter betrieben, vielleicht sogar noch bis zum Herbst. So werde der Neumarkt noch Raum für ein Symposium bieten.

Ebenfalls bis Ende Juni seien noch die Künstler in der Amtsgerichtsstraße vertreten. Noch gäbe es, so Jebavy, aber noch keine konkreten Pläne was mit den leeren Ladengeschäften geschehen würde. Man sei aber, so Olaf Reifegerste, mit der Creative Stage, die am 30.06. das nächste Mal in Ruhrort stattfinden würde bestrebt die kreativen Synergien zu bündeln. Ein Kreativquartier Ruhort? Durchaus vorstellbar.

Ruhrort: Neu wahrgenommener Stadtteil

„Wir haben in Ruhrort eine Konzentration geschaffen, die von vielen wahrgenommen worden ist,“ so Frank Jebavy auf Nachfrage nach seinem persönlichem Fazit der Akzente. „Wir haben es geschafft mit einem großartigem Eröffnungswochenende den Fokus auf Ruhrort selbst zu setzen.

Es gibt ein paar Projekte, die für die Akzente wegweisend waren, das waren zum einen ‚Liebe Sehnsucht Ruhrort‘ im Kirchgarten, was eine wirklich künstlerische Wahrhaftigkeit hatte.

Unter anderem habe ich die tolle Theateraufführung ‚Das Mädchen aus der Streihholzfabrik‘ gesehen, was mich sehr berührt hat. Es gab viele unterschiedliche Projekte mit unterschiedlichen Ansätzen, aber alle beschäftigten sich ernsthaft mit dem Stadtteil, dem Thema des Hafens.

Was mich sehr gefreut hat: Dass neben dem eigentlichen Festivalpublikum auch noch ein anderes dazu kam. Die sogenannten Zaungäste, die wussten, dass hier was ist, und auch diese Zaungäste sind ein wichtiges Zeichen dafür, dass eine Festivalatmosphäre entstanden ist.

Wir haben natürlich noch einige Projekte im Nachklang – wie etwa die Singsäulen. Ob das aufgegangen ist, ob der Stadtteil neu erkannt worden ist; bei den Ruhrortern habe ich das Gefühl, dass sie in den letzten 17 Tagen selbstbewußter geworden sind, das ja. Ob die Künstler den Stadtteil auch nach den Akzenten wahrnehmen als Produktionsstätte, als Wohnort – das muss man abwarten. Die Stadt braucht einen kulturpolitischen Wandel. Wenn dank der Akzente hier ein Impuls gesetzt werden konnte, dann waren es sehr erfolgreiche Akzente.“

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