Offener Tag am Flugplatz Wesel

Für den 03.06.2010 luden der „Flugverein Niederrhein Duisburg“ und die „Luftsportgemeinschaft Rheinhausen“ gemeinsam zu einem offenen Tag am Flugplatz Wesel ein.

Bei beiden Vereinen handelt es sich um Traditionsvereine Duisburgs, der Flugverein selbst besteht gar schon seit 1912 und feiert demnach bald sein 100 jähriges Bestehen. Gemeinsam mit den über Hundert Mitgliedern der Vereine sind beide Vereine bestrebt, vor allem jungen Menschen den Einstieg in den Luftsport zu ermöglichen:

Schon ab 14 kann man Segelfliegen lernen und seinen Schein machen – für viele der Einstieg in die Fliegerei. Und während in der Nebensaison November bis Ende Februar die Pflege, Wartung und Auffrischung der Geräte in der Vereins-eigenen Werkstatt im Brückenbogen im Vordergrund steht, dreht sich von März bis Oktober alles um den Flug.

Den heutigen offenen Tag bei perfektem Wetter nutzten viele Weseler, Duisburger und Besucher aus entlegenen Regionen wie Bochum dazu, sich von den Vereinsmitgliedern die Ein- und zweisitzigen Segler zeigen zu lassen, die Motorsegler zu bestaunen und auch ein Ultraleichtflugzeug in Augenschein zu nehmen – welches sich die meisten doch kleiner vorgestellt hatten.

Vereinsmitglieder wie Viktoria Baum (17) berichteten dann auch vom „Suchtcharakter“ des Luftsports: jeden Freitag, Samstag, Sonntag verbringt sie am Flugplatz und macht gerade ihren eigenen Schein. Mein Pilot, Alexander Hoffmann (18) fliegt seit 3 1/2 Jahren und ist bereits mehrfach mit Siegertiteln von Wettkämpfen heim gekommen.

Angesichts der durchaus akzeptablen Kosten von ~35 bis 50 Euro / Monat für Jugendliche sicherlich ein Vereinssport, der sich von vielen anderen abhebt. Frau Hennig-Friebe, selber seit 1974 Mitglied im Verein, betonte daher auch den Wunsch des Vereins, insbesondere mehr Jugendliche gewinnen zu können. Sie machte klar, dass Segelfliegen sich vor allem an Technik begeisterte Jugendliche richtet und beschrieb die unterschiedlichen Herangehensweisen:

Während ein Teil der Piloten vor allem die Ruhe und das Schweben nutzt um zu entspannen, entwickeln andere das Bedürfnis, sich auf Streckenflügen oder in Kunstflügen mit anderen Piloten zu messen. Zu welcher Art man gehört, sei letztlich egal: Fliegen lernen würden beide Gruppen gleich. Dabei ist wichtig, dass insbesondere auf Grund der häufig komplett verplanten Wochenenden Fliegen eher ein Familiensport sei. Ohnehin ist Segelfliegen ein Team-Sport: Von Einklinken der Flugzeuge, über die Starthilfe bis zum Rückholen geht nichts ohne helfende Hände. Und so ist es nicht verwunderlich, dass man auch schon mal gemeinsam für zwei bis 3 Wochen in ein Sommerlager reist, natürlich mit den Flugzeugen. Um dann den Urlaub gemeinsam fliegend zu verbringen.

Oft ist die ganze Familie gemeinsam am Flugplatz und häufig vererben die Väter das Interesse am Fliegen selbst auf ihre Söhne und Töchter, die oft gar nicht früh genug mit dem Fliegen beginnen können und teilweise schon mit 2 Jahren dabei waren.

So jung waren die Gäste heute nicht, der jüngste Gastflieger war Marius Hinze (13), der völlig begeistert von seinem Erlebnis zurück kam und seinem Vater gleich das Versprechen abgenommen hat, ihm eine Wiederholung zu ermöglichen.

Damit ist er ein Gegensatz zum Ehrenvorsitzenden des Flugvereins, der mit fast 80 Jahren schon seit über 60 Jahren selber fliegt. Womit Segelfliegen sicherlich zu den Sportarten gehört, die die längste aktive Teilnahme ermöglichen.

Beide Vereine sind im Duisburger Stadtsportbund vertreten und wer Lust hat, sich seinen Gastflug zu gönnen oder gar mal einen Schnuppermonat mit 10 Starts zu absolvieren, der wendet sich am Besten an den Verein selbst:

Flugverein Niederrhein Duisburg e. V.

c/o B. Hennig-Friebe

Wallensteinstraße 24

47058 Duisburg

http://fnd.de

Wobei, soviel sei noch verraten, sich in den letzten Jahren die Technik der Flugzeuge doch enorm verändert hat. Auf dem nebenstehenden Bild ist ein mit Stoff bezogenes Stahlrohrgestell vor dem Duisburger Theater zu sehen. Auch wenn es vereinzelt heute noch Flugzeuge gibt, die grundsätzlich diesem Ansatz folgen, sind doch GFK und andere moderne Verbundstoffe die Regel geworden.

Zusätzlich erleichtern Technologien wie Annäherungswarnsystem und GPS die Fliegerei erheblich. Heute werden die Flugzeuge von kräftigen Winden in ungefähr 2 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und auf 350 Meter gezogen. Dort klinken sie sich aus, schrauben sich der Thermik folgend auf Höhen von 800 Metern bis zu mehreren Kilometern und beginnen dann von dort ihren Segelflug. Wobei Distanzen 40 Kilometern ohne Aufwind aus Höhen von 1000 Metern durchaus nicht ungewöhnlich sind. Modernste Hochleistungsflugzeuge kommen auf bis zu 60 Kilometer und erlauben beachtliche 2000 Kilometer Gesamtdistanz.

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