Bioethiker Caplan sieht in künstlichem Leben mehr Chancen als Risiken

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Hamburg (ots) – Der renommierte Bioethiker Arthur L. Caplan von der University of Pennsylvania, USA, hat angesichts jüngster Forschungserfolge Regeln für die Erschaffung von künstlichem Leben gefordert. "Der mögliche Nutzen ist wahrhaft überwältigend, aber diese machtvolle Technologie braucht auch regulatorische Schranken", schreibt Caplan in der ZEIT. "Von Mikroben bauenden Bösewichtern und unachtsamen Forschern könnten ernste Gefahren ausgehen." Vor Kurzem hatte der US-Forscher Craig Venter gemeldet, er habe ein künstliches Bakterium hergestellt, was große Diskussionen über künstliches Leben aulöste. "Venter und sein Team waren umsichtig genug, ihre Kreation mit molekularen Wasserzeichen zu markieren – das sollte man von jedem Hersteller synthetischen Lebens verlangen", forderte Caplan.

Caplans Einschätzung nach bietet die neue Technik aber mehr Chancen als Risiken: "Die synthetische Biologie schafft Mikroben nach Plan. Sie soll es Wissenschaftlern erlauben, Viren und Bakterien zu bauen, die viele der drängendsten Weltprobleme lösen: indem sie Nahrung erzeugen, nach Industrieunfällen Umweltgifte verdauen, im menschlichen Körper Infektionen bekämpfen oder dort gefährliche Substanzen wie Cholesterin vertilgen."

Die Ehrfurcht vor dem Leben wird nach Caplans Ansicht durch Venters Erfolge nicht eingeschränkt: "Der Wert des Lebens wird nicht dadurch gefährdet oder gemindert, dass wir zu verstehen beginnen, wie es funktioniert. … Würde und Wert wohnen beidem inne: dem, was Naturwissenschaftler wissen, können und machen, aber auch allem, was sie nicht verstehen. Leben kann gemacht werden. Jetzt müssen wir sehen, ob wir der Aufgabe gewachsen sind, es für humane und noble Zwecke einzusetzen."

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