Alles für den Hund

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Bouvier des Flandres
Quelle: Wikipedia

„Alles für den Hund“, lautet eine Überschrift heute in der WAZ Duisburg. In der Printausgabe. Es ist ein Artikel über Martin Mayer, einen Hundeliebhaber aus Homberg. Unwillkürlich denkt man an Tom Gerhards Fernsehserie über den Hausmeister Krause, der seinen Lebenssinn weitgehend im Teckelclub verwirklicht sieht. „Alles für den Dackel, alles für den Hund!“ lautet hier der Schlachtruf der – vorsichtig ausgedrückt – spießigen Vereinsmeier, die dem Fernsehzuschauer das beruhigende Gefühl geben, so schlimm wie die nun auch wieder nicht zu sein.

Insofern: vielleicht nicht ganz so eine freundliche Überschrift. Dabei meint es der WAZ-Autor durchweg gut mit Martin Mayer. Vielleicht ist deshalb in der Onlineversion dieser etwas missverständliche Titel durch eine Überschrift ersetzt worden, die klar macht, worum es eigentlich geht: „Ärger über höhere Hundesteuer in Duisburg“.
Martin Mayer ärgert sich nämlich ganz schön darüber, dass er dieses Jahr für seine drei Bouviers insgesamt 126 Euro mehr Hundesteuer zahlen muss.
Er klagt, dass die Stadt für die Einnahmen keine Gegenleistungen biete: „Für die Stadt ist die Hundesteuer eine willkommene Geldquelle. Man kassiert ab, aber es kommt nichts zurück“, sagt Martin Mayer. Er sei „sich darüber bewusst, dass die Hundesteuer nicht zweckgebunden ist, jedoch solle die Stadt sich darüber Gedanken machen, ob das auch eine vernünftige Regelung sei“, heißt es in der WAZ.
Nun gibt es grundsätzlich keine zweckgebundenen Steuern; es gilt, wie ich vor einiger Zeit an anderer Stelle erläutert habe, das Nonaffektationsprinzip. Wären einzelne Steuern nämlich einzelnen Ausgabenposten zugeordnet, hätten wir es mit einer Töpfchenwirtschaft zu tun.
Gut, man könnte hingehen und die ganze Sache „Abgabe“ oder „Gebühr“ nennen – und schon hätten die Hundehalter einen Anspruch auf öffentliche „Gegenleistungen“. Martin Mayer zum Beispiel „geht mit seinen Hunden gerne auf der Rheinwiese in Homberg spazieren, aber ist nicht der Meinung, dass die sich in einem hundegerechten Zustand befinden.“ Kein besonders gelungenes Beispiel, wenn wir uns daran erinnern, dass gerade auf der Homberger Rheinwiese ein beträchtlicher Aufwand betrieben werden musste, um einen dauerhaften Konflikt zwischen Schäfer und Hundehaltern zu entschärfen.
Beizulegen? – Ich hoffe es. Jedenfalls musste der Dezernent persönlich eingreifen, um in diese leidige Angelegenheit etwas Ruhe reinzubekommen. Mal sehen; jetzt beginnt die warme Jahreszeit. Wie viel „Gegenleistung“ müsste die Stadt wohl erbringen? Bei der Hundesteuer kommt ja schließlich ein Haufen Geld zusammen. Apropos Haufen …

Wie viel müssen die Mayers eigentlich jedes Jahr für ihre drei Hunde an Steuern zahlen? Aus der WAZ erfahren wir nur, dass sie für jeden der drei Bouviers 42 Euro mehr, insgesamt also 126 Euro mehr ins Stadtsäckel tun müssen. Und dass in Duisburg zu Beginn der Haushaltsberatungen gar der Oberhausener Tarif von jeweils 252 Euro im Gespräch war.
Also, in Duisburg sind es 192 Euro pro Hund, wenn im Haushalt drei oder mehr Hunde gehalten werden. Also: immer noch gut ein Viertel weniger als in Oberhausen. Aber klar, 576 Euro sind eine Stange Geld, und wenn es von 450 auf 576 in einem Schritt nach oben geht, dann ist das eine deutliche Steuererhöhung.
Andererseits, Sie kennen das aus der Werbung für Versicherungen: pro Tag betrachtet sind die gar nicht so teuer. Je kleiner der Zeitraum, desto niedriger der Geldbetrag. Eine monatliche Sichtweise ist aber schon allein deswegen relativ seriös, weil wir gewohnt sind, unsere Ein- und Ausgaben pro Monat zu denken.
Konkret: die Mayers müssen monatlich 10,50 Euro mehr für die Hundesteuer ausgeben. Nochmal: das sind im Jahr 126 Euro. Sie werden es verkraften können; denn Martin Mayers Schätzung zufolge kosten ihn seine Hunde jetzt schon „mindestens 2000 Euro im Jahr“. Dabei hat er neben der Hundesteuer das Futter, Versicherungen und Tierarztbesuche berücksichtigt.
Doch das ist immer noch sehr zurückhaltend geschätzt. In Wirklichkeit dürfte die Haltung von drei großen Hunden deutlich teurer kommen. Wie sieht es aus, wenn man mal in Urlaub fährt? Nimmt man die Lieblinge mit, oder gibt man sie in einer Hundepension ab, oder passt jemand zu Hause auf sie auf? Braucht man ein Auto, in dem man auch mal einen oder gar alle drei Hunde mitnehmen kann?

Hundehaltung ist nicht billig. Einen großen Hund zu halten allemal nicht. Und wenn man sich gleich drei davon hält, wird es richtig teuer. Und zwar zunächst einmal auch schon ganz ohne die Hundesteuer.

Die Hundesteuer selbst ist dann je nach Anzahl der Hunde im Haushalt progressiv gestaltet. 132 Euro zahlt man – pro Jahr – bei einem Hund, 168 bei zweien, und 192 Euro bei drei oder noch mehr Hunden. In Duisburg. Und das ist auch richtig so! Denn es gibt schon jetzt viel zu viele Hunde. Gerade in Großstädten.
Ivan (2), Isabell (5) und Pepe (8), also den drei Bouviers der Mayers, geht es prima. Da muss ich mir nur die Fotos in der Zeitung ansehen, den Text noch dazu – in diesem Fall reicht mir das für ein Urteil. Prima Hunde dank ihrer liebevollen Halter! Die führen bestimmt schöne Hundeleben: viel Auslauf, gute Pflege …
Doch sie geben den Mayers ja auch eine Menge zurück. Hunde sind eben Martin Mayers Hobby. Ein nicht ganz billiges Hobby – auch ohne die Erhöhung der Hundesteuer. „Noch einmal würde er sich jetzt nicht mehr als einen Hund anschaffen, das sei ihm zu kostspielig“, steht in der WAZ. Auch dies kann nicht allein an der Hundesteuererhöhung liegen.
Beim Thema „Hunde“ scheiden sich – nicht nur in der Großstadt – die Geister. Die Kommentare unter dem WAZ-Artikel auf der Westen – zur Zeit knapp 50 – sprechen für sich: die einen so, die anderen so. Gleich im ersten Kommentar spricht ein User mit dem Pseudonym „normalsein“ von „sinnloser Tierhaltung“. Am liebsten möchte er sie gleich ganz „unterbinden“. Das kennt man eigentlich nur aus Staatssystemen, die so einiges Sinnloses unterbunden haben. Nun gut …

Recht hat er trotzdem. Er schreibt, es sei „höchste Zeit, die Hundesteuer noch weiter anzuheben“. Denn, noch mal: es gibt eindeutig zu viele Hunde. Und längst nicht allen geht es so gut wie den Bouviers der Eheleute Meyer. Manchen geht es sogar direkt schlecht, zum Beispiel dann, wenn sie zu dritt mit Menschen in komplizierten Lebenssituationen in einer Etagenwohnung leben. – Oh doch: so etwas gibt es!
Das sind aber in aller Regel nicht diejenigen Hunde, die anderen Menschen Probleme bereiten. Doch auch die gibt es. Klar: auch hier ist das Problem nicht der Hund, sondern der Mensch am anderen Ende der Leine – sofern überhaupt eine Leine benutzt wird.

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Tote durch Hundeattacken; Quelle: Wikipedia

Können Sie sich noch an die Hysterie erinnern, als im Juni 2000 in Hamburg ein türkischer Junge von einem „Kampfhund“ tot gebissen wurde? Diesmal bleibt erfreulicherweise ein solcher Unfug aus. Obwohl vor einer Woche vier in einer Wohnung lebende Stafford-Bullterrier ein dreijähriges Mädchen zerfleischt haben, ist nicht ansatzweise solch ein Medienrummel wie vor zehn Jahren zu verzeichnen. Damals mit der Folge, dass Bundesländer – auch NRW – strengere Hundeverordnungen erließen.

So gesehen ist es fast schon eine Wohltat, in der WAZ die Beschwerde des Herrn Mayer über die seiner Ansicht nach zu hohe Hundesteuer lesen zu können. Ich werde noch nicht ganz schlau daraus. Ob die Leute inzwischen begriffen haben, dass das Risiko, von einem Hund ins Jenseits befördert zu werden, denkbar gering ist. Für Kinder jedenfalls nicht ansatzweise so gefährlich wie der Kontakt zu ihren Eltern.

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