Siemens unter Betrugsverdacht

 

Wegen angeblich unkorrekter Geschäftspraktiken ist Siemens, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vorab meldet, erneut ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Dieses Mal geht es allerdings nicht um Schmiergeldzahlungen in Milliardenhöhe, sondern um Betrugsverdacht zu Lasten der Bundesagentur für Arbeit. Das Münchner Unternehmen hatte vor vier Jahren an gekündigt, eine Schulungsabteilung seines IT-Dienstleisters SBS (heute: SIS) aufzulösen, und rund drei Dutzend Beschäftigten Auflösungsverträge angeboten. Dennoch entschied sich die Bereichsleitung, den Ableger in einer anderen Einheit und mit einem Teil der Mitarbeiter fortzuführen. Den übrigen Angestellten wurde neben einer Abfindung der Wechsel in eine Qualifizierungsgesellschaft angeboten; für sie beantragte der Konzern Zuschüsse der Bundesagentur, obwohl die Betriebseinheit teilweise weiter bestand. Einige der Ausgeschiedenen alarmierten daraufhin erbost einen Siemens-Ombudsmann. Die Vorgehensweise der SBS-Leitung soll von ihm zunächst kritisiert, dann aber angeblich akzeptiert worden sein. Auch die Konzern- Compliance-Abteilung unter ihrem Chef und neuen Ferrostaal-Antikorruptionsbeauftragten Andreas Pohlmann soll keine Verstöße festgestellt und ihre Untersuchung vor einigen Monaten beendet haben. Nachdem vor einigen Wochen bei der Münchner Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstattet wurde, ermittelt nun die Behörde gegen mehrere Siemens-IT-Führungskräfte wegen Betrugsverdachts. Der Ombudsmann wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern, dem Konzern selbst war bis Mitte dieser Woche von einem Verfahren nichts bekannt.

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