Die Konrad-Adenauer-Stiftung für die Religionsfreiheit im interreligiösen Dialog

Ahmad Bader Hassoun, Grand Mufti of Syria

Image by European Parliament via Flickr

 

Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) ist die Stiftung, die der CDU nahe steht, so wie die Friedrich-Ebert-Stiftung der SPD, oder die Heinrich-Böll-Stiftung den Grünen, oder die Rosa-Luxemburg-Stiftung den Linken. Und diese Stiftungen, die machen so alles Mögliche; doch die vornehmste Aufgabe ist zweifelsohne die politische Bildung.

Damit soll nicht gesagt sein, dass alle anderen Aufgaben ebenfalls in jedem Fall vornehm seien. Und manchmal geht es selbst in der politischen Bildung …
Stopp! Nicht dass ich noch parteiisch werde! Vielleicht wissen Sie, dass ich nicht gerade ein Parteigänger der CDU bin. Wie leicht könnte ich in Verdacht geraten, allein deshalb einer KAS-Veranstaltung mit übertriebenem Misstrauen zu begegnen!
Das möchte ich nicht. Denn erstens habe ich gute Gründe anzunehmen, dass die KAS in ihrer internationalen Arbeit – gerade im Nahen Osten – auch schon hin und wieder Gutes vollbracht hat. Und zweitens hat die Veranstaltung, der ich zugegebenermaßen mit ein wenig Skepsis begegne, überhaupt noch gar nicht stattgefunden.

Sie findet erst am Mittwoch statt, am 19. Mai 2010; folglich kann ich mir überhaupt noch kein Urteil erlauben. In Berlin, nämlich in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, wird ein Vortrag gehalten, 19.00 – 21.00 Uhr. Thema: „Religionsfreiheit als Menschenrecht“. Ganz interessant, wie ich finde. Untertitel: „Konsequenzen für das Verhältnis von Staat und Religion“.
Spannende Sache, sollte man eigentlich einmal hingehen. Sie wissen ja, dass das Bundesverfassungsgericht festgelegt hat, dass wenn nur ein Elternteil gegen ein Kruzifix im Klassenzimmer Einwände erhebt, selbiges zu entfernen ist. Ob nun der zu Tode Gefolterte dranhängt – als Figur, versteht sich, oder ob es sich um ein schlichtes Holzkreuz handelt.
Religiöse Symbole haben in einer staatlichen Einrichtung nichts zu suchen, weil nämlich die Religionsfreiheit ein Menschenrecht ist. Und die Konsequenz daraus für das Verhältnis von Staat und Religion, so das Bundesverfassungsgericht, ist nun einmal, dass Andersgläubige oder Atheisten nicht gezwungen werden dürfen, im Zeichen des Kreuzes das Einmaleins zu lernen.
Und so etwas bekommen wir am Mittwoch bei der CDU erklärt, sorry: bei der KAS?

Wie gesagt: ich weiß es ja nicht. So etwas weiß man ja ganz genau immer erst hinterher. Nur: ich kann es mir irgendwie nicht vorstellen. Womit ich nicht sagen will, dass CDU-Leute höchstrichterliche Urteile nicht respektieren, wenn sie ihnen nicht passen. Nein, nein, das Kruzifix-Urteil nimmt man einfach nicht zur Kenntnis. Das genügt in aller Regel.
Das mit der türkischstämmigen Parteifreundin, die Ministerin in Niedersachsen geworden ist, und die in aller Naivität meinte, geltendes Recht erklären zu dürfen, nur weil sie nebenbei in einem Interview danach gefragt wurde – Herrgott noch mal, das konnte doch keiner ahnen!
Der Käse ist gelutscht. Wieso um Himmels willen veranstaltet aber dann die KAS-Zentrale in Berlin einen Vortrag zum Thema „Religionsfreiheit als Menschenrecht: Konsequenzen für das Verhältnis von Staat und Religion“?
Ach übrigens, wenn Sie hingehen möchten, weil Sie das Thema interessiert und / oder weil Sie sowieso gerade in der Ecke sind: Sie müssen sich vorher anmelden. Nicht angemeldete Personen erhalten zu der Veranstaltung keinen Zutritt. Das hat aber noch bis Dienstag Zeit. Am Mittwoch Abend bringen Sie dann einen Ausweis oder Pass mit, aber bitte keine Taschen – aus Sicherheitsgründen, versteht sich. „Zu Vortrag und Diskussion laden wir Sie herzlich ein und freuen uns auf Ihr Kommen“ – Ihre Konrad-Adenauer-Stiftung.

Ja, aber worum geht es genau bei der ganzen Religionsfreiheit? Mal sehen:
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Förderung des interreligiösen Dialogs in Deutschland und der Welt ist eines der zentralen Anliegen der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Na logisch! Manche Entwicklungen müssen mit Sorge betrachtet werden:
Ob jetzt die Kreuze in den Klassenzimmern kommen?
Im Nahen Osten leiden insbesondere die dort seit 2000 Jahren heimischen Christen unter Gewalt und Intoleranz.
Ach so, ja – stimmt ja auch! Das sollten wir uns einmal erlauben!
In Europa werden dagegen die Integration der Muslime und der wachsende Einfluss des Islam kontrovers diskutiert.
Eben. Ganz schön unausgewogen. Da müssen wir tatsächlich einmal drüber reden. Und die KAS macht das, diesen Mittwoch mit S.E. (das heißt: Seine Exzellenz)

Scheich Dr. Ahmed Badr Al-Din Hassoun, Großmufti der Arabischen Republik Syrien

In der Einladung steht dann noch:
Die Tiefe der hiermit verbundenen Probleme verlangt nach einer gemeinsamen Anstrengung zu ihrer Lösung. Die uneingeschränkte Anerkennung der Religionsfreiheit als Menschenrecht muss dabei als Grundvoraussetzung für einen zielorientierten Diskurs gelten.
Der Großmufti der Arabischen Republik Syrien, S.E. Scheich Dr. Ahmed Badr Al-Din Hassoun, gilt im europäisch-arabischen interreligiösen Diskurs als einer der wichtigsten Protagonisten und Vertreter eines werteorientierten Dialoges.
Mit ihm möchten wir über die genannten gemeinsamen Herausforderungen für den abend- und morgenländischen Kulturkreis sprechen.

Tolle Sache, der Scheich Hassoun ist tatsächlich ein „wichtiger Protagonist“. Besagter Großmufti hat, wie bei Henryk M. Broder zu lesen ist, „vor dem Europaparlament eine Rede gehalten, von der alle dermaßen begeistert waren, dass sie das Kleingedruckte überhört hatten – die Europäer sollten es mit der Meinungsfreiheit nicht zu weit treiben, um die religiösen Gefühle der Moslems nicht zu verletzen; und wenn sie es doch tun, dann wären sie für das unvermeidliche Blutvergießen verantwortlich.“
Die KAS wisse ganz genau, „wem sie den roten Teppich ausrollt. In einem Bericht des Amman-Büros der KAS vom 2. Mai 2007 wurden die syrischen Wahlen kurz aber zutreffend als eine Farce analysiert.
Der CDU-Politiker Elmar Brok, Mitglied des Europäischen Parlaments, hat erst vor einem Jahr in einem Interview erklärt, die von Syrien und dem Iran gesteuerte Hamas wolle ,geradezu eine Katastrophe` herbeiführen, um eine weitere Emotionalisierung des arabischen und islamischen Bereiches zu bekommen und auf diese Art und Weise gemäßigte Regierungen wie die in Ägypten in Schwierigkeiten zu bringen`.“

Broder schlussfolgert daraus: „Die Haltung der CDU im Nahost-Konflikt ist ebenso verlogen, opportunistisch und arbeitsteilig wie die der PDS. Während die Kanzlerin (bzw. Gregor Gysi) versichert, das Existenzrecht Israels sei nicht verhandelbar, stellen sich andere Teile der Partei(en) bereits auf die Zeit nach dem Verschwinden Israels ein. Man will ja schließlich nicht noch einmal so dumm da stehen wie nach dem 9. November 1989.“

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