Duisburger Freiheit – Verträge gemacht, viel gelacht, und fertig

Höffner-Standorte
Höffner-Standorte. Bild: Wikipedia

Freedom’s just another word for nothing left to lose – Janis Joplin
Freiheit, Freiheit – ist das einzige was zählt – Marius Müller-Westernhagen
Duisburger Freiheit – ehemals Name eines Plans (Lord Norman Foster) für ein Duisburger Avantgarde-Viertel
Duisburger Freiheit – inzwischen faktisch kaum noch vorhanden, allenfalls noch nützlich als auslaufende Übergangsbezeichnung für das Ansiedlungsgebiet für ein großen Möbelhaus
Die Verträge sind gemacht, und es wurde viel gelacht – Marius Müller-Westernhagen II
Freiheit, Freiheit – ist die einzige die fehlt – Marius Müller-Westernhagen III und fertig

Wir haben die Pressemiteilung der Stadt Duisburg im Original gebracht. Willi Mohrs berichtet für die Zeitungen der WAZ-Gruppe eher skeptisch, Hildegard Chudobba – Rheinisch Masters Voice – für die RP recht aufgeschlossen. Sie haben also alle Möglichkeiten, sich über diesen Vorgang ausführlich zu informieren.
Handelt es sich um einen beispiellosen Vorgang? Oder doch eher um einen beispielhaften? Können Sie sich daran erinnern, wie über alle Parteigrenzen hinweg der Masterplan des Architektur-Papstes Foster für die Duisburger Innenstadt über den grünen Klee gelobt worden ist?
Und jetzt, wo sozusagen der erste Schritt der tatsächlichen Umsetzung ansteht, fährt eine kleine Gruppe nichtsahnender Kommunalpolitiker nach München, weil es da gerade einmal etwas zu sehen gibt, um dort zu erfahren, dass sie in den nächsten Wochen – nicht übertreiben, die Sache eilt! – noch ein wenig beraten dürfen, dass allerdings eine Möbelfirma das Gelände mit dem hübschen Namen (Arbeitstitel?) bereits der Bahn abgekauft hat.

Freiheit, damit das auch einmal klipp und klar ist, bedeutet nämlich zunächst einmal Vertragsfreiheit. Ohne Freiheit ist Alles nichts. Ohne Vertragsfreiheit ist Freiheit undenkbar; denn ohne Vertragsfreiheit gibt es keine Handlungsfreiheit. Folglich auch keine Handelsfreiheit. Furchtbar!
Haben Sie schon einmal in irgendein elektronisches Suchsystem das Verb „handeln“ eingegeben? Und wenn ja, ist Ihnen beim Output etwas aufgefallen? Na klar: Sie können gar nicht handeln, ohne zu handeln. Das ist Freiheit. Alles andere wäre Janis Joplin – ist vielleicht nicht jedermanns Sache.
Das ist nicht spießig; das ist so. Auch Möbel müssen nicht unbedingt spießig sein. Im Gegenteil: sehen Sie sich doch einfach einmal die Homepage der Firma „Höffner“ an! Da sind doch richtig fetzige Sachen dabei. In der DDR – da waren die Möbel langweilig. Und zu Ikea-Möbeln sage ich nichts; keine Ahnung, was meine Rechtsschutzversicherung da mitmachen würde und was nicht.
Ich sage nur: Ikea-Möbel sind sehr gut. Sie sind Kult, wie man heute so sagt. Der Werbeslogan „Wohnst Du noch oder lebst Du schon?“ – Einsame Spitze! Ikea ist der Marktführer. Aber dann, direkt dahinter auf Platz zwei: Höffner, also die Krieger-Gruppe.

Dass Kurt – wie auch seine Vorgänger – Krieger heißt, ja: da kann er ja nicht für. Und ist Kapitalismus nicht immer auch ein bisschen Krieg? Egal, jedenfalls hat Kurt Krieger – nach der „Wende“ – ganz schön was aufgebaut und jetzt auch hier in Duisburg gezeigt, was ein echter Kr…, äh: Unternehmer ist. Top vorbereitet den Provinzpolitikern einmal gezeigt, was Trumpf ist.
Und vielleicht hat er ja nicht einmal ganz Unrecht mit seiner Behauptung, dass eine Wohnbebauung zwischen den Bahngleisen und der Autobahn nicht Lord Fosters allerbeste Idee gewesen war. Martina Ammann-Hilberath von den Linken sieht das anders. Okay, schöner Wohnen ist natürlich immer auch Geschmackssache. Wilhelm Bies von der FDP stellt sich bei den geplanten 40-Meter-Klötzen „eine Frage der Optik“. Dieter Kantel von den Grünen hält das Möbelhaus im Grunde für eine gute Sache, „aber nicht unbedingt an dieser Stelle“. Sozialdemokratische Stimmen sind nicht zu vernehmen, dafür christdemokratische umso mehr.
Gabriele Partenheimer (CDU) äußerte sich „auf den ersten Blick beeindruckt“. Aber klar: man brauche aber mehr Informationen vor einer Entscheidung: „Es ist alles offen“, sagt Partenheimer. Denn: „Das ist der Beginn einer Diskussion“ (Oberbürgermeister Adolf Sauerland). Ein von der Politik zu beschließender Bebauungsplan werde regeln, was und wo gebaut werden kann.

So ist das nun einmal in einer Demokratie. Sie zum Beispiel können ja auf Ihrem Grundstück auch nicht mal so ohne weiteres alles Mögliche bauen, ohne eine Baugenehmigung dafür zu haben. In einer Demokratie bestimmen nun einmal die gewählten Volksvertreter. Und nicht das Kapital oder wer. Basta!
Natürlich kann so ein Staat oder, wie in diesem Fall, so eine Stadt, nicht einfach hingehen und bestimmen, was Sie auf Ihrem Grundstück zu bauen haben. Denn das Grundstück gehört nun einmal Ihnen. Auch das ist Freiheit. Das ist doch völlig klar, ohne weiteres zu verstehen. Also, wer das nicht einsieht, versteht von Freiheit nichts. Aber auch gar nichts!
Freiheit ist, wenn z.B. das Staatsmonopolunternehmen Bahn sein Töchterchen Aurelis zunächst an eine Baufirma und eine Heuschrecke verkloppt, damit diese Herrschaften dann interessante Grundstücke an uninteressante Möbelfritzen (Selbsteinschätzung Kurt Krieger) verscheuern können.

Duisburger Freiheit. Die politische Diskussion möge beginnen!

Die Kapelle rum ta-ta
und der Papst war auch schon da
und mein Nachbar vorneweg

Freiheit, Freiheit
ist die einzige die fehlt

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