Na, wie war ich?

 

kraft_ruettgers_thumb_thumb Um 21:15 Uhr ist das Duell des Jahres beendet. Hui, das war spannend! Doch nun steht sie da – im Raum. Die Frage aller Fragen: verflixt noch mal, wer hat denn jetzt gewonnen? Ob Sie nun derlei „Gewinnerdiskussionen“ mögen oder nicht: hier ging es nicht um einen politisch-philosophischen Diskurs, der „viel Vergnügen beim Vermehren der gewonnenen Einsichten“ (Maybrit Illner) bereiten sollte, sondern um ein Duell. Das war ja auch der Titel der Sendung.
Na, wer hat denn jetzt gewonnen? Da musste man freilich erst einmal überlegen. Es dauerte fast eine dreiviertel Stunde, bis endlich die erste fachkundige Einschätzung eintrudelte. 21:58 Uhr, eMail aus der CDU-Pressestelle: „Einmal mehr wurde deutlich:“
Na, was glauben Sie denn? Dreimal dürfen Sie raten! „ Jürgen Rüttgers muss Ministerpräsident bleiben!“ Ach, das ist ja eine Überraschung! Und warum, wenn man fragen darf? „Er hat mit der Sozialen Marktwirtschaft den richtigen Kompass. Das ist der Schlüssel für eine Fortsetzung des erfolgreichen Kurses der letzten fünf Jahre“, schreibt Hermann Gröhe, der CDU-Generalsekretär.
Schon recht, schon recht; aber die Hannelore Kraft war doch auch nicht schlecht. Oder, Herr Gröhe? „Bei Frau Kraft wurde hingegen bei allen Themenfeldern einmal mehr offensichtlich: Die SPD hat keine überzeugenden Konzepte, keine Ideen und steht für eine rückwärtsgewandte Politik.“

Es ist 22:16 Uhr. Endlich kommt die Pressemitteilung aus dem Willy-Brandt-Haus. Die Generalsekretärin der SPD hat – wen wundert´s – das Duell irgendwie ganz anders wahrgenommen. Andrea Nahles schreibt:
„Hannelore Kraft zeigte, dass sie die Probleme des Landes anpacken wird. Rüttgers wirkte nervös und teilnahmslos.“ Okay, aber man kann über Jürgen Rüttgers sagen, was man will. Das muss man ihm erst einmal nachmachen: nervös und teilnahmslos gleichzeitig. Respekt, das kann nicht jeder! Das müssen Sie erst einmal bringen.

Ich werde das Gefühl nicht los, die Parteimanager sind befangen. Gut, dass auch die Meinung parteiunabhängiger Experten zur Verfügung steht. Der Kölner Stadtanzeiger hat den Rhetoriker Ortwin Lämke um eine Stellungnahme gebeten. Und für den ist klar:
„Rüttgers hat das Duell gewonnen“. Ja, und wieso? Die Kraft war doch auch nicht schlecht. Aber: "Ihr Problem war, dass sie sich vielleicht zu sehr an die Spielregeln gehalten hat. Sie wollte zeigen: Ich bin kompetent, ruhig – und fähig, Ministerpräsidentin zu sein. Sie hätte als Oppositionsführerin aber Rüttgers attackieren müssen. Das hat sie nicht geschafft.“
Tobias Peter wiederum hat für eben diesen Kölner Stadtanzeiger den Kommentar geschrieben, in dem er zu dem Ergebnis gelangte: „Remis mit leichten Vorteilen für Kraft“. Im Fußball will uns diese Floskel sagen, dass beide gleich viele Tore geschossen haben, das Team Kraft aber besser gespielt habe, und deshalb eigentlich noch ein Tor mehr hätte schießen müssen.

Was aber ist ein „Remis mit leichten Vorteilen“ in einem Duell? Egal; jedenfalls: „Kraft begegnet solchen Anwürfen offen und gelassen: ,Herr Rüttgers, wir sind 2005 abgewählt worden, weil wir nicht alles richtig gemacht haben.` Die Selbstkritik wirkt souverän“ – so jedenfalls Tobias Peter.

Das sieht aber Thomas Brackheim ganz anders: „Warum so ein Satz? Wir sind abgewählt worden, so eine Botschaft gehört nun nicht in ein Wahlduell. Kein Politprofi erinnert an Negativerlebnisse seiner Partei im Wahlkampf. Da erkannte man die offenbar wenig professionelle Vorbereitung der Sozialdemokratin aus Mülheim.“
Und wissen Sie, wo Vollprofi Brackheim dieses Insiderwissen unters Volk gestreut hat? Auf Alfons Piepers Internet-Portal „Wir in NRW“, das gemeinhin als Geheimwaffe der NRW-SPD gilt. Hui, das ist spannend. Wie kommt das denn jetzt? Sollte Kraft wirklich schlechter als Rüttgers gewesen sein? Oder ist „Wir in NRW“ doch kein SPD-Blog? Oder ist Brackheim nicht ganz so spitze, wie er von sich anzunehmen glaubt?

Tja, meine Damen und Herren, das sind doch die Fragen, von denen das Schicksal der Nation abhängt. Wobei die erste Frage, also die Frage aller Fragen, schon als beantwortet gelten darf. Wer hat das Duell gewonnen? Die einen sagen so, die anderen so.
Und die anderen beiden Fragen? Am besten, Sie lesen xtranews, das bringt Sie auf andere Gedanken! Und das bildet auch ganz schön.

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