Ich und meine Kameras: eine Leidensgeschichte

Nikon D700
Image via Wikipedia

Der nachfolgende Bericht ist nicht objektiv und auch nicht so gedacht. Er soll nur zeigen, wie verrückt ein Markt werden kann, wenn er von Kunden dominiert werden, die sich von „PS-Zahlen“ (hier in Megapixel) blenden lassen wollen und denen letztlich die „Qualität“ völlig egal ist:

Also, vorab: Ich jammere auf höchstem Niveau: Wer meine Kameratasche kennt weiß, dass ich eine D700 mit „Vollformat“-Sensor mein eigen nenne und von meinen 2 Reportage-Objektiven abgesehen nur hoch- und höchstwertige Festbrennweiten besitze. Die D700 mit ihrem 24*36mm-Sensor stellt neben der D3s im Moment die Spitze der digitalen Kameras da, die man für vernünftiges Geld kaufen kann.

In sofern ist es ein wenig gemein, wenn ich über Kompakt-Kameras rede. Aber trotzdem, es muss raus 😉

Vorab

Beide im folgenden besprochenen Kameras kommen mit einem Sensor des Formats 1/2,5″ daher.

Mitnichten also 8×6 mm Sensorfläche. Das  ist für viele Millionen lichtempfindliche Sensoren immer noch verdammt klein – Im Vergleich zu anderen Kompaktkameras, deren Sensoren zum Teil nur 4*3mm groß sind, allerdings immer noch „üppig“

Vergleicht man das aber mit der Nikon, wo 12 Millionen auf der Fläche von 36*24mm untergebracht sind, ist das ein Witz. Mit der zur Verfügung stehenden Sensorfläche steigt und fällt aber auch die Größe der einzelnen Lichtaufnehmer. Logisch, oder? Mit der Größe der einzelnen Lichtaufnehmer steigt die Menge des aufgenommenen Lichts.

Um so weniger Licht die einzelnen Lichtaufnehmer jedoch abbekommen, um so stärker muss das Signal verstärkt werden. Mit dem Verstärken elektrischer Signale einher geht immer Rauschen, dass sich bei Digitalkameras i. d. R. als Farbrauschen bemerkbar macht.

Die Kamerahersteller haben immer mehr Rechenkraft in die Kameras gepackt um mit aufwändigen Mechanismen das Rauschen zu reduzieren. Das meint aber nicht das gelieferte Rauschen des Sensors. Vielmehr versucht die Kamera-Interne Bildverarbeitung das Rauschen raus zu rechnen. Dabei gehen dann – leider – jede Menge Informationen verloren. Von daher gilt die Faustregel:

Um so mehr Rauschreduzierung, um so wenige Details und um so mehr ist das Bild glatt gebügelt. Die letzte C’t-Foto merkte im Kamera-Test dann auch süffisant an, dass viele Kameras nur noch bei Iso 64 (das kennen die meisten von Euch gar nicht mehr, war früher, ganz früher mal „Standard“ bei Dia-Filmen) brauchbare Bilder liefern.

Das die Kameras zudem mit ihren winzigen Objektiven ein weiteres Nadelöhr bilden, brauche ich nicht zu erwähnen. Von daher ist ein 3-fach Zoom das äußerste was ich haben wollen würde. Superzoom geht mal gar nicht, weder an der Spiegelreflex, noch an der Kleinen.

Ein weiteres Problem: Der darstellbare Kontrastumfang, also die „Stufen“ zwischen den dunkelsten Stellen in denen noch was erkennbar ist, bis zur hellsten Stelle, die nur noch als Weiß dargestellt wird (ausgefressen). Zusammenfassend kann man sagen, dass beide Kompakte um die es hier geht beschissen sind: Ist der Sand richtig belichtet, ist der Himmel schon nur noch weiß. Der darstellbare Kontrastumfang in den JPG die aus den Kameras kommen ist einfach nur beschissen zu nennen – und liegt weiter hinter einer Fix-Fokus-Kamera für 10 Euro mit einem Farbbildfilm vom Discounter.

Canon IXUS 85 IS

Die Canon IXUS85 IS habe ich mir damals spontan gekauft. Ich wollte eine  Hosentaschenkamera, keine Panasonic (mir viel zu bunte Bilder) und ich hatte früher schon eine IXUS mit der ich recht zufrieden war. Das Design der Kamera finde ich persönlich sehr gelungen. Aber ich mag ja auch den alten Volvo V70 😉

Das Problem war: Canon macht seit langem schon bei den Kompakten das Pixelrennen mit und so hat die IXUS leider 10 Megapixel. Das Ergebnis ist klar und wenig überraschend: Über ISO 200 geht gar nicht, zumal man die interne Verarbeitung der Bilder nicht unterbinden kann. Würden die Bilder im RAW-Format ausgeliefert und man könnte am PC vorsichtig korrigieren, wäre mehr zu erwarten. So liefert die Kamera aber halt… ähh…. naja.

Bei ISO bis 200 ist die Bildqualität aber durchaus okay. Der AF arbeitet schnell und sauber. Der eingebaute Blitz ist natürlich ein Witz: Im Nahbereich überstrahlt er gerne, weil er nicht weit genug runter regeln kann. Die Reichweite ist, wie man es von so winzigen Leuchten erwarten darf, auf wenige Meter beschränkt.

Positiv ist das rötliche AF-Hilfslicht, dass nicht so nervig und Stimmungen zerstörend ist, wie weiße Suchscheinwerfer, die heute gern verbaut werden.

Im Prinzip ist die IXUS 85 IS also das, was man für sein Geld erwartet. Dank des eingebauten und immer aktiven IS (Bildstabilisators) kann man mit den Einschränkungen der ISO-Werte nach oben auch zurecht kommen.

Leider fährt das Objektiv aus und das kann man ja z. B. am Strand mit dem ganzen Sand nicht gebrauchen. Also bin ich los und habe eine weitere Kamera gekauft:

Olympus µ 850 SW

Ich bin also los und wollte eine wasserdichte Kamera kaufen, mit der man auch unter Wasser kann. Zudem sollte sie Salzwasser ab können, weil ich gerne am Meer bin. Die Konstruktion sollte so sein, dass auch Sand keine Gefahr darstellt (innen liegender Zoom).

Aus den verfügbaren Kameras sprang mir vor allem die Olympus µ 850SW ins Auge: Mit gleicher Sensor-Größe wie die IXUS nur 8 Millionen Pixel. Sie ist Stoßfest (bis 1 Meter 50 Fallhöhe) und Wasserdicht bis 3 Meter. Das Design ist ansprechender als bei den meisten Kameras heute. Nach dem eingangs erwähnten Verhalten sollte die geringere Auflösung  eine bessere (!) Bildqualität bedeuten. Einfach weil das Rauschen geringer ausfällt.

Sollte, könnte, müsste, macht es aber nicht.

Das ich überhaupt eine Oly gekauft habe ist dem Umstand geschuldet, dass sie von den eigenem XD-Mist abrücken und wieder (Micro-)SD erlauben. Das ist schon mal positiv, weil die XD-Karten nicht nur schnarch lahm gewesen sind, sondern auch völlig überteuert. Abgesehen davon, dass ich dann neben CF (Nikon und mein PDA) und (Mirco-)SD (Canon, Handy, PDA, Notebook) ein drittes Medium im Haus gehabt hätte.

Leider hat die Oly aber ein paar merkwürdige Eigenheiten, von denen man natürlich erst mal im Handbuch nix erfährt. Schaltet man zum Beispiel den „IS“ mit ein, ist man verdammt, der Kamera die Wahl des ISO-Wertes zu überlassen, hoch bis 1600 ISO. Das ist in sofern absolut übel, weil die Kamera schon bei ISO 100 und strahlendem Sonnenschein kein rauschfreies Bild liefert. Die einzige Möglichkeit also ist, den Bildstabilisator abzuschalten.

Der AF ist sehr merkwürdig, weil mittig orientiert und die Gesichtserkennung funktioniert nur, wenn das Gesicht direkt in die Kamera guckt. Das macht das Fotografieren aussermittiger Objekte zu einem Glückspiel. Das wird verschlimmert dadurch, dass der AF nicht nur hörbar arbeitet, sondern auch eine spürbare Zeit braucht und gerne mal das Objekt verliert.

Über den eingebauten Blitz möchte ich nicht reden – das ist fast wie bei der Canon, nur noch weniger zu beherrschen. Und statt eines dezenten AF-Hilfslicht, hat die Kamera eine extra helle weiße LED. Die macht zwar jede Stimmung kaputt, dafür wird die Kamera aber mit dem „Feature“ einer LED-„Taschenlampe“ beworben. Da kann man sich nur noch an den Kopf packen.

Dazu kommt, dass die Kamera den darstellbaren Kontrastumfang der Canon noch mal weiter nach unten durchbricht.

Die Rauschunterdrückung lässt sich ebenfalls nicht abschalten und zerstört wesentliche Teile des Bildes. „Rettungsversuche“ verschlimmbessern oft die Lage noch.

Fazit

Ich habe bei der Canon bekommen, was ich erwartet habe. Keine „Gute“ im klassischen Sinne, aber eine brauchbare Kamera. Das ich die Bilder nicht gut finde, liegt an meinem Anspruch an technische Qualität. Dennoch ist die IXUS 85 IS für die meisten Menschen eine tolle Kamera.

Die Olympus wird sich bei mir noch beweisen müssen, wenn ich schnorcheln gehe. Angesichts der geringeren Pixeldichte von 8 zu den 10 Millionen Pixeln der Canon ist die Bildqualität allerdings erschreckend schlecht. Wer eine Kamera für den Strand sucht, der der Sand und das Salzwasser nichts anhaben kann – so wie ich – der mag zufrieden sein.

Ansonsten gilt für beide Kameras, dass die für das geforderte Geld gelieferte Leistung ein schlechter Witz ist.

Den ich aber gar nicht mal mehr den Herrstellern anlaste, sondern eher den Kunden, die immer absurdere technische Daten fordern. Und so lange die 10 Millionen Pixel Kompaktkamera beim Elektronik-Discounter eher aus dem Ramsch genommen wird, als eine gute Kamera mit weniger Pixeln aber besseres Bild verlangt wird, so lange wird das immer schlechter. Denn aktuell sind die Hersteller schon bei 14 Megapixeln.

Warum die Hersteller den Scheiß mitmachen und nur selten (wie Canon mit der neuen S90) „ausbrechen“? Weil die dummen Kunden so alle paar Monate eine neue, schlechtere Kamera kaufen – immer in der Hoffnung die sei jetzt besser als die vorherige. Dummerweise sind heute in meinen Augen alle Kompakten per Definition schlechter als die vor 2 Jahren – was die reine Bildqualität angeht.

Reblog this post [with Zemanta]

3 thoughts on “Ich und meine Kameras: eine Leidensgeschichte

  1. Ich denke da mit Wehmut an meine Ixus 70. Für mich war vor allen Dingen wichtig, dass sie schnell auslöst (bei digitalen Kompaktkameras keineswegs normal) und dass man recht schnell wichtige Einstellungen vornehmen kann (z.B. bei einer Aufnahme im Dunkeln ohne Blitz).

    Leider ist mir da das Display gebrochen. 🙁

  2. Deinem (@Stefan) letzten Satz muss ich widersprechen! Ich verfolge beispielsweise die Entwicklung der DP-Reihe von Sigma nun schon seit ihrer Marktveröffentlichung vor 4 Jahren sehr genau und ich kann dir garantieren, dass jeder einzelne Nachfolger eine Spur besser war als sein Vorgänger. Und das erste Modell, die DP1, war schon richtig klasse! Demnächst erscheint die DP1x und die DP2s, und auch bei diesen beiden Kompakten bin ich vollkommen davon überzeugt, dass sie die typischen Erwartungen wieder erfüllen werden. Der Sensor ist auch einfach super 😀
    Lieben Gruß, the Mäx

  3. Es ist richtig, das Kompaktkameras in der Regel nicht in RAW aufnehmen – aber für die Canon (Ixus, Powershot u.ä.) trifft das nur bedingt zu. Werksseitig werden keine RAW aufgenommen bzw. diese gleich intern in jpeg umgewandelt.
    Mittels eine Firmwarehacks (CHDK – Canon Hackers Development Kit) kann man allerdings so viele Einstellungen selbst vornehmen, dass man denk, eine SLR in der Hand zu haben.
    Dazu zählt dann auch die Aufnahme in RAW – oder besser gesagt die verhinderte Umwandlung der RAW in jpeg. Per script sind Reihenaufnahmen (auch mit Belichtungs- oder Schärfeunterschied) u.v.m. möglich.
    Die RAW-Bilder sind etwas doppelt so groß, wie als jpeg aufgenommene Fotos. Zwar entfällt die interne Umwandlung – das Schreiben auf die SD-Karte kostet aber etwas mehr Zeit.
    Es ist natürlich ein Eingriff in die Firmware und dementsprechend mit Vorsicht zu genießen, es gibt aber wohl noch keine negativen Erfahrungen und ist auch wieder rückgängig zu machen.
    Mehr infos in der c’t Digitale Fotografie 03/2010 oder im chdk-Forum http://www.wirklemms.de/chdk/forum/