Zentralrat der Juden: „Menschenbild des Papstes einen interreligiösen Dialog unmöglich“

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Stephan Kramer

Berlin – Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden (ZdJ), Stephan Kramer, kritisiert in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "ddp" den Papst. Das schlechte Verhältnis zwischen dem Vatikan und dem Zentralrat bezeichnet Kramer als "belastet". „Maßgeblich für diesen Zustand sind vier Ereignisse, die zu erheblichen Irritationen auf jüdischer Seite geführt haben und bis heute nicht ausgeräumt sind“, erklärte Kramer.

Als erstes führt er das Erlauben der Tridentinischen Messe an. Diese Messe beinhaltet nämlich eine Fürbitte, dass die Juden zum christlichen Glauben finden sollen. Zweitens kritisiert Kramer die Absolution von dem Bischof Richard Williamson, welcher den Holocaust leugnete. Drittens findet der Generalsekretär "die Leugnung der Mitverantwortung der katholischen Kirche für den Holocaust in der Rede Benedikts in Auschwitz" nicht sehr positiv. Deshalb kritisierte Kramer viertens die Fortsetzung des Verfahrens zur Seligsprechung von Papst Pius XII.. Dessen Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus sei „alles andere als erforscht“.

Kramer fügte hinzu: „Diese Ereignisse waren keine Betriebsunfälle und basierten auch nicht auf Unkenntnis der Faktenlage, sondern waren konsequente und beharrliche Schritte auf dem Weg des Papstes hin zum katholischen Fundamentalismus.“ Benedikt XVI. habe nach seiner Wahl zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am 19. April 2005 „gegen die Werte der Aufklärung“ gekämpft. Kramer betonte: „Das Menschenbild des Papstes macht einen interreligiösen Dialog, der diesen Namen verdient, unmöglich.“

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