Ex-Innenminister Baum fordert das Ende von Elena

Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) hält das im Januar angelaufene "Elektronische Entgeltnachweis"-Verfahren (Elena), bei dem Arbeitgeber jeden Monat umfangreiche Informationen über ihre Beschäftigten an die Deutsche Rentenversicherung melden müssen, für verfassungswidrig. "Für mich verstößt Elena gegen die informationelle Selbstbestimmung, das Verfahren enthält eindeutig verfassungswidrige Elemente", sagt Baum. Die beim Bundesverfassungsgericht eingelegte Verfassungsbeschwerde gegen die neue Datensammlung, so der Spiegel in einer Vorabmeldung für sein am Montag erscheinendes Magazin, halte er deshalb für "erfolgversprechend". Anwalt Baum selbst hatte erst jüngst mit einer Beschwerde gegen die Vorratspeicherung von Kommunikations-Verbindungsdaten in Karlsruhe Erfolg. Für ihn sei Elena "in gewisser Weise sogar schlimmer" als die Vorratsdatenspeicherung, bei der die Daten dezentral bei Unternehmen vorgehalten werden: "Hier speichert eine Bundeseinrichtung zentral und gleich für bis zu fünf Jahre". Die Überlegungen im Wirtschaftsministerium seines FDP-Parteifreundes Rainer Brüderle, kleineren Unternehmen künftig die Wahl zu lassen, ob sie sich an Elena beteiligen wollen, gehen Baum nicht weit genug. "Ausnahmeregelungen helfen in diesem Fall nicht weiter", so Baum, "das zugrundeliegende Gesetz muss auf den Prüfstand." Aktuell sehe es so aus, als würde mit Elena nicht einmal das ursprüngliche Ziel erreicht, die Verwaltung zu vereinfachen – jedenfalls nicht zeitnah und nur mit erheblichen Vorleistungen der Betriebe. Es liege deshalb jetzt nichts näher als die Frage: Brauchen wir Elena wirklich? Der Ex-Innenminister gibt darauf im SPIEGEL-Interview auch gleich eine Antwort: "Überbordenden Datenhunger hatten wir genug, mir scheint dringend Datenaskese angezeigt".

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