Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit “halbherzig und scheinheilig”

Holocaust-Denkmal

Image by Wolfgang Staudt via Flickr

Berlin / Ludwigshafen – In einem Interview mit der «Rheinpfalz am Sonntag» hat Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit in der Bundesrepublik als «halbherzig und scheinheilig» kritisiert. Der Fall von Massenmörder Martin Sandberger, der unbehelligt in einem deutschen Seniorenstift gelebt habe, mache erneut deutlich, «wie gering das Interesse an der Verfolgung von Nazi-Verbrechen in Deutschland in all den Jahren gewesen war». Weder Politik noch Justiz seien ernsthaft Hinweisen nachgegangen, um die Täter von damals vor Gericht zu bringen.

Sandberger sei ein Beispiel dafür. Die Behauptung, die Bundesrepublik habe die Vergangenheit von Hitler-Deutschland mustergültig aufgearbeitet, spotte jeder Beschreibung. «Das betrifft sowohl die Verfolgung der Täter als auch die Entschädigung der Opfer», betonte Kramer. Es sei geradezu absurd, wenn hochbetagte Überlebende des Holocaust juristisch um ihre Entschädigung kämpfen müssen, «aber ihre Mörder in Deutschland gut versorgt ihren Lebensabend verbringen». Auch sei es in hohem Maße «unglaubwürdig», einerseits die Stasi-Täter zu verfolgen und bei Nazi-Verbrechen wegzuschauen.

Zugleich forderte Kramer nach Angaben der Nachrichtenagentur ddp von der Bundesregierung größere Anstrengungen bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus. Es sei unverantwortlich, gegen Islamismus und Linksextremismus verstärkt vorzugehen zu wollen, die Gefahren von Rechts aber zu übersehen. Es gebe keinerlei Anlass, Entwarnung bei der Bekämpfung der Neonazis zu geben.

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