Ist in Hessen was im Wasser?

Roland Koch, State Premier of Hesse (Germany),...
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Sagt mal, was genau ist denn in Hessen los?

Hessen, daran muss man sich erinnern, ist ein Nachbarbundesland von NRW. In NRW sind am 09. Mai Landtagswahlen und „unser Landesvater“ Jürgen Rüttgers hat ein paar Probleme. Aber der Reihe nach.

Zunächst ist Hessen ja das Bundesland von Roland Koch. Roland Koch wäre vermutlich gerne Silvio Berlusconi geworden, wurde dann aber doch nur Roland Koch. Hier auffällig wurde Roland Koch schon mehrfach. Zum Beispiel, weil er der Meinung ist, er müsste populistisch gegen Ausländer hetzen um Stimmen zu gewinnen.  Für mich ist der Mann ein No-Go und seine Wahl verursacht Krämpfe in der Bauchgegend.

Roland Koch ist übrigens auch der Roland Koch, dem das Jugendstrafrecht gar nicht streng genug sein kann. Sein Land will mit eiserner Hand regiert werden und er will es führen.

Justizminister unter Roland Koch ist Jörg Uwe Hahn aus der FPD. Und der hat jetzt mit einer ganz eigenen Feststellung gerockt und bestimmt jede Menge Pluspunkte bei seinem Landesvater Roland bekommen. Nichts scheint zu unsinnig und so sagt Jörg Uwe:

Im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal an der hessischen Odenwaldschule hat die Landes-FDP Rot-Grün eine Mitschuld vorgeworfen. Hessens FDP-Vorsitzender und stellvertretender Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn sagte dem Berliner Tagesspiegel , SPD und Grüne hätten in den achtziger und neunziger Jahren in der Gesellschaft „ein Klima geschaffen, das erst den Boden für solche Vorkommnisse bereitet hat“.

Quelle: SZ

Das muss man sich zwei Mal durchlesen. Völlig unstreitig ist das nicht nur von der Argumentation her so in etwas das merkwürdigste, dass mir jemals untergekommen ist. Und man fragt sich unwillkürlich ob er das ernst meint.

Ich persönlich halte das für die mieseste nur erdenkliche Art, den Wahlkampf von Schwarz-Geld in NRW unterstützen zu wollen, die man sich nur vorstellen kann.

Aber Hessen wäre nicht Hessen, wenn es dabei bleiben würde. Und weil Papa Koch nun mal CDU ist und nicht FDP, muss er nachlegen. Und er wählt dafür ein Thema, das gerade in aller Munde ist. Das Internet.

Jetzt ist es nur leider so, dass Roland Koch ja nicht unbedingt für seine Expertise im Umgang mit dem Internet gerühmt würde. Außerdem ist im Moment mit der üblichen Kinderpornoraubkopierkillermörder-Nummer auch kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Was also tun?

Ich denke, langfristig wäre Koch gerne Nachfolger von Merkel. Und als solcher muss man ab und an auch mal diplomatisch genug sein, andere vorzuschicken. Vertraute, wie Schäuble für Merkel, sind da immer wichtig und ich nehme mal an, Silke Lautenschläger von der CDU gehört sein Vertrauen.

Der Name sagt Euch nichts? Silke Lautenschläger?

Nun, die Dame ist Umweltministerin in Hessen und schafft das, was man fast für unmöglich gehalten hätte: Sie findet etwas, das garantiert bei vielen Menschen ähnliche Reflexe auslöst wie Kinderpornographie und schafft es, das sogar mit dem bösen Internet zu verknpüfen:

Obwohl es keine Statistiken darüber gebe, geht die hessische Ministerin davon aus, dass immer häufiger Tiere von Menschen als Sex-Objekte benutzt werden. „Fachleute sprechen bereits von einer ,Lifestyle´-Entwicklung auf Kosten der Tiere“, schreibt Lautenschläger. Sie verweist auf „Angebote im Internet von Life-Sex-Shows mit Tieren bis hin zu Tierbordellen“.

Quelle: FR

Dazu muss man wissen, dass:

Die so genannte Zoophilie kann seither nur nur noch geahndet werden, wenn gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wird. Das ist dann der Fall, wenn dem Tier Schmerzen oder Leiden zugefügt werden. Ministerin Lautenschläger weist darauf hin, dass das meistens nicht mehr festzustellen sei. „Selbst Verletzungen führen in der Praxis nur dann zu einer strafrechtlichen Verfolgung, wenn sie offensichtlich (insbesondere blutig) sind“, stellt sie fest.

Interessant daran finde ich, dass wir hier ja immer noch über Deutschland reden. Das Land, dass sich nach wie vor sehr schwer damit tut, nicht-menschliche Lebewesen in einen Stand überhalb einer unlebendigen Sache zu heben.

Und dieses Land hat jetzt plötzlich ein Problem mit Zoophilen und das vor allem im Internet? Mein Gott, geht es noch durchschaubarer?

Vermutlich ist die Intention nach wie vor, den Wahlkampf in NRW zu beeinflussen. Das das unbedingt notwendig ist, sieht man unter anderem daran, dass die hiesige CDU enorme Mobilisierungsprobleme hat.  Und so, wie sie dasteht, ist sie natürlich das Opfer von Satire, Hohn und Spott aller Orten.

Ich nehme allerdings an, Jürgen Rüttgers wird nur wenig begeistert sein von den Machenschaften der Hessen-CDU und auch unser Innenminister, Dr. Ingo Wolf von der FDP wird nicht zu glücklich über die Aktionen der Hessen-FDP sein.

Zu durchsichtig die Motive. Und, was vermutlich einfach noch nicht in den jeweiligen Führungsetagen und Stäben angekommen ist:

Die Zeiten, in denen die Deutschen einen solchen unfassbaren Unsinn einfach hingenommen haben, wenn es Abend in den Nachrichten oder morgens in der Zeitung war… diese Zeiten sind lange vorbei.

Gott sei Dank.

Und man kann wirklich nur inständig hoffen, dass die Bürger von NRW das Schwarz-Gelde Elend beenden. Und die Hessen bei nächster Gelegenheit Roland Koch und sein Gefolge ebenso in die Wüste schicken.

So lange und so viele, bis die Regierungsparteien anfangen, wieder auf Augenhöhe mit uns reden zu wollen. So lange, bis sie aufhören uns für völlig dummer verkaufen zu wollen. Und so viele, bis nur noch die im Amt sein werden, die noch wissen, dass sie Diener des Volkes und nicht deren Herrscher sind.

(Danke an Udo Vetter, der mich via Twitter aufmerksam machte!)

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