Stihl fordert mehr Bodenhaftung von deutschen Politikern und Unternehmern

Stuttgart (ots) – Seniorchef des Motorsägen-Imperiums erklärt bei Reader’s Digest, wie er in seinem Firmenverbund die Weichen für die Zukunft stellt

Hans Peter Stihl, ehemaliger Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages sowie Seniorchef des gleichnamigen Motorsägenherstellers, verliert zunehmend das Vertrauen in die Entscheidungsfähigkeit von Politikern und Unternehmern. "Ich mache mir ernsthafte Sorgen über manche Übernahmeversuche in Deutschland", sagt der 77-Jährige dem Magazin Reader’s Digest (April-Ausgabe) und untermauert seine Skepsis mit einem konkreten Beispiel: "Wenn ich mir vorstelle, dass Porsche versucht hat, das wesentlich größere Unternehmen Volkswagen zu schlucken, kann ich nur den Kopf schütteln."

Die Firma Stihl gilt seit Jahrzehnten als deutsches Vorzeigeunternehmen, das seine Produkte weltweit in rund 160 Ländern verkauft, derzeit 11.500 Mitarbeiter beschäftigt und mit 2,14 Milliarden Euro im Jahr 2008 der Weltmarktführer auf dem Markt der Motorsägen geblieben ist. Trotz des Erfolgs ist Hans Peter Stihl bodenständig geblieben und hat das Familienunternehmen so weitergeführt, wie er es von seinem Vater und Firmengründer Andreas Stihl gelernt hatte: mit dem bekannten schwäbischen Fleiß und der Pflege der Mitarbeiter, die sich mit Genussrechten an der Firma beteiligen können und obendrein eine großzügige Altersversorgung sowie Erfolgsprämien erhalten.

"Wir haben großes Interesse an einer langen und partnerschaftlichen Verbindung zu unseren Mitarbeitern", umreißt Stihl den Stil der Firma, in der Verantwortungsbewusstsein und Loyalität viel zählen. Deshalb gibt es auch Prinzipien, an denen Stihl nicht rütteln lässt. So beliefert das Unternehmen keine Großflächenmärkte, weil man dort den Service nicht garantieren könne. "Unser Qualitätsanspruch darf nicht an der Kasse enden", begründet Stihl diese Entscheidung.

Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise macht sich die stringente Form der Unternehmensführung bezahlt. "Wir müssen nicht zur Bank, um einen Kredit aufzunehmen, sondern nur, um Geld anzulegen", sagt der Mann aus Waiblingen bei Stuttgart, der sich inzwischen wie seine Geschwister – der für Finanzen zuständigen Eva Mayr-Stihl und dem Juristen Rüdiger Stihl – in den Beirat des Unternehmens zurückgezogen hat. An der Art und Weise, wie die Firma geleitet wird, hat sich dadurch aber nichts geändert. "Die Musik spielt bei Stihl im Beirat", gibt der langjährige Chef zu, "ohne uns geht bei wichtigen Investitions- und Produktentscheidungen gar nichts".

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