NPD-Demo in Marxloh

Ein Bericht über einen Haufen Nazis, empörte Anwohner, linke Gegendemonstranten und das besonnene Verhalten der Polizei

 Beginnen sollte die NPD-Demo um 11 Uhr an der Kreuzung der B8 und der Aldenradener Straße in Duisburg Walsum. Tatsächlich war die Kreuzung aber schon lange vorher blockiert: von einer bunt gemischten Truppe aus politischen Jugendorganisationen (Grüne Jugend, Jusos, Falken), linken Gruppen und türkischen Verbänden.

Trotz des „Affronts“ der linken Gegendemonstration, den Zufahrtsweg und den Sammelpunkt der NPD zu blockieren, verhielt sich die Polizei auffallend ruhig und sensibel. Hierzu trug vermutlich bei, das aus der Gruppe keinerlei Provokation zu spüren war. Eher im Gegenteil, entlang der Absperrung tauschte man sich interessiert aus.

Während durch Ansprache einer Bundestagsabgeordneten dann die Gruppe so weit zur Seite bewegt werden konnte, dass die Rettungswege frei gemacht wurden, war schon kurz nach 11 Uhr klar, dass das linke Aktionsbündnis einen Sieg verzeichnen konnte: Die NPD-Demo würde nicht wie geplant und nicht am geplanten Ort beginnen können.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit wurden dann die drei Linienbusse mit rechten Demonstranten der NPD an die Kreuzung Goebelstraße / Aldenradener Straße gefahren, ca. 500 Meter vom eigentlichen Startpunkt entfernt auf der nur gut 1,5 km langen Strecke.

Dort hatte die Polizei bereits vorgesorgt und die vielleicht 100 bis (großzügig geschätzt) 150 rechten Teilnehmer durch ein Zelt geschleust. Dort wurden bei den Nazis nach Waffen und waffenähnlichen Gegenständen gesucht; sie mussten alle Gegenstände und Kleidungsstücke ablegen, die gegen Auflagen verstießen,.

Auf Grund von sichtbaren Problemen bei der Vorbereitung des „Führungsfahrzeugs“ und der aufzusetzenden Lautsprecheranlage, kam es erst mit deutlicher Verspätung zum Beginn der Reden. Das „Führungsfahrzeug“ war übrigens ein 5er BMW aus und zugelassen in GB.

Vor dem „Marsch auf die Moschee“ gab es noch einige wenige Redebeiträge. Der sicherlich interessanteste war von „Kamerad Becker“, einem hageren, sehr jungen Mann. Dieser schrie mit sich überschlagender Stimme seinen Hass in ein von (vor Aufregung?) extrem zitternden Händen gehaltenes Mikrofon.

Erreicht hat er allerdings nur mit Mühe seine mitgereisten Kameraden. Schon wenige Meter weiter machten aufgebrachte Anwohner lautstark ihrem Ärger über diese Provokation Luft. Vermutlich auch deswegen setzte sich der NPD-Zug dann recht schnell in Bewegung und unter dem Skandieren der üblich dumpf-dummen Parolen wie „Ausländer raus“, „Deutschland den Deutschen“, „Wird Ali kriminell – weist ihn aus, aber schnell“, wurde die recht kurze Marschstrecke zurückgelegt.

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Den gesamten Tross sicherten unzählige Polizisten, die sich jedoch in keinem Moment von den NPD-Figuren provozieren ließen oder Vorbehalte gegen die mitlaufenden und ihrem Ärger Lauf lassenden Anwohner hatten.

Auf dem letzten Stück waren die Anhänger der NPD im Grunde unter sich – sieht man von der sichernden Polizei und der dokumentierenden Presse ab. Einzig erwähnenswerte Zuschauerin war die Bewohnerin des Hauses, vor der der Zug zum Halt kam – und die dann auch gleich von verschiedensten Medien interviewt wurde.

Angesichts der Tatsache, dass die linken Gegendemonstranten von der Polizei aus gutem Grund nicht in den Nähe der NPD-Kundgebung gelassen wurden, scheint es von Humor geprägt, wenn der Anführer der Kundgebung den Erfolg preist: Abgeschieden vom Zentrum und ohne das notwendige Publikum in einer Umgebung, in der tumbe rechte Forderungen sicherlich nicht auf fruchtbaren Boden fallen. Um so mehr amüsierte mich das Skandieren, man möge am 9. Mai bei der Landtagswahl die NPD wählen.

Besonders interessant schien mir, dass die Redner an der Abschlusskundgebung ihren Hass nur hinter einem vorgehaltenen Transparent absonderten. Wie auch fast alle Teilnehmer ihre Gesichter unter Kapuzen, hinter Sonnenbrillen und, wenn möglich, gar hinter Plakaten verbargen.

Mein Fazit: NPD´ler sind nicht nur fremdenfeindlich, sondern auch von einer besonderen Feigheit geprägt, die sie nur in der Gruppe überwinden können. Und selbst da trauen sie sich nicht, offen und unmaskiert zu der von ihnen vertretenen Weltanschauung zu stehen. Zudem – und das ist noch wichtiger – haben sie nach wie vor nichts gelernt. Das macht sie eher zu einem interessanten soziologischen Forschungsobjekt.

Ach und die Polizei? Ruhig und deeskalierend machte sie genau das, was ihr Job ist: die Sicherheit zu erhalten. Das haben sie geschafft, indem sie dem Protest der linken Vereinigungen Raum gaben und zugleich eine Lösung für die Rechten fand. Ein guter Kompromiss. Und – für mich – besonders angenehm zu erleben war, dass die Beamtinnen und Beamten den rechten Teilnehmern nicht den Hauch einer Chance gaben, über die Stränge zu schlagen.

Stefan Meiners

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