Altersblindheit: Gerichtsurteil stärkt Patientenrechte

Aachen (ots) – Ein aktuelles Urteil des Sozialgerichtes Aachen vom 11. März 2010 bestätigt die Kritik der Patientenorganisation PRO RETINA Deutschland e.V. an der Versorgungssituation von Patienten, denen Altersblindheit droht. Dem Urteil zufolge haben gesetzlich Versicherte, die an der Altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD) leiden, Anspruch auf die Behandlung mit einer zugelassenen Therapie bei einem Augenarzt ihrer Wahl. Sie müssen sich nicht gegen ihren Willen von ihrer Krankenkasse auf die Anwendung eines nicht zugelassenen Medikamentes verweisen lassen.

In Deutschland erkranken pro Jahr schätzungsweise 50.000 zumeist ältere Patienten an der feuchten altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD). Eine Therapie in der Frühphase kann den Sehverlust stoppen und die Sehfähigkeit sogar wieder verbessern. Wirksame Medikamente sind zugelassen, allerdings gehört die ärztiche Leistung, die Injektion eines Medikamentes in den Augapfel, nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

Darum haben viele Krankenkassen Verträge mit Augenarzt-Gruppen abgeschlossen, um die Kostenübernahme für die Behandlung zu regeln. Allerdings müssen die Ärzte aufgrund der pauschalen Vergütung, die die Kosten für Medikament und ärztliche Leistung umfasst, die billigere, aber für diese Indikation nicht zugelassene Substanz Bevacizumab (Handelsname: Avastin) injizieren, deren Wirksamkeit und Sicherheit für diesen Einsatz indes wissenschaftlich nicht ausreichend belegt ist. Darum sollte diese Substanz nach Meinung von Experten ausschließlich im Rahmen von klinischen Studien eingesetzt werden. Die Kassen sparen aber so die Ausgaben für den teureren zugelassenen Wirkstoff Ranibizumab (Handelsname: Lucentis). Stellt ein Patient den Antrag auf Behandlung, lehnen die Kassen die Übernahme der Behandlungskosten mit Lucentis ab und fordern die Patienten auf, sich bei ihren »Vertragsärzten« behandeln zu lassen.

Nun bestätigt das Sozialgericht Aachen, dass Patienten dies nicht hinnehmen müssen: Sie haben Anspruch auf die Therapie mit dem zugelassenen Medikament durch einen Augenarzt ihrer Wahl.

„Auch unsere Patientenorganisation wünscht sich eine kostengünstige Behandlung, doch die politische Auseinandersetzung über Arzneimittelpreise darf nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden“, betont Ute Palm, Vorstandsmitglied von PRO RETINA Deutschland e.V. Hier sei die Politik gefordert, endlich entsprechende Regelungen zu treffen, betont die Patientenorganisation.

Die PRO RETINA Deutschland e.V. – Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegene-rationen – wurde 1977 von Betroffenen und deren Angehörigen als gemeinnütziger Verein gegründet, um sich selbst zu helfen. Es ist eine bundesweit tätige Organisation mit derzeit 60 Regionalgruppen und rund 6.000 Mitgliedern. Sie bietet Informationen und Beratung und versteht sich als Interessenvertretung der Patientinnen und Patienten in der Öffentlichkeit. Um einen Beitrag zur Entwicklung wirksamer Therapien zu leisten, engagiert sich PRO RETINA Deutschland e.V. über ihre Stiftung auch in der Forschungsförderung.

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