Identität, christliche Seefahrt und zentrale Aufgaben

Jenny von Westphalen - Karl Marx Frau

Image via Wikipedia

Identität – was versteht man eigentlich darunter? Mmhh, eine verdammt komplizierte Frage. Identität bedeutet nämlich einerseits …, andererseits aber auch – sagen wir mal so: Sie sind etwas ganz Besonderes! Na klar doch: Sie sind einmalig. Einzigartig. Allerdings: ich zum Beispiel auch. Und, kaum zu fassen: jeder Mensch ist einzigartig.

Christlich gesprochen: der Mensch ist ein Ebenbild Gottes. Was theologisch betrachtet auch wieder etwas kompliziert ist, weil es vom Typ Mensch inzwischen gut sechs Milliarden gibt, vom Typ Gott jedoch nur drei. Sie wissen schon: Vater, Sohn und heiliger Geist. Bilder liegen im Grunde nicht vor. Sie aber und die anderen sechs Milliarden sind dennoch das Ebenbild, jeder und jede etwas ganz Besonderes.

Einerseits. Andererseits: wenn Sie nun so ganz, ganz anders als alle Anderen sind sagen wir mal so: das ist auch wieder nicht gut. Wenn Sie ganz extrem anders als alle Anderen sind, ist es im Grunde genauso schlecht, wie wenn Sie sich kein bisschen vom Standard Ihrer Sorte unterscheiden. Ein bisschen Einzigartigkeit, ein bisschen von der Stange, und schon ist alles in Ordnung. Denn Sie haben Ihre Identität.

Und beides macht ja auch ganz schön Spaß: anders Sein als die anderen, einzigartig – das ist toll. Wenn man aber im Fernsehen einen sieht und den richtig gut findet, und man sogar meint, sich in dem wiederzuerkennen: auch toll. Man ruft: „Genau wie ich!“ und kann sich freuen. So hatte es dereinst der polnische Arbeiterführer Lech Walesa gehalten, als er den damaligen US-Präsidenten im Fernsehen gesehen hatte: „Genau wie ich!“

Glauben Sie mir: es ist schön, wenn man nicht nur sein Ebenbild als dreieinigen Gott in fernen Sphären weiß, sondern wenn man sich auch im Hier und Jetzt nicht so verloren in Raum und Zeit vorkommt, weil man einen anderen Menschen trifft, in dem man sich wiederzuerkennen vermag. Wenn man voller Freude juchzen kann: „Genau wie ich!“

Mir ist das nämlich vorgestern passiert, als die Rheinische Post über Detlef von Schmeling berichtet hatte. Da habe ich mich echt gefreut! Mensch, was für ein Typ, habe ich mir gedacht: „Genau wie ich!“

Seit Jahrzehnten ist er Mitglied der SPD. Genau wie ich. Aber in einigen Punkten stimmt er durchaus mit der Linkspartei überein. Genau wie ich. Am 16. März hatte er die Dierkes-Veranstaltung im IZ Duisburg besucht. Genau wie ich. Privat natürlich. Genau …, Sie wissen schon. Da saß er in der ersten Reihe. Genau wie ich. Und ist dafür richtig kritisiert worden, ebenfalls – Sie können es sich denken, genau wie ich.

Detlef von Schmeling jedoch –zwei Menschen sind halt doch niemals völlig identisch, nicht einmal Zwillinge – erst ein paar Tage später. Ich hingegen sofort. Bestimmt, weil er nicht so berühmt wie ich ist, könnte ich mir vorstellen.

Wobei: das ist auch wiederum komisch. Detlef von Schmeling hat nämlich – Unterschied Nummer Zwei – schon einmal die Welt umsegelt. Echt wahr, kein Witz. Einmal um die ganze Welt – mit der Jenny von Westphalen. Nein, das ist jetzt keine Indiskretion von mir. Mir der ist er wirklich um die Welt gesegelt. Nicht mit der Frau, sie war ja die Frau von Karl Marx, sondern mit seinem Segelboot, das er auf ihren Namen getauft hatte.

Und letztes Jahr am 10. Januar, als die Duisburger Polizei während einer Milli-Görüs-Demonstration eine Privatwohnung „geöffnet“ und zwei Israel-Flaggen entfernt hatte, war er mit dem Demo-Einsatz gar nicht befasst gewesen. Ich auch nicht. Trotzdem, Unterschied Nummer Drei: Ich bin nicht der Leiter Zentrale Aufgaben bei der Polizei Duisburg. Detlef von Schmeling allerdings schon.

Womit befasst sich eigentlich ein Leiter Zentrale Aufgaben. Ich meine: bei der Polizei. Klar: wenn eine vom Verfassungsschutz als verfassungsfeindlich und antisemitisch eingestufte Vereinigung eine Demonstration mit zehntausend Teilnehmern anmeldet, hat der Leiter Zentrale Aufgaben damit nichts zu tun. Wahrscheinlich weil das Herunterreißen israelischer Flaggen keine zentrale Polizeiaufgabe ist, nehme ich an.

Aber was macht so einer wie Detlef von Schmeling den ganzen Tag? Dienstlich meine ich; privat ist ja Privatsache.

Geht mich nichts an. Politische Veranstaltungen besuchen – Privatleben. Parteiprogramme entwerfen – Privatsache. Was macht eigentlich die Jenny von Westphalen? Nein, nicht die Frau von Karl Marx; die ist doch tot. Das Segelboot von Detlef von Schmeling – wird ja wohl noch leben …

Wobei: die Rede ist jetzt häufig von einem U-Boot. Tja, U-Boot – was versteht man eigentlich darunter? Mmhh, eine verdammt komplizierte Frage. U-Boot bedeutet nämlich einerseits …, andererseits aber auch – sagen wir mal so: Detlef von Schmeling ist etwas ganz Besonderes.

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