Duisburg, quo vadis?

Manchmal ist es schon schwer sich selbst davon zu überzeugen, nicht überall Zusammenhänge zu sehen.

Zum Beispiel heute:

Der Dierkes (Fraktionsvorsitzender der Partei die Linke (PDL) Duisburg)  fällt mit dem von den Ruhrbaronen unterstellten Antisemitismus auf und die Presse weltweit ist schon auf den Guten aufmerksam geworden. Und trotz der Vorgeschichte und der medialen Aufmerksamkeit kann die Lesung im IZ statt finden. Das kann man jetzt gut finden, im Sinne der Meinungsfreiheit, oder schlecht.

Was man dann nicht mehr positiv sehen kann ist, wenn es im Rahmen der Veranstaltung zu Ausschreitungen kommt. Völlig die Fassung verliert man dann, wenn man lesen muss, dass Dierkes die Ausübung von Gewalt nicht nur nicht verurteilt.

Dann kommt raus, dass der stellvertretende Leiter des Polizeipräsidiums Duisburg bei der Lesung war. Das ist zunächst nicht verwerflich, es sei denn, man erinnert wie die Ruhrbarone an die Demo vor einem Jahr, bei der von der Polizei Duisburg in eine Wohnung eingedrungen wurde um Israel-Flaggen abzuhängen – weil sich die Demonstranten gestört fühlten. Und stellt, wie die Ruhrbarone, die Frage nach einem potentiellen Zusammenhang.

Jetzt ist natürlich die Frage ob man annehmen kann, der Vertreter der Polizei würde die Ansichten Dierkes teilen. Die Ruhrbarone stellen es zumindest als möglich da, der betroffene Beamte streitet es ab.

Und über all dem?

Das Schweigen des Duisburger Oberbürgermeisters. Der vor der Lesung wusste, was droht. Der nach der Lesung Kenntnis erlangt haben musste. Und schon im Vorfeld habe ich mich gefragt, ob Dierkes irgendwann noch ein richtiges Problem für den OB von Duisburg, Adolf Sauerland (CDU) werden würde. Und wie das zum Oberbürgermeister paßt, auf der einen Seite zumindest durch Duldung einem potentiellen Antisemiten Raum zu geben – auf der anderen Seite aber lautstark gegen proNRW und Co vorzugehen. Denn in meinen Augen ist es egal gegen welche Art von Menschen sich eine Organisation wendet.

Mehr oder weniger in diesem Kontext ist den Ruhrbaronen aufgefallen, dass die Neonazis-Szene übrigens durchaus auch Sympathie für Dierkes empfindet. Und just heute lese ich, dass es Vorwürfe gibt, die Polizei Duisburg würde die angekündigten Nazi-Aufmärsche einseitig bevorteilen – im Vergleich zu den geplanten Gegendemonstrationen.

Das sind dann so Momente, in denen ich mich frage ob das alles Zufälle sind. Singuläre Ereignisse, die individuell betrachtet werden müssen.  Oder ob man langsam die Frage stellen sollte, wo (politisch gesehen) sich die Stadtführung von Duisburg – und damit auch die vermutlich nie frei von politischen Einflüssen agierenden Behörden – sich befinden.

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